Sozialer Wohnungsbau: Warum die Mietpreisbremse nichts bringt

ThemaImmobilien

Kommentar Sozialer Wohnungsbau: Warum die Mietpreisbremse nichts bringt

von Christian Schlesiger

Die Arbeitsgruppe Verkehr und Bau will Mietwucher begrenzen. Doch eine Begrenzung der Mieten bringt wenig. Die Mietpreisbremse kann sogar dazu führen, dass Investitionen in den Neubau zurückgedrängt werden.

Die Arbeitsgruppe Verkehr und Bau gibt Gas. Man habe sich auf ein "Paket für bezahlbares Bauen und Wohnen" verständigt, um den Mietpreisanstieg in deutschen Städten einzudämmen. In Städten mit besonders angespanntem Wohnungsmarkt sollen demnach Bestandsmieten nur noch um höchstens 15 Prozent in vier Jahren angehoben werden dürfen. Auch eine Mietpreisbremse bei Wiedervermietungen sei vorgesehen. Außerdem soll gemäß einer gemeinsamen Mitteilung beider Verhandlungsseiten künftig bei Maklergebühren der Grundsatz gelten: Wer bestellt, der bezahlt.

Die Union hat sich damit weit an die Forderungen der SPD herangerobbt. Doch gegen die Wohnungsmisere bringen die Maßnahmen wenig. Vor allem die Mietpreisbremse kann sogar dazu führen, dass Investitionen in den Neubau zurückgedrängt werden. Aus zwei Gründen:

Anzeige

1. Das Risiko für Investoren wird unkalkulierbar. Zwar soll die Mietpreisbremse nur bei Bestandsmieten und Wiedervermietungen greifen. Eine neue Wohnung bleibt demnach unreguliert und der Vermieter kann die Höhe der Mieten frei bestimmen. Trotzdem beeinflusst eine gesetzlich verankerte Mietpreisbremse bei Wiedervermietungen auch Neubauprojekte. Ein Beispiel: Angenommen, eine Immobilienfirma will neue Wohnungen in einem Stadtviertel bauen, in dem ein Engpass an Wohnungen herrscht. Das Unternehmen kann die Erstmiete beliebig hoch setzen und wird dafür vielleicht auch solvente Mieter finden. Doch sollte der Mieter – etwa aus beruflichen Gründen - nach nur einem halben Jahr wieder ausziehen, greift die Mietpreisbremse. Der Vermieter dürfte dann nur noch etwas mehr als die Durchschnittsmiete verlangen – und damit deutlich weniger als bei der Erstmiete. Die Maßnahme verhagelt also die Rendite des Vermieters und lässt das Risiko für Investitionen steigen. Die Bereitschaft, in den Bau neuer Wohnungen zu investieren, sinkt.

weitere Artikel

2. Die Mietpreisbremse hilft den Reichen: Natürlich klingt die Mietpreisbremse erst einmal nach sozialer Gerechtigkeit. Doch in der Realität dürften davon vor allem die Wohlhabenden profitieren. Denn die Mietpreisbremse soll ja vor allem in Städten mit besonders angespanntem Wohnungsmarkt gelten. Dort läuft die Suche nach Immobilien in der Regel so ab: Wird eine Wohnung als Mietobjekt ausgeschrieben, schicken Interessenten ihre Bewerbungsunterlagen. In begehrten Stadtvierteln bewerben sich dann Dutzende auf eine freie Wohnung. Auch bei geltender Mietpreisbremse hat der Vermieter also die freie Wahl und er wird bevorzugt den solventen Doppelverdienern ohne Kinder den Zuschlag erteilen. Von der Mietpreispreisbremse profitieren demnach vor allem die Reichen.

Die Maßnahmen der Arbeitsgruppe Verkehr und Bau wirken daher eher wie ein Placebo gegen Mietwucher und Überlastung der sozial Schwächeren. Die Gefahr ist groß, dass sich die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt dadurch sogar noch verschlimmert, weil Investoren ihr Geld zurückziehen. Immerhin wird sich die große Koalition aller Voraussicht nach auch auf degressive Abschreibungsmöglichkeiten für Anlagen im Mietwohnungsneubau einigen. Diese Maßnahme ist sinnvoll. Doch sie korrigiert allenfalls das, was die Mietpreisbremse kaputt macht. Die große Koalition geht erst einen Schritt zurück und dann einen nach vorne.

 

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%