Abschaffen oder nicht?: Heiße Debatte um Biokraftstoff E10

ThemaEnergiewende

Abschaffen oder nicht?: Heiße Debatte um Biokraftstoff E10

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Essbare Pflanzen zu Treibstoff zu verarbeiten - das beurteilen nicht nur Aktivisten zunehmend kritisch.

Die Debatte um den Biotreibstoff E10 kocht wieder hoch. Angesichts von Dürren und Nahrungsmittelknappheit hat Entwicklungsminister Niebel ein Verkaufsstopp erwägt.

Es gibt gute Gründe für mehr Bio im Benzin: Biokraftstoffe tragen dazu bei, unsere Umwelt und das Klima nachhaltig zu schützen. Im Vergleich zu herkömmlichen Kraftstoffen verursachen die heute verwendeten Biokraftstoffe weniger Treibhausgase und verbrauchen geringere Mengen des immer knapper werdenden Erdöls. Denn das in E10 enthaltene Bioethanol wird aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Deshalb wurde der Biokraftstoff Ende 2010 in den EU-Mitgliedsstaaten verpflichtend eingeführt.

Auf Initiative der Bundesregierung, die bereits im Jahr 2007 erste Entwürfe für einen nachhaltigen Anbau von Biomasse vorgelegt hat, hat sich die Europäische Union in der Richtlinie 2009/28/EG zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen auf Nachhaltigkeitsanforderungen für die energetische Nutzung von Biomasse verständigt. An den Kürzeln E10 und  E85 kann der Verbraucher erkennen, wie viel Prozent Ethanol der Sprit enthält. Die Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung schreibt vor, dass die genutzte Biokomponente gegenüber fossilem Benzin zu mindestens 35 Prozent weniger CO2-Ausstoß führen muss (50 Prozent im Jahr 2017 und 60 Prozent ab 2018).

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Bei der Novelle der EU-Kraftstoffqualitätsrichtlinie wurde ein Treibhausgasminderungsziel für Kraftstoffe in Höhe von mindestens sechs Prozent im Jahr 2020 gegenüber 2010 festgelegt. Auch dieses Ziel soll im Wesentlichen durch Biokraftstoffe erfüllt werden. Dennoch sorgt E10 gegenwärtig für globale Verwirrung. Die Regierung hat wenig erfolgreich versucht, dem Verbraucher das neue Benzin zu verkaufen. Anderthalb Jahre nach der Einführung der Spritsorte hat erst ein Drittel der deutschen Haushalte mit einem Benzin-Pkw schonmal E10 getankt. Nun wird die Abschaffung des Biosprits diskutiert, kontrovers und mitunter sehr emotional.

Stimmt es, dass ... Führt Biosprit-Beimischung in armen Ländern zu Hunger?

In den USA gibt es bereits die Forderung, den Anbau von Mais für die Bioprit-Produktion zurückzufahren. Doch was ist dran an der behaupteten Verbindung von Biosprit, Finanzanlagen in Nahrungsmitteln und Hunger?

Norbert Häring

Zunächst hatte die Regierung den Mineralölkonzernen eine gewisse Verkaufsmenge des Biosprits auferlegt. Nun rudert auch Entwicklungsminister Dirk Niebel zurück und fordert, dass der Kraftstoff E10 vorübergehend nicht an deutschen Tankstellen verkauft werden soll. Zusammen mit Generalsekretär Patrick Döring (FDP) kämpft er mit BUND, Brot für die Welt und Greenpeace gegen die Lobby der Bioenergie.

Eines ihrer stärksten Argumente: Die Vorräte an Getreide sind laut Weltgetreiderat in den vergangenen Jahren stark geschrumpft – von 175 Millionen Tonnen 2010 auf aktuell nur noch etwa 100 Millionen Tonnen - weltweit aber werden inzwischen 150 Millionen Tonnen Getreide jährlich zu Ethanol verarbeitet. Ohne die Ethanol-Erzeugung wären also die Getreidelager sehr gut gefüllt, und es gäbe keine Knappheit.

Der deutsche Bauernverband (DBV) vertritt eine andere Meinung. Er muss die Nachhaltigkeitsanforderungen bei jeder flüssigen Biomasse einhalten. Der Generalsekretär des DBV Dr. Helmut Born sagte: „Der Empfehlung, den weiteren Ausbau der Bioenergienutzung zu unterlassen, kann ich nicht zustimmen. Aus unserer Sicht kann die Bioenergie sehr wohl in den einzelnen Segmenten Elektrizität, Wärme und Verkehr einen zwar begrenzten, aber durchaus wachsenden Beitrag leisten, ohne andere Ziele der Ökologie oder der Nahrungsmittelsicherheit in Frage zu stellen“. Der Bundesverband Bioenergie behauptet zudem, „Biokraftstoffe führen nicht zu vermehrtem Hunger in Entwicklungsländern“.

Spritproduktion E10 - Katastrophe mit Ansage

Die Verwendung von Mais zur Spritproduktion verknappt das Angebot an Nahrungsmitteln. Das treibt die Preise, der Hunger breitet sich aus. Das ist erst der Anfang eines hochsubventionierten Dramas.

Zapfhahn mit E10 Quelle: dpa

Die Konkurrenz buhlt um Landflächen: Auf billigere Nahrungsmittel können die Armen jedoch nicht ausweichen. Die Börsenkurse für wichtige Nahrungs- und Futtermittel wie Weizen, Soja, Mais oder Reis haben bereits angezogen –  Ressourcenknappheit führt bekanntlich zu höheren Preisen. Die Konkurrenz um die begrenzten Landflächen bindet die Nahrungsmittel zudem noch an die Energiepreise. Das Ganze beruht auf einem einfachen Prinzip: Steigen die Preise für Sprit, wird mehr Ackerfläche für die Bioethanolproduktion genutzt. Diese Fläche fehlt für die Nahrungs- und Futtermittelerzeugung, die sich in Bezug auf die Flächenkonkurrenz verteuern.

Das interkontinentale Gerangel um den Biotreibstoff und dessen Ökobilanