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Clemens Fuest: „Ideologische Debatten vermeiden“

von Dorit Heß Quelle: Handelsblatt Online

Er ist einer der profiliertesten deutschen Ökonomen und kehrt bald zurück in die Heimat. Von Mannheim aus will sich Clemens Fuest stärker in politische Debatten einmischen - und einen Wandel der Ökonomie mitgestalten.

Finanzwissenschaftler Prof. Dr. Clemens Fuest lehrt derzeit an der Universität in Oxford und soll ab März 2013 das Mannheimer ZEW leiten. Quelle: Olaf Storbeck
Finanzwissenschaftler Prof. Dr. Clemens Fuest lehrt derzeit an der Universität in Oxford und soll ab März 2013 das Mannheimer ZEW leiten. Quelle: Olaf Storbeck

Handelsblatt: Herr Fuest, Sie arbeiten seit 2008 als Professor in Oxford und genießen für einen Wissenschaftler ideale Zustände: kaum Lehrverpflichtungen, viel Zeit für Forschung. Was zieht Sie zurück?

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Clemens Fuest: Vor allem ist die Aufgabe am ZEW sehr spannend und vielfältig und das Umfeld mit der Universität Mannheim hervorragend. Außerdem musste ich mich entscheiden: Forsche ich künftig noch intensiver und ziehe mich aus der Politikberatung in Deutschland eher zurück – oder mische ich mich weiter ein. Auf Dauer ist die Doppelrolle, eine Professur im Ausland zu haben und sich zeitgleich an der heimischen wirtschaftspolitischen Debatte zu beteiligen, kaum zu schultern. Mich reizt es, die Diskussion in Deutschland mitzugestalten.

Das Verhältnis zwischen Politikern und Ökonomen in Deutschland ist ja oft nicht gerade harmonisch. Volkswirte klagen, die Politiker seien wenig an ökonomischem Rat interessiert, und Politiker werfen Ökonomen oft Weltfremdheit vor. Das reizt Sie?

Sie haben recht, das Verhältnis zwischen Ökonomen und Politikern könnte besser sein. Und die Politiker haben zum Teil recht, vor allem mit der Kritik, dass Forschung manchmal zu wichtigen Fragen schweigt. Genau das reizt mich: Die Ökonomie muss sich wandeln – und die Politikberatung mit ihr.

Wie kann das gehen?

Wissenschaftler sollten es vermeiden, sich in ideologische Debatten verwickeln zu lassen, und Wert darauf legen, ihre Äußerungen mit Forschungsergebnissen und empirischen Erkenntnissen zu untermauern. Auch mit den Grenzen wissenschaftlicher Einsichten sollte man offen umgehen.

Kommt der Ansatz in den großen deutschen Instituten zu kurz?

Das war in der Vergangenheit teilweise der Fall, heute sind die meisten Institute in Deutschland auf dem richtigen Weg.


„Hoher Durchlauf bringt frische Ideen“

Hat das ZEW Nachholbedarf?

Nein, im Gegenteil. Das ZEW ist seit seiner Gründung Vorreiter einer empirisch fundierten Politikberatung hoher Qualität. Aber die Bedingungen für die Wirtschaftsforschung verändern sich. Politik und Öffentlichkeit sehen wirtschaftswissenschaftliche Forschung kritischer als früher, und Institute wie das ZEW haben die Aufgabe, ihre Erkenntnisse in der Politikberatung und gegenüber einer breiten Öffentlichkeit überzeugend zu vermitteln.

Institutsvolkswirte dürfen weder Technokraten noch Ideologen sein. Wie wollen Sie die perfekte Mischung finden?

Im Mittelpunkt muss stehen, exzellente Wissenschaftler am ZEW zu halten und neue zu gewinnen – von den Doktoranden bis zu den Bereichsleitern. Gemeinsam mit der benachbarten Mannheimer Universität, die international renommierte Forscher in ihren Reihen hat, sollte das gelingen.

Viele ZEW-Mitarbeiter sind Doktoranden – und in der Regel nur wenige Jahre vor Ort. Ist die Fluktuation kein Nachteil?

Die Fluktuation ist hoch, aber das hat auch Vorteile: Hoher Durchlauf bringt frische Ideen. Für Konstanz müssen die Bereichsleiter sorgen, die dabei Erhebliches leisten. Das hat bislang am ZEW gut funktioniert – ist aber eine stete Herausforderung.

Für welche Themen soll das ZEW künftig stehen?

Themen, zu denen wir mittels wirtschaftspolitisch relevanter Forschung wichtige Beiträge liefern können: Arbeitsmarktprobleme, Innovationen und Unternehmensgründungen, die Auswirkungen neuer Kommunikationstechnologien, die Steuerpolitik, Umweltprobleme, das Geschehen an den Finanzmärkten. Außerdem sollten die europäischen Themen wichtig sein, zum Beispiel die Folgen einer europäischen Fiskalunion.

Danke für dieses Interview.

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