
Margarete und Günter Mieth sind bereits vor 16 Jahren nach Detmold gezogen. Die beiden Rentner haben sich 1951 in Erlangen kennengelernt, drei Jahre später zog es sie nach Ostdeutschland; „wir hatten das Gefühl, dort gebraucht zu werden“. Vier Jahrzehnte arbeitete der Pfarrer mit seiner Frau gegen Kommunismus und Atheismus an, in Plauen, Zittau, Flöha, Dresden, zuletzt als Superintendent in Zwickau. Nie sind die Mieths in der DDR zur „Wahl“ gegangen, stets haben sie versucht, ihren drei Töchtern ein aufrechtes Vorbild zu sein, sie gelehrt, ein gerades Leben zu leben, ohne Jugendweihe, Halstuch, SED-Rhetorik.
Die Mieths waren das, was die Stasi einen „operativen Vorgang“ nannte, Deckname Geier, „vielleicht meiner ausgeprägten Nase wegen“, sagt Günter Mieth. Hätten die Mieths nicht gewusst, dass sie in höherem Auftrag in Sachsen sind – „wer weiß, vielleicht hätten wir es nicht durchgestanden“. Ständig wurde Günter Mieth in „dienstlichen Obliegenheiten“ zum Kreisratsvorsitzenden zitiert; die Älteste durfte kein Abitur machen, nicht studieren, musste sich mit einer Ausbildung zur Krankenschwester begnügen; „sie hat uns nie einen Vorwurf gemacht“. Nach der Wende haben die Mieths in Zwickau Runde Tische organisiert, die Stadtmission aufbauen geholfen, ein Altersheim, ein christliches Gymnasium. Zwei Tage nach seinem 65. Geburtstag aber sind sie nach Detmold gezogen, der Nähe zu Brüdern, Schwestern und Schwager wegen, vor allem aber, weil Detmold Detmold ist, sagen die Mieths: „Nach zwei Urlaubswochen auf Probe war klar: Das ist es.“

Eva Maria und Michael Klein sind den umgekehrten Weg gegangen. Vor fünfeinhalb Jahren zogen die beiden zurück in ihre Heimat, nach Weimar, in eine Stadt, „aus der man nicht verreisen muss, um etwas zu erleben“, sagt Michael Klein. Das kulturelle Angebot in Goethes bester aller Welten sei "schlicht phänomenal", bezogen auf die Einwohnerzahl sogar größer als in Berlin oder München, da seien das Nationaltheater und die Staatskapelle, beinahe täglich Gastspiele internationaler Stars und natürlich das alljährliche Kunstfest. Die Kleins bewohnen eine traumhaft geschnittene Altbauwohnung mit herrlichen Stilmöbeln, 160 Quadratmeter für 800 Euro kalt, fünf Gehminuten nur von Altstadt und Goethepark entfernt. Eva Maria malt, Michael spielt Klavier und Saxofon, beide pflegen sie ihr Latein oder widmen sich Bach-Kantaten – es ist vielleicht ihr schönstes, ihr viertes Leben.
Das erste Leben der Kleins war Bildung, Arbeit und Erfolg. 1965 haben sie geheiratet, sie Ärztin, er katholischer Theologe; sie gründeten eine Familie mit drei Kindern, konzentrierten sich danach beide auf den Arztberuf, sie als Allgemeinmedizinerin, er als Facharzt für Inneres. Am 10. Dezember 1979 setzten die Kleins ihrem Erfolg selbst ein Ende, sie stellten einen Ausreiseantrag – und darin die „Erziehung unserer Kinder zu Intoleranz und Unduldsamkeit“ infrage. Fünf Jahre stellten sich die Kleins danach den Schikanen der Kollegen und Behörden; es war ihr zweites, ihr kürzestes, ihr hässlichstes Leben.
Am 22. Februar 1984 endlich durften sie ausreisen, es verschlug sie nach Bitburg in der Eifel, wo sie beruflich so erfolgreich waren wie ehedem, wo sie aber nie heimisch wurden. Bitburg war zu klein, zu eng, zu desinteressiert, „wir wohnten in Bitburg, weil wir in Bitburg Arbeit hatten“. Niemand soll den Kleins was von den Vorzügen Westdeutschlands erzählen, der nicht die „beschämende Armut“ in Eifeldörfern kennt. Und niemand soll ihnen was vorjammern im Osten, der nicht das Weimar vor und nach der Wende kennt. Am 18. Mai 2004, Punkt elf Uhr, waren sie zurück in ihrer Heimatstadt. Sie schlossen Frieden mit ihren drei bewegten Leben. Sie spürten Ruhe und Dankbarkeit. Und sie wussten: Jetzt ist es gut.














