25 Jahre Deutsche Einheit: Zeit für eine Wende in den Köpfen

25 Jahre Deutsche Einheit: Zeit für eine Wende in den Köpfen

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Schild "Aufschwung Ost"

von Max Haerder

Ost-West-Bilanzen haben in diesen Tagen Konjunktur. Aber sie verdecken, worauf wir wirklich achten sollten: Dass Aufstieg und Abstieg in Deutschland im Jahr 25 nach dem Mauerfall keine Frage der Himmelsrichtung mehr ist.

Den Anfang machte vor einigen Tagen das Münchner ifo-Institut, es folgten die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die Hans-Böckler-Stiftung und zuletzt, mit dem breitesten Ansatz, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): Sie alle legten ökonomische Bilanzen der Deutschen Einheit vor.

Das ist in dieser Fülle keine Überraschung, weil der 25. Jahrestag des Mauerfalls naht. Und in den Ergebnissen auch nicht: Ostdeutschland hat im vergangenen Vierteljahrhundert gegenüber dem Westen aufgeholt, bei Einkommen und Löhnen, bei der Wirtschaftskraft, bei den Vermögen. Wenn es um Kinderbetreuung und Frauenerwerbsquoten geht, sieht der Osten sogar geradezu blendend aus. „Im Großen und Ganzen“, sagt DIW-Präsident Marcel Fratzscher, „ ist die Deutsche Einheit ein wirtschaftlicher Erfolg.“

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Und doch ist dieser Erfolgs-Prozess beendet, weitgehend zumindest. Seit Ende der Neunzigerjahre, spätestens seit Mitte der Zweitausender schreibt sich der Rest-Abstand, den die Statistiken in den meisten Fällen dokumentieren, mehr oder minder fort. Was als rasanter Ritt begann, ist zu einem geruhsamen Nebenher mutiert.

Man könnte also versucht sein, die Deutschen Einheit  als geglückt und gleichzeitig unvollendet abzuheften. Als unerfüllte Mission. Als nicht ganz gehaltenes Versprechen. Und dann noch einmal genüsslich Helmut Kohl zitierend auf die Flecken in der Landschaft zeigen, auf denen bis heute nichts erblüht.

Man könnte. Aber es wäre falsch. Denn der Maßstab für den Erfolg der Deutschen Einheit bemisst sich schon lange nicht mehr nach Himmelsrichtungen, erst recht nicht nach „alten“ oder „neuen“ Ländern. Die Bundesrepublik teilt sich in boomende und darbende Regionen, in prosperierende Metropolen, gedeihende Universitätsstädte und gesunde Horte des Mittelstands einerseits sowie in Absteiger-Landstriche und demografische Notstandsgebiete anderseits. Sie liegen überall im Land, häufig sogar im selben Bundesland.

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Vor allem: Sie liegen im Osten wie im Westen. Sind Leipzig und Dresden nicht längst viel attraktivere Plätze als Bielefeld oder Duisburg? Sollte man nicht lieber in Jena, Weimar oder Erfurt studieren als in Wuppertal, Paderborn oder Braunschweig? Ist Berlin-Mitte nicht längst viel teurer und schöner als es Hamburg-Steilshoop jemals werden kann? Wer Potsdam kennt, will vielleicht nicht mehr zurück nach Reutlingen. Und auch zwischen Eifel und Wolfsburg liegt ein ökonomischer Graben, tiefer als tief.

Die Ost-West-Statistiken haben keinen Blick für all diese innerdeutschen Unterschiede, die sich nicht an Bundesländergrenzen halten, sie können ihn auch nicht haben. Die Daten-Reihen decken auf und verdecken zugleich die Wirklichkeit. 25 Jahre Mauerfall könnten ein schöner Anlass sein, damit aufzuhören.

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