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20 Jahre Mauerfall: Deutschland einig Flickenteppich

von Dieter Schnaas

Vergesst die Normierung der Lebensverhältnisse! 20 Jahre nach dem glücklichen Zusammenbruch der DDR lässt sich nicht mehr entscheiden, ob das Leben im Westen oder Osten Deutschlands besser oder schlechter ist als das Leben im Osten oder Westen. Von WirtschaftsWoche-Chefreporter Dieter Schnaas.

Flickenteppich Deutschland: Armutsquote (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht) Quelle: Johann Sebastian Hänel für WirtschaftsWoche
Flickenteppich Deutschland: Armutsquote (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht) Quelle: Johann Sebastian Hänel für WirtschaftsWoche

Zahlen lügen nicht. Aber sie sagen immer nur die halbe Wahrheit. Glaubt man ihnen, ist Deutschland nach wie vor geteilt, faktisch zerfallen in Ost und West, in alte und in neue Bundesländer, was die Kinderbetreuung anbetrifft, das Demokratieverständnis, das Heirats- und das Wahlverhalten, den Arbeitsmarkt, die Wirtschaftsleistung, die Produktivität, die Löhne und die Industriestruktur. Es ist ein Land, das sich mit Verweis auf die Statistik und deutlich erhobenem Zeigefinger noch immer einen Ostbeauftragten hält und Solidarzuschläge erhebt, ein Land der Bundesergänzungszuweisungen und des institutionalisierten Finanzausgleichs; ein Land, in dem noch immer die datenunterfütterten Vorurteile blühen, hüben wie drüben, von den gemütsarmen Marktwirtschafts-Athleten im Westen und den tropfabhängigen Sozialstaats-Pyknikern in der Ostalgiezone – 20 Jahre nach dem Fall der Mauer.

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Das Geldvermögen der Deutschen klafft weit auseinander

Jeder weiß, dass der Osten nach wie vor schrumpft und kränkelt, dass er anders wählt, mehr Erwerbslose zählt – und dass die Einkommen dort geringer sind. Die Wirtschaft in Ostdeutschland ist noch immer zu kleinteilig und zu schwach, um sich selbst zu tragen. Nur jeder fünfte Ostdeutsche ist in Betrieben mit mehr als 500 Mitarbeitern beschäftigt, in Westdeutschland fast jeder Zweite. Weniger als zehn Prozent der „Made in Germany“-Produkte sind ostdeutscher Herkunft. Die durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste in Industrie und Handel liegen im Westen (3309 Euro) mehr als 40 Prozent über denen im Osten (2295).

Das Bruttoinlandsprodukt, das jeder Hesse (36.382) und Bayer (35.530) erwirtschaftet, übertrifft um 60 Prozent das, was jeder Sachse (22.620) oder Brandenburger (21 721) ranschafft. Entsprechend klafft das Geldvermögen der Deutschen weit auseinander: Eine Familie in Magdeburg hat im Schnitt nur drei Fünftel dessen auf dem Konto, was eine Familie in Mönchengladbach ihr Eigen nennt.

Selbstverständlich sieht sich mit Blick auf solche Zahlen auch die neue Bundesregierung in der politisch korrekten Pflicht, die Mittelzusagen aus dem Solidarpakt II einzuhalten, um die Lebensverhältnisse in Deutschland bis 2019 weitgehend anzugleichen. Anders gesagt: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Guido Westerwelle (FDP) sind sich einig darin, die pompösen Luftschlösser der ökonomischen Gleichheit, die Helmut Kohl (CDU) und Gerhard Schröder (SPD) in den bundesdeutschen Einheitshimmel gezaubert haben, zu erweitern und auszubauen – und die zunehmend bedrängende Wirklichkeit gründlich verschiedener Lebensstandards in ganz Deutschland dabei konsequent zu ignorieren.

Offensichtlich will die Politik nicht einsehen, dass die Normierung des Existenzniveaus einerseits eine Illusion ist, die vor allem sie selbst aus nationalhygienischen und sozialpsychologischen Gründen aufrechterhält – und dass sich die Annäherung der Lebensverhältnisse andererseits längst vollzieht, wenn auch kreuz und quer zur Demarkationslinie, die einst die DDR von der BRD trennte.