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Alle Kommentare lesen11.11.2009, 12:07 UhrAnonymer Benutzer: RRR
@ WiWo - Warum darf Siggi hier eigentlich seinen Unsinn verbreiten und mein beitrag wird zensiert? Hat ihre Redaktion die Meinungsfreiheit nur für sich gebucht? Oder darf man falsche Aussagen nicht korrigieren oder hinterfragen?
10.11.2009, 16:49 UhrAnonymer Benutzer: Tomduddy
Grandioser Artikel, endlich wird einigermassen objektiv berichtet. Der Flickenteppich besteht schon seit Jahrzehnten. Schade, dass vor 40 Jahren kein Ausgleichzuschlag zwischen Süd und Nord gemacht wurde. Eine "Gleichheit" zwischen Ost und West ist genauso utopisch wie vormals zwischen Nord und Süd.
Sicher, Helmut Kohl hat blühende Lanschaften für den Osten versprochen, und mittlerweile ist einiges an Geld dorthingeflossen, nicht nur um blumenbeete zu bepflanzen, die man sehr gut auf frisch geteerten Straßen erreichen kann. Es sollte endlich einmal Schluss damit sein. Das wäre für Ost, West und nicht zu vergessen, für Nord und Süd auch das beste.
Subventionen gleich welcher Art auch immer, bewirken stets das Gegenteil vom dem wofür sie gedacht sind und wecken in der Regel neue begehrlichkeiten. Der deutsche Staat ist nun einmal eine instutition der das Geld seiner Steuerzahler für Lobbyismus und Seilschaften aus dem Fenster schmeißt...... leider! Das Schwarzbuch der Steuerzahler liefert hierzu genug Diskussionsstoff.
Den Solidaritätszuschlag abschaffen, da hat jeder Malocher was davon, wenn er denn noch lange Arbeit hat.
10.11.2009, 16:41 UhrAnonymer Benutzer: RRR
und Siggi verbreitet wieder seinen Fremdenhass...
Ausländerfeindlichkeit - wo ist gleich wieder das Haus der Türkischen Familie abgebrannt? Solingen? Also bei Leipzig ist das nicht. Ausländerfeindlichkeit ist kein (Ost-)deutsches Problem. Das gibt es in ganz Europa. Mal nach FR oder NL schauen.
09.11.2009 23:35 Uhr - Logo, oder? Ein moderner industriestaat brauch eine andere infrastrucktur als ein ind.staat vor 60 Jahren.
09.11.2009 23:44 Uhr - "beschleunigt den Absturz West" - betonung auf "beschleunigte" nicht löste ihn aus.
09.11.2009 23:56 Uhr - Korruption in Sachsen - Nicht nur die Überschriften der biLD lesen, auch die Gegendarstellungen. Es war eine Kampagne gegen einen Richter, mit kräftiger Unterstützung der biLD. Verfahren, aus Mangel an beweisen, eingestellt.
09.11.2009 23:59 Uhr - Na ist die Politik in der bRD ab 1949 denn völlig frei von Nazi,SS und Mitläufern gewesen? Nein, weil einfach nicht möglich! Vielleicht sollten wir die bRD deswegen auflösen und nochmal ganz von vorn beginnen?
Aber da Sie ja offenbar eine absolutes perfektes Organisationstalent sind, würde ich ihnen empfehlen sich bei der nächsten Wahl als Kanzler zur Verfügung zu stellen. Von dem Augenblick an gibt es sicher keine Korruption, Verschwendung, betrug und bürokratie mehr. Goldene Zeiten! Vorher könnten Sie ja bei der Telekom oder der Db üben. Das sind ja - zumindest den Zeitungsberichten nach - auch absolut unfähige Unternehmen.
Und sollten Sie jemals etwas von ihrem s/w - Denken ablegen wollen, kann ich ihnen diesen bericht
http://www.klausklamroth.de/im%20Dienste%20der%20Treuhandanstalt.htm
empfehlen. Aber Vorsicht - er könnte ihr Weltbild erschüttern.
Falls es zuviel Text ist, können Sie von mir auch eine Zusammenfassung haben.