Davos Diary 2010: Fahrräder für Afrika

Davos Diary 2010: Fahrräder für Afrika

Manchmal braucht man einen langen Atem, um die Wahrnehmung und das Bewusstsein von Konzernlenkern zu verändern. Die vor zehn Jahren von Hilde und Klaus Schwab gegründete Schwab Stiftung ist ein Beispiel dafür, wie lange es dauert, bis das Konzept des sozialen Unternehmertums die Anerkennung erhält, die es verdient.

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WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy

Es war Hilde Schwabs Gefühl, dass dem Geist von Davos, Konzernchefs, Wissenschaftler, Regierungsvertreter und Vertreter der Religionen an einem Ort zusammenzubringen, etwas fehlt, wenn nicht auch Innovatoren, die an der Basis daran arbeiten, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, daran teilnehmen können.

Mit der Unterstützung ihres Mannes gründete sie die “Schwab Foundation for Social Entrepreneurship”, die sich als die “Stimme für soziale Innovationen” betrachtet.

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Seither veröffentlicht die Stiftung jedes Jahr ein Kompendium, das die Idee und die Erfolge im sozialen Bereich tätiger Unternehmer von der ganzen Welt beschreibt: in diesem Jahr sind es 171.

Je nach geographischer Herkunft zielen diese Sozial-Innovatoren auf verschiedene Problemkreise. “In den Entwicklungsländern sind es vor allem existenzielle Fragen, wie sauberes Wasser, Schulbildung für Mädchen, Zugang zu Medikamenten, landwirtschaftlichen Geräten oder solarbetriebenen Lampen, die die Innovatoren antreiben”, resümiert Hilde Schwab.

In den Industrieländern sind hingegen Herausforderungen wie Kinder- oder Altenbetreuung sowie die Beschäftigung jugendlicher Arbeitslose die treibende Kraft für soziale Innovationen.

Ein Beispiel ist der Schweizer Paolo Richter mit “Gump & Drahtesel“. Er hat sein Hobby, alte Fahrräder zu sammeln und wieder fahrtüchtig zu machen, zum Wohl arbeitsloser Menschen in der Schweiz und Mobilität suchenden Afrikanern zu einem sehr erfolgreichen Geschäftsmodell weiterentwickelt.

Derzeit arbeiten 750 Arbeitslose in seinen Workshops und lernen dort, Fahrräder, die in der ganzen Schweiz gesammelt werden, aufzubereiten und zu verkaufen: Rare Modelle oder Fahrräder in besonders gutem Zustand werden zu höheren Preisen in der Schweiz verkauft; der Grossteil der Räder geht jedoch nach Afrika, wo sie zu sehr günstigen Preisen angeboten werden und dort billige und CO2-freie Mobilität ermöglichen.

Darüber hinaus hat “Gump- & Drahtesel” so genannte “Voiturettes” entwickelt, dreirädrige Gefährte, die sich zum Transport von Lasten und den in Afrika so häufigen Minenopfern einsetzen lassen. “Die Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit, die wir sozialen Innovatoren verschaffen, hilft ihnen sehr”, beschreibt Hilde Schwab den Erfolg ihrer Stiftungsarbeit.

Jedes Jahr werden die “Social Entrepreneurs of the Year” durch einen Festakt in ihrem Land ausgezeichnet, der den Geehrten große Beachtung durch Fernsehen und Presse verschafft.

Dieses Jahr fand die Ehrung allerdings nur im kleinen Kreis statt und ging an einen Deutschen, der ohnehin schon große Bekanntheit genießt: Aufgrund seiner Gründung von “Foodwatch”, einer Organisation die auf die Stärkung der Konsumentenrechte im Nahrungsmittelmarkt zielt, wurde Thilo Bode als “Social Entrepreneur of the Year” 2009 geehrt.

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