Bundesbank-Studie: Warum die Deutschen lieber mit Bargeld zahlen

Bundesbank-Studie: Warum die Deutschen lieber mit Bargeld zahlen

, aktualisiert 06. November 2011, 16:26 Uhr
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Wer häufig mit Bargeld zahlt, wird von den Forschern „Pocket Watcher“ genannt.

von Johannes PennekampQuelle:Handelsblatt Online

Bezahlungen mit EC-Karte sind praktisch, aber hierzulande hat sich das Plastikgeld gegenüber dem Bargeld nie so richtig durchgesetzt. Ökonomen war das bislang ein Rätsel. Eine Studie der Bundesbank liefert nun Antworten.

DüsseldorfEgal ob im Supermarkt, Schuhgeschäft oder Restaurant – heute gibt es kaum noch einen Ort, an dem Kunden nicht mit EC- oder Kreditkarte zahlen können. Das alte Sprichwort, man könne nicht mehr ausgeben, als man in der Tasche hat, hat im 21. Jahrhundert ausgedient. Immer und überall können Käufer auf ihre Konten – und ihre Dispo-Rahmen zugreifen. Schnell, einfach, unkompliziert.

Theoretisch spricht vieles dafür, dass die modernen Bezahltechniken Geldscheine und Münzen früher oder später zu Raritäten machen. Doch auch im Zeitalter des Plastikgelds wühlen die Menschen in ihren Portemonnaies und kramen an der Kasse den centgenauen Betrag hervor.

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Warum das so ist, haben drei Notenbank-Ökonomen in einer empirischen Studie ergründet. Ihr Fazit: Barzahlungen haben den Vorteil, dass sie ohne großen Aufwand den Überblick über die eigenen Ausgaben ermöglichen – besonders Käufer mit eng begrenztem Budget zahlen deshalb nur selten mit Karte.

Bislang hatten Ökonomen in der Regel unterstellt, dass ausschließlich die Transaktionskosten darüber entscheiden, welche Zahlungsmethode ein Kunde vorzieht. Beim Zahlen mit Bargeld ist das die Zeit und Mühe, die mit dem Gang zum Geldautomaten verbunden ist. Der fällt bei Plastikgeld weg – rein ökonomisch gibt es daher kein Argument, am Bargeld festzuhalten.

Aber wie lässt sich dann unsere Vorliebe für Bargeld erklären? Die Ökonomen Ulf von Kalckreuth, Tobias Schmidt (beide Bundesbank) und Helmut Stix (Österreichische Nationalbank) liefern eine Erklärung: „Wir haben das Augenmerk auf eine einzigartige Eigenschaft von Bargeld gelegt – die Erinnerungsfunktion.“


Forscher fragen 2300 Erwachsene nach Zahlungsvorlieben

Um herauszufinden, ob die Vorliebe für handfeste Münzen tatsächlich mit dieser Eigenschaft zusammenhängt, befragten die Forscher 2300 Erwachsene aus ganz Deutschland zu ihren Zahlungsvorlieben und ihrem Umgang mit Kreditkarten. Außerdem führten die Befragten eine Woche lang Tagebuch über ihre Ausgaben.

Die Forscher konnten über 25.500 Einzelbuchungen auswerten. Das Bargeld liegt vorne – was die Anzahl der Transaktionen betrifft, aber auch ihren Wert.  Der Blick ins Portemonnaie offenbarte zudem: Es verzichten vor allem diejenigen auf Kartenzahlung, die großen Wert darauf legen, einen Überblick über ihre Ausgaben zu haben – besonders häufig sind das Menschen, die sich keine großen finanziellen Sprünge erlauben können.

Die Forscher tauften diese Gruppe „Pocket Watcher“. Diese Käufer bezahlen zwei Drittel ihrer Einkäufe in bar. Erst ab Summen von 116 Euro greifen sie zur elektronischen Alternative. Bei den übrigen Konsumenten geht nur etwa jeder zweite Euro in bar über den Tresen, Karten kommen ab 62-Euro-Einkäufen zum Einsatz. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Bargeld seine wichtige Rolle trotz anscheinend kosteneffektiverer Alternativen behalten kann“, so die Forscher.

In dieser Erkenntnis sehen sie sich auch durch Zahlungsgewohnheiten aus Italien und Österreich bestärkt, die sich mit ihrem Modell erklären lassen. Schwerer tun sich die Volkswirte damit, zu begründen, warum Amerikaner quer durch die Bank eine größere Vorliebe für Plastikgeld hegen.

Die Forscher vermuten, dass dafür soziale Normen und andere Traditionen verantwortlich sind – so waren in den USA schon vor dem Siegeszug der Kreditkarten Schecks weit verbreitet. Immerhin, für überschuldete amerikanische Kreditkartennutzer haben die Notenbanker einen einfachen Tipp parat: „Benutzt Bargeld.“ 


Quelle:  Handelsblatt Online
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