32-Stunden-Woche für Eltern: Schwesig fördert Gleichstellung statt Familien

Kommentar32-Stunden-Woche für Eltern: Schwesig fördert Gleichstellung statt Familien

Bild vergrößern

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig macht mit dem Plan einer steuerfinanzierten 32-Stunden-Woche für Eltern von sich reden.

von Ferdinand Knauß

Familien arbeitspolitisch zu privilegieren ist richtig. Manuela Schwesig verfolgt mit der 32-Stunden-Woche für beide Eltern aber vor allem ein gleichstellungspolitisches Ziel. Doch die Arbeitsteilung von Paaren geht den Staat nichts an.

Manuela Schwesig ist die perfekte Politikerdarstellerin. Sie weiß, wie man sich auf der Bühne der Öffentlichkeit mit aufsehenerregenden Forderungen inszeniert: 32-Stundenwoche für Eltern – und der Staat zahlt die Differenz zur Vollzeit.

Für Eltern, die sich nach mehr Zeit für ihre Kinder sehnen (also praktisch alle) und besonders für diejenigen, die jeden Arbeitstag mit „Bonjour Tristesse!“ begrüßen (also sehr viele), ist Schwesigs Vorhaben verlockend.

Anzeige

Dass die Arbeitgeber umgehend aufschreien, wird Schwesig nicht überraschen. Natürlich wünscht sich kein Unternehmen eine weitere staatliche Reglementierung seiner Arbeitsverhältnisse. Aber die Ganztagesbetreuung, die die Arbeitgeberverbände nun mal wieder fordert, schafft nicht die Tatsache aus der Welt: Dass der Tag nur 24 Stunden hat und Kinder mehr als jede Kita die Zuwendung ihrer Eltern brauchen. Beides lässt sich auch durch noch so viel „Flexibilität“ nicht herbei organisieren.  

In modernen Gesellschaften liegen die Ansprüche der kapitalistischen Arbeitswelt im Dauerclinch mit dem Wunsch nach Kindern. Zugespitzt kann man sagen: Kapital und Kinder konkurrieren um die Zeit und Ressourcen der Eltern. In den voremanzipierten Nachkriegsjahrzehnten wurde dieser Konflikt in den meisten Familien dadurch gelöst, dass nur die Männer für die Produktion zuständig waren, und die Frauen vor allem für die Kinder.

Sowohl die Emanzipation der Frauen als auch der steigende Bedarf der Wirtschaft nach deren Arbeitskraft tragen dazu bei, dass diese so genannte Einverdiener- oder Hausfrauenfamilie zum gesellschaftlichen Auslaufmodell wird. Die Konfliktlinie zwischen Kapital und Kindern läuft jetzt mitten durch das Leben jeder Frau und jedes Mannes. Jedes Paar muss nun klären, wer von beiden wie viel Zeit und Ressourcen für die Arbeit und für andere Dinge verwendet. Das bedeutet zwar einen Zuwachs an Freiheit, aber auch an Druck. Diesen entschärfen viele Paare durch den Verzicht auf Kinder.  

Die Möglichkeit, den Druck stattdessen durch einen (Teil)verzicht auf Arbeit zu mindern, ist daher nicht nur im Interesse der bereits geborenen Kinder. Es ist auch demografiepolitisch richtig. Die Aussicht auf zeitweilig weniger Arbeit ohne große finanzielle Einbußen könnte auch die Scheu vieler Paare vorm Kinderkriegen mindern.

Eltern arbeits- und sozialpolitisch zu privilegieren, ist deswegen grundsätzlich richtig. Und es ist auch moralisch zu rechtfertigen, dass Steuerzahler ohne Kinder für die Zeit der Eltern mit ihren Kindern zahlen sollen. Der Schutz der Familie steht im Grundgesetz, weil jede Gesellschaft ein existentielles Interesse an ihrer eigenen Reproduktion haben muss. Zurzeit privilegiert der Staat über das Rentensystem de facto die Kinderlosen, indem er die Altersversorgung sozialisiert, während  die Kosten der Kindererziehung weitgehend Privatsache bleiben. Unterm Strich wird auch nach Schwesigs Gesetz der Kinderlose immer noch finanziell bevorzugt dastehen.

Schade nur, dass im Zentrum von Schwesigs Aufmerksamkeit allem Anschein nach nicht die Kinder (inklusive der noch gar nicht gezeugten) stehen. Die Ministerin sieht sich nämlich nicht in erster Linie als Familien-, sondern als Gleichstellungsministerin. Ihr Ziel ist die Volkserziehung im Sinne der Gleichstellung:  „Ich möchte, dass beide Elternteile ihre Wochenarbeitszeit reduzieren.“ Nur wenn Mutter und Vater das tun, soll es einen „Partnerschaftsbonus“ geben. Die 32-Stunden-Woche für Eltern ist  damit der Versuch, gleichstellungspolitisch in die Familien hineinzuregieren.

Schwesig hat die Förderung von „Demokratie und Toleranz“ zum Schwerpunktthema ihrer Legislatur erkoren. Doch bei Paaren, die nicht ihrer Vorstellung von Gleichheit entsprechen, endet Schwesigs Toleranz offenbar.

Interessierte sich Schwesig in erster Linie für das Wohl der Familien mit Kindern, hätte sie eine andere Lösung vorschlagen müssen. Eine die seit langem von Bevölkerungswissenschaftlern und Familienverbänden gefordert wird, und außerdem die Unternehmen nicht zusätzlich belastet: Die längst überfällige Reform der Sozialsysteme inklusive Steuersätze zu Gunsten von Familien. Seit Jahren harren mehrere Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Reform der Sozialversicherung der politischen Umsetzung. Das betrifft sowohl die Anhebung der Steuerfreibeträge für Kinder, als auch die Anrechnung der Kindererziehung als gleichwertige Beitragsleistung in die Rentenversicherung einfließen zu lassen.

Weitere Artikel

Wenn Eltern steuerlich deutlich entlastet würden, könnten sie ganz nach eigenem Ermessen ihre Arbeitszeit reduzieren. Aber für Schwesig ist das vermutlich wenig attraktiv, weil es ihr nicht erlaubt, den gleichstellungspolitischen Zeigefinger zu erheben.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%