100 Prozent Grupp: Manager müssen persönlich für Fehler haften

kolumne100 Prozent Grupp: Manager müssen persönlich für Fehler haften

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Hilmar Kopper beaufsichtigte Daimlers Vorstand, während dieser Fehler machte. Deutsche packt bei hohen Managergehältern nicht der Neid, sondern der Wunsch, dass die Manager auch mit ihren Bezügen haften sollen.

Kolumne von Wolfgang Grupp

Es hat nichts mit Neid zu tun, wenn millionenschwere Manager nach Fehlern am öffentlichen Pranger stehen. Höchste Zeit, dass die Entscheidungsträger persönlich haften.

Der französische Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty wird mit seinem Buch, das im Oktober unter dem Titel „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ in Deutschland erscheint, auch die Diskussion über die Einkommensunterschiede hier zu Lande anheizen. Und dann bin ich sicher, wird die Zeit derjenigen kommen, die uns weismachen wollen, die ganze Diskussion zeige ja nur, dass die Deutschen ein Volk der Neider seien und sie anders als die Angelsachsen den Betuchten ihren Reichtum nicht gönnen.

Das stimmt nicht im Entferntesten. Deutschland ist keine Neid- sondern eine Gerechtigkeitsgesellschaft. Wer hier echte Leistung bringt, muss nicht fürchten, dass jemand ihm seinen Wohlstand, den er sich ehrlich verdient hat, nicht gönnt.

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Es darf aber nicht sein, dass diejenigen, die für große wirtschaftliche Schäden verantwortlich sind, noch mit Abfindungen ausgestattet werden und diejenigen, die jahrzehntelang ihre Pflicht getan haben, dafür in Hartz IV kommen, weil die anderen die Arbeitsplätze vernichtet haben.

Wer kassiert, soll haften

Es hat nichts mit Neid zu tun, wenn Personen am Pranger stehen, die Schäden angerichtet haben und dann zusätzlich mit einer hohen Abfindung verabschiedet werden. Eine Kritik an deren hohen Bezügen ist mehr als berechtigt, weil sie auf ein großes Manko in unserer Gesellschaft hinweist - nämlich die immer stärkere Verwässerung der Verantwortung und Haftung der Entscheidungsträger für ihr Handeln.

Alle sollten wissen, dass diese Entscheidungsträger, die mit hohen Bezügen ausgestattet sind und eine Spitzenposition inne habe, für ihre Handlungen gerade stehen. Solche Leistungsträger müssten zumindest mit einem Teil ihrer Bezüge haften, wenn sie Fehler machen oder das Unternehmen durch ihre Entscheidungen in eine Schieflage bringen.

Tauchsieder Thomas Pikettys strittige Kapitalismus-Formel

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Thomas Pikettys Buch wirft die Frage auf, ob Kapitalismus und Demokratie gemeinsam funktionieren können. Quelle: dpa/Montage

Daimler zum Beispiel hat viele gravierende Fehlentscheidungen getroffen, allen voran die gescheiterte Übernahme des US-Autoherstellers Chrysler. Die Verantwortlichen wurden zuerst mit Millionen ausgestattet und anschließend mit Millionen abgefunden.

Die Forderung nach Haftung gilt selbstverständlich auch für die Aufsichtsratsvorsitzenden. Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper etwa hatte bei Daimler lange Zeit die Verantwortung für Kontrolle des Vorstandes, während das Institut gravierende Fehlentscheidungen traf.

Es muss aber verhindert werden, dass wegen der Haftung niemand mehr Topmanager werden will. Deshalb müsste man die Einkommensteuer ändern.

Spreu vom Weizen trennen

Deshalb würde ich vorschlagen, den Spitzensteuersatz zu erhöhen, zum Beispiel auf 60 Prozent. Wer persönlich für seine Entscheidungen haftet, sollte 50 Prozent Steuerrabatt bekommen. Dann würde sich die Spreu vom Weizen trennen. Ich bin sicher, dass sich bei einem solchen Steuerrabatt viele für die persönliche Haftung entscheiden würden. Dann wären die Entscheidungen aber überlegter, Gier und Größenwahn wäre sicherlich eher Einhalt geboten.

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Das Vermögen in Deutschland ist immer ungleicher verteilt. Quelle: dpa

Im Übrigen glaube ich nicht, dass eine verstärkte Haftung eine abschreckende Wirkung auf gute Unternehmer oder Manager hat. Das Wirtschaftswunder in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg haben wir Persönlichkeiten zu verdanken, die mit ihrem gesamten Vermögen hinter ihrem Unternehmen standen. Dieses Risiko hat sie nicht davon abgehalten, unternehmerisch etwas zu wagen.

Auch heute gibt es viele mittelständische Unternehmen - auch mit mehreren Beschäftigten - oder Einzelunternehmer wie Handwerker, die nicht vor der Gefahr zurückschrecken, bei einer Pleite mit ihrem ganzen Vermögen haften zu müssen.

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Bleibt noch das zunehmende Auseinanderklaffen zwischen Armen und Reichen, das Piketty in seinem Buch beschreibt.

Diese Schere hat sicher mehrere Gründe. Einer steht für mich aber fest: Die Schere geht auch deshalb auseinander, weil Kapital- und Arbeitsplatzvernichter satt Geld verdienen, für ihr Fehlverhalten aber nicht zur Rechenschaft gezogen werden - stattdessen dürfen sie ihre Millionen einfach behalten und vererben.

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