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17 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.11.2009, 12:07 UhrAnonymer Benutzer: RRR

    @ WiWo - Warum darf Siggi hier eigentlich seinen Unsinn verbreiten und mein beitrag wird zensiert? Hat ihre Redaktion die Meinungsfreiheit nur für sich gebucht? Oder darf man falsche Aussagen nicht korrigieren oder hinterfragen?

  • 10.11.2009, 16:49 UhrAnonymer Benutzer: Tomduddy

    Grandioser Artikel, endlich wird einigermassen objektiv berichtet. Der Flickenteppich besteht schon seit Jahrzehnten. Schade, dass vor 40 Jahren kein Ausgleichzuschlag zwischen Süd und Nord gemacht wurde. Eine "Gleichheit" zwischen Ost und West ist genauso utopisch wie vormals zwischen Nord und Süd.

    Sicher, Helmut Kohl hat blühende Lanschaften für den Osten versprochen, und mittlerweile ist einiges an Geld dorthingeflossen, nicht nur um blumenbeete zu bepflanzen, die man sehr gut auf frisch geteerten Straßen erreichen kann. Es sollte endlich einmal Schluss damit sein. Das wäre für Ost, West und nicht zu vergessen, für Nord und Süd auch das beste.

    Subventionen gleich welcher Art auch immer, bewirken stets das Gegenteil vom dem wofür sie gedacht sind und wecken in der Regel neue begehrlichkeiten. Der deutsche Staat ist nun einmal eine instutition der das Geld seiner Steuerzahler für Lobbyismus und Seilschaften aus dem Fenster schmeißt...... leider! Das Schwarzbuch der Steuerzahler liefert hierzu genug Diskussionsstoff.

    Den Solidaritätszuschlag abschaffen, da hat jeder Malocher was davon, wenn er denn noch lange Arbeit hat.

  • 10.11.2009, 16:41 UhrAnonymer Benutzer: RRR

    und Siggi verbreitet wieder seinen Fremdenhass...

    Ausländerfeindlichkeit - wo ist gleich wieder das Haus der Türkischen Familie abgebrannt? Solingen? Also bei Leipzig ist das nicht. Ausländerfeindlichkeit ist kein (Ost-)deutsches Problem. Das gibt es in ganz Europa. Mal nach FR oder NL schauen.

    09.11.2009 23:35 Uhr - Logo, oder? Ein moderner industriestaat brauch eine andere infrastrucktur als ein ind.staat vor 60 Jahren.

    09.11.2009 23:44 Uhr - "beschleunigt den Absturz West" - betonung auf "beschleunigte" nicht löste ihn aus.

    09.11.2009 23:56 Uhr - Korruption in Sachsen - Nicht nur die Überschriften der biLD lesen, auch die Gegendarstellungen. Es war eine Kampagne gegen einen Richter, mit kräftiger Unterstützung der biLD. Verfahren, aus Mangel an beweisen, eingestellt.

    09.11.2009 23:59 Uhr - Na ist die Politik in der bRD ab 1949 denn völlig frei von Nazi,SS und Mitläufern gewesen? Nein, weil einfach nicht möglich! Vielleicht sollten wir die bRD deswegen auflösen und nochmal ganz von vorn beginnen?

    Aber da Sie ja offenbar eine absolutes perfektes Organisationstalent sind, würde ich ihnen empfehlen sich bei der nächsten Wahl als Kanzler zur Verfügung zu stellen. Von dem Augenblick an gibt es sicher keine Korruption, Verschwendung, betrug und bürokratie mehr. Goldene Zeiten! Vorher könnten Sie ja bei der Telekom oder der Db üben. Das sind ja - zumindest den Zeitungsberichten nach - auch absolut unfähige Unternehmen.

    Und sollten Sie jemals etwas von ihrem s/w - Denken ablegen wollen, kann ich ihnen diesen bericht

    http://www.klausklamroth.de/im%20Dienste%20der%20Treuhandanstalt.htm

    empfehlen. Aber Vorsicht - er könnte ihr Weltbild erschüttern.
    Falls es zuviel Text ist, können Sie von mir auch eine Zusammenfassung haben.

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