Davos Diary 2010: Hab ich jetzt die Welt verbessert?

Davos Diary 2010: Hab ich jetzt die Welt verbessert?

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WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy

Bleibt das "Bonzengelaber" auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos folgenlos? Ein Bericht WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy aus dem kleinen Ort des großen Weltpalavers.

“To improve the State of the World” – den Zustand der Welt verbessern, so lautet das Motto von Davos. Ist das realistisch? Wie bei jedem Großereignis dieser Art haben die Kritiker nicht ganz unrecht: Es ist eine Show der Eitelkeiten, der knatternden Hubschrauber, der lauten Partys, brummender Limousinen und finster dreinblickender Bodyguards mit dem Knopf im Ohr.

Es werden Fensterreden gehalten, vorbereitete Dokumente zu Bergen getürmt, sich wichtig genommen. Je erfolgreicher und beachteter so ein Event ist, um so mehr treten die Show-Elemente in den Fordergrund.

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“Das Bonzenpalaver bleibt folgenlos”, hat mir ein Kollege getwittert, der die Welt als Reporter bereist hat.

Aber diese Art der Kritik kann in ihrer Grundstruktur an jedem größeren Kongress gerichtet sein: Hat der G8-Gipfel in Heiligendamm vor vier Jahren die Finanzkrise verhindern können? Ist der G20-Gipfel vor einem Jahr zu konkreten Ergebnissen gekommen, wie die Welt sicherer vor dem Unwesen der Banken gemacht werden kann?

Wie endlos lange dauern die Palaver in der UNO? Floppenhagen hat den CO2-Ausstoss schon wegen der damit verbunden Reisen erhöht statt herabgesetzt.

Erfolge? Schwer messbar. Sind derartige Treffen dann gleich schon ein Fehlschlag? Das Urteil hängt ab von den Erwartungen. Es sind fast religiöse Erwartungen, die an solche Veranstaltungen, seien sie privat organisiert wie in Davos oder staatlich, gerichtet sind.Die Welt lässt sich nicht durch eine Konferenz bessern, weil es die Weltformel nicht gibt, und sie deshalb nicht gefunden werden kann.

Interessensgegensätze können allenfalls besprochen, aber nicht wegverhandelt werden.

Was die Welt in ihrem Innersten zusammenhält – davon erhält man nicht einmal eine vage Ahnung, oder jedenfalls: man muss schon Optimist sein, wenn man glaubt, so der Wahrheit näher zu kommen.

Aber trotzdem wird ein vages gemeinsames Bewusstsein erzeugt, weil viele ihre Erfahrungen austauschen.

Vor drei Jahren waren die Banken in Davos noch aufgetreten wie die Masters of the Universe

Diesmal sind sie auch da, sie sind aber in der Defensive.

Sie haben ihren Gestaltungsanspruch verloren. Mittlerweile ist klar, dass ihr Beitrag zur Verbesserung der Welt negativ ist, wenn man von kurzfristigen Blasen absieht, die sie als Erfolg ausgeben.

Dafür verstecken die Chefs der produzierenden Industrien ihre Wut auf die Kollegen vom Geldgewerbe nicht mehr. Das ist die Stimmungslage, die wirkliche tiefgreifende Regulierung ermöglicht.

Und es ist die Unsicherheit spürbar: So richtig optimistisch sind nur Asiaten und Brasilianer, da, wo die Wirtschaft brummt.

Aber sie nehmen auch Teil an Diskussionen, wie die Wirtschaft mit dem Klimawandel sich zu wandeln hat. Auch das erzeugt Veränderung – noch vor drei Jahren galt eine Green Economy als spinnerete Forderung Einzelner – heute geht es in der prominentesten Volkshochschule der Welt um die Ausgestaltung von Details wie Smart Grids.

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