100 Prozent Grupp: Zuwanderung - Wir dürfen ruhig egoistischer sein

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kolumne100 Prozent Grupp: Zuwanderung - Wir dürfen ruhig egoistischer sein

Kolumne von Wolfgang Grupp

Deutschland kann sein Arbeitskräftereservoir nur erhalten, wenn jährlich Hunderttausende Ausländer zu uns kommen. Deshalb muss die künftige Bundesregierung ein Zuwanderungsgesetz auf den Tisch legen, das Anreize für Ausländer schafft, aber auch unseren Interessen dient.

Das Statistische Bundesamt spricht eine eindeutige Sprache: 2012 starben in Deutschland im Saldo gut 250.000 mehr Menschen als geboren wurden. Wenn das so weiter geht, würden wir jedes Jahr rein rechnerisch in etwa die Bevölkerung der Stadt Bonn verlieren oder in vier Jahren eine Million Einwohner. Dass dadurch auf Dauer die Zahl der erwerbsfähigen Menschen extrem zurückgehen würde, kann man sich an fünf Fingern abzählen.

Glücklicherweise steht eine solche Horrorentwicklung nur auf dem Papier, zumindest was das vergangene Jahr angeht. Denn weil sehr viele Menschen nach Deutschland kamen, wuchs die Bevölkerung unterm Strich sogar um rund 190.000. Daraus folgt, dass die Unternehmen hier zu Lande auf lange Sicht nur dann über genügend Arbeitskräfte verfügen werden, wenn es uns gelingt, diesen Zuwanderungsstrom aufrecht zu erhalten.

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Ich habe damit keine Probleme. Bei Trigema in Burladingen auf der Schwäbischen Alb arbeiten schon seit Jahren Menschen aus 25 Ländern unter einem Dach. Die fingen bei uns an, weil sie meist vor Jahren in die Region kamen, ihren Job verloren haben und dann zu Trigema stießen. Trigema selber hat nie in Italien, Griechenland, Polen, Russland oder sonstwo Arbeitskräfte gesucht. Außer vielleicht durch die Sprache fällt keiner von ihnen mehr auf als jeder deutsche Mitarbeiter. Die Ausländer bei Trigema sind allesamt nett, ordentlich und machen ihre Arbeit. Da gibt es auch keine Konkurrenz mit Deutschen.

Wer darf in Deutschland arbeiten?

  • EU-Bürger

    EU-Bürger haben im Rahmen der Freizügigkeit uneingeschränkten Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Das gleiche gilt für Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz.

  • Bulgaren und Rumänen

    Für sie gilt bis zum 1. Januar 2014 noch die eingeschränkte Freizügigkeit, weshalb sie vor der Arbeitsaufnahme eine Arbeitsgenehmigung beantragen müssen. Ausnahmen: Hochschulabsolventen, die eine ihrer Qualifikation entsprechende Tätigkeit aufnehmen, und Auszubildende.

  • Bürger aus anderen Staaten

    Akademiker mit anerkanntem Hochschulabschluss können seit August 2012 die „Blaue Karte EU“ erhalten. Dafür brauchen sie einen Arbeitsplatz mit einem Bruttojahresgehalt von mindestens 46 400 Euro. - Bei Fachkräften aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik genügt ein Jahresgehalt von mindestens 36 192 Euro. Die Bundesagentur für Arbeit muss dem Vertrag zustimmen.

  • Ausländische Absolventen deutscher Unis

    Sie haben nach dem Examen 18 Monate Zeit, um sich in Deutschland einen Arbeitsplatz zu suchen. Ex-Azubis bekommen nach ihrer betrieblichen Ausbildung ein Jahr zugestanden.

Wir leben in Europa, wir leben in einer globalisierten Welt. Da freue ich mich über jeden, der zu uns kommen und arbeiten will. Das heißt aber nicht, dass wir von den Ausländern, die zu uns wollen und bei uns leben, nichts erwarten dürfen. Wir müssen verlangen, dass sich Zuwanderer an unsere Gepflogenheiten im Arbeitsleben sowie im Umgang mit Nachbarn und Kollegen anpassen, dass sie unsere Gesetze einhalten und unsere Grundrechte akzeptieren.

Das ist auch für mich selbstverständlich, wenn ich mich im Ausland bewege. Wenn ich geschäftlich in arabischen Ländern unterwegs war, habe ich mich selbstverständlich an deren Sitten gehalten. Meine Frau hat, wo dies gebräuchlich ist, eine Kopfbedeckung getragen, oder sie ging im Hotel nicht zu Zeiten ins Schwimmbad, in denen dies nur den Männern vorbehalten war. Das ist man dem Land, in dem man zu Gast ist, schuldig.

Das ist umgekehrt auch in Deutschland für die Zuwanderer wichtig. Wenn sie das nicht akzeptieren, stören sie unser Zusammenleben. Sie schüren auch die Vorbehalte der hiesigen Bevölkerung. Diese Gefahr ist umso größer, je mehr sie auf Deutsche stoßen, die durch die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland zu Verlierern geworden sind. Dieses Thema darf die Politik nicht totschweigen oder tabuisieren. Wenn jemand hier seinen Job verloren hat und bei Hartz IV gelandet ist, weil sein Arbeitgeber ins Ausland ging, wird er es nicht gern sehen, wenn von dort jemand kommt und ihm dann eine Beschäftigungsmöglichkeit wegnimmt. Deshalb brauchen wir unsre Produktionsarbeitsplätze in Deutschland. Das sind wir unseren Mitmenschen und vor allen unseren Kindern schuldig sind. Zudem können Deutschland und Europa ihre Position als führende Wirtschaftsmacht nur mit eigener Wertschöpfung halten kann und nicht mit „Beraten“ oder „Abzocken“.

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