20 Jahre Mauerfall: Zwei Billionen für den Osten

20 Jahre Mauerfall: Zwei Billionen für den Osten

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Blühende Landschaften: Tropical Islands ist eine Wohlfühl-Fabrik mit gigantischem Spaßbad samt Sandstrand und Palmen

von Hermann J. Olbermann, Mark Fehr, Martin Seiwert, Thomas Stölzel und Michael Kroker

20 Jahre nach dem Mauerfall blüht der Osten – hier und da. In der Fläche warten die Menschen dagegen noch auf den wirtschaftlichen Frühling – trotz gigantischer Subventionen und Transfers von zwei Billionen Euro.

Auf halbem Weg zwischen Cottbus und Berlin hat es den Anschein, als parke ein Raumschiff zwischen Autobahn und Spreewaldrand. In Wahrheit handelt es sich um die weltweit größte säulenlose Halle, darin der Freizeitpark Tropical Islands, eine Wohlfühl-Fabrik mit gigantischem Spaßbad samt Sandstrand und Palmen. Die Landschaften blühen – zumindest innerhalb des futuristischen Bauwerks. Ursprünglich sollte die gigantische Halle als Werft für den Cargolifter dienen, ein neuartiger Zeppelin, mit dem sich schwere Frachten transportieren lassen. Doch der Traum von einer Renaissance des globalen Luftschiffverkehrs mit dem Land Brandenburg als Zentrum floppte – trotz millionenschwerer Subventionen. Das gescheiterte Riesenprojekt zeigt: Der Aufbau Ost steht gleichzeitig für Euphorie und Enttäuschung, für Aufschwung und Absturz, für Gelingen und Scheitern.

Historisch einzigartige Herausforderung

Nach dem Mauerfall vor 20 Jahren hatte das bislang größte Projekt der deutschen Wirtschaftsgeschichte begonnen, eine historisch einzigartige Herausforderung: die Verwandlung der zerrütteten sozialistischen DDR-Planwirtschaft in ein effizientes und wettbewerbsfähiges Marktsystem, die Fusion der bis dahin volkseigenen Industriekombinate mit der Deutschland AG, die es damals noch gab. Nach der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion, zum Juli 1990 vereinbart, wurde erst die D-Mark Zahlungsmittel aller Deutschen, dann löste die soziale Marktwirtschaft die zentrale Planung ab.

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Schelle Ernüchterung statt blühender Landschafren

Starkes Gefälle: Osten trotz Aufholjagd im Rückstand

Starkes Gefälle: Osten trotz Aufholjagd im Rückstand

Bald schon werde es in den neuen Ländern „blühende Landschaften“ geben, versprach damals Bundeskanzler Helmut Kohl. Die Ostbürger glaubten ihm das gerne, doch dem Überschwang der Wiedervereinigung folgte schon bald Ernüchterung. Die Anhänger von Kohls CDU hatten gedacht, die Einführung der westdeutschen Variante der Marktwirtschaft würde den Osten quasi automatisch zum Wirtschaftswunderland machen. Doch bei vielen der rund 14.000 ostdeutschen Betriebe mit insgesamt vier Millionen Beschäftigten blieb der Treuhandanstalt nur die Abwicklung. Träumten westdeutsche Politiker anfangs noch davon, mit den Privatisierungserlösen einen großen Teil der Einheitskosten decken zu können, blieben sie später auf rund 300 Milliarden D-Mark Schulden sitzen.

Ein wichtiger Grund: Die Hoffnung, mit den Ostbetrieben ließen sich die Märkte in Osteuropa und Russland erobern, löste sich auf. Denn dort gab es kaum Hartwährung, und wenn doch, dann waren die Produkte aus der Ex-DDR schlicht zu teuer. Durch den politisch gewollten, aber völlig überzogenen Umtauschkurs der Ost- zu D-Mark von eins zu eins für Löhne und Preise waren die Produkte aus dem Beitrittsgebiet über Nacht zu teuer geworden. Darüber hinaus erschwerten auch Eigentumsfragen den wirtschaftlichen Umbau. Rückgabe vor Entschädigung hieß das Prinzip, das zwar Alteigentümer befriedigte, aber nicht selten zu jahrelangen Rechtsstreitigkeiten führte. Bis weit in dieses Jahrzehnt hinein verfielen ostdeutsche Innenstädte, weil unklar war, wem die Grundstücke eigentlich gehörten.

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