500 Euro Prämie: Italien schickt Flüchtlinge nach Hamburg

500 Euro Prämie: Italien schickt Flüchtlinge nach Hamburg

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Italien wird dem Flüchtlingsstrom aus Nordafrika langsam nicht mehr Herr. Angeblich zahlt das Land den Flüchtlingen Geld dafür, dass sie nach Hamburg weiterreisen.

von Hans Jakob Ginsburg

Hunderte afrikanischer Flüchtlinge sorgen für Aufregung. Die Behörden in Italien haben sie angeblich nach Hamburg geschickt - und ihnen auch noch Geld dafür gezahlt. Jetzt stehen sie in der Hansestadt - ohne berufliche Qualifikation und ohne Sprachkenntnisse.

300 bettelarme Afrikaner vor allem aus Nigeria, Togo und Ghana hausen nach Mitteilung der Hamburger Sozialbehörde seit Wochen in der großen Hafenstadt. Armutsflüchtlinge, die über Italien nach Deutschland gekommen sind. In Italien waren sie in erbärmlichen Auffanglagern gestrandet – und haben den Berichten zufolge 500 Euro pro Kopf kassiert, als Prämie fürs Abhauen. Angeblich verbunden mit Ratschlägen für die Weiterreise: Deutschland hieß das Ziel.

Jetzt können wir uns über die Italiener empören, die allen EU-Vereinbarungen zum Trotz solche Flüchtlinge in den wohlhabenden europäischen Norden exportieren. Oder über uns selber, weil der Aufschrei über den Vorgang zumindest im latenten Widerspruch steht zum gerade derzeit so allgegenwärtig hörbaren Gerede vom Willen, Fremde aufzunehmen und zu integrieren. Vor allem über die einigermaßen naive Vorstellung, es ließe sich die Einwanderung von gut ausgebildeten, dringend gebrauchten Fachleuten bei gleichzeitiger Abwehr von unnützen, die Sozialkassen belastenden Eindringlingen fördern. Das kann nicht klappen, weil die erwünschten Fremden erst gar nicht kommen, wenn sie das selektive Zielland Deutschland als garstige Festung wahrnehmen, in der sie allenfalls ihrer Nützlichkeit wegen toleriert werden.

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Flüchtlinge kommen aus Lybien
Also fluchen wir über die italienischen Behörden mit ihrer vermutlich rechtswidrigen Praxis. Als ob die viel dafür können, dass sie so eine lange Küste am Mittelmeer besitzen und (inzwischen hoffnungslos von Flüchtlingen überfüllte) Inselchen wie Lampedusa, die geografisch an Afrika näher liegen als an irgendeiner zur Aufnahme ungelernter Zuwanderer geeigneten europäischen Stadt. Schwer auch, den Menschen zu zürnen, die da unter erheblicher Lebensgefahr in überfüllten und sowieso untauglichen Booten das Mittelmeer überquert haben und jetzt unsere so genannte Willkommenskultur auf die Probe stellen. Wenn die Berichte aus Hamburg stimmen, sind sie nicht ihren ursprünglichen Heimatländern entkommen, sondern dem zunehmend chaotischen Libyen, wo sich ein übler Volkszorn gegen Migranten aus dem schwarzen Afrika richtet: alles angeblich Ex-Söldner des toten Tyrannen Gaddafi. In Wirklichkeit sind sie das natürlich nicht, sie sind aber auf jeden Fall Menschen, die aus Sicht der einheimischen Libyer für erbärmliche Löhne jene Arbeitsplätze wegnehmen, an denen es im Jahr zwei nach dem Bürgerkrieg so gewaltig mangelt.

Skandal wird zum Dilemma

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Nur können wir die schwächliche libysche Regierung kaum zur Verantwortung ziehen, so lange die Libyer sich erinnern, dass EU-Europa im unappetitlichen Bund mit Gaddafi einst dafür gesorgt hatte, dass die einheimische Diktatur sich zum Büttel der europäischen Angst vor den armen Fremden gemacht hat.

So wird der Skandal zum Dilemma. Unlösbar? In der Hamburger Lokalpresse ließ sich der Sozialsenator der Hansestadt mit der Erkenntnis vernehmen, "die zu uns gekommenen Menschen aus Afrika“ hätten in Deutschland „grundsätzlich kaum Chancen, da sie hier – anders als in Italien – keine Arbeitserlaubnis haben". Heißt das im Umkehrschluss, dass es eine Chance gäbe, wenn Arbeitserlaubnisse erteilt würden? Den Versuch wäre es eigentlich wert und würde weder den deutschen Arbeitsmarkt noch im Falle des Scheiterns unser Sozialsystem gefährden. Es geht um 300 Menschen.

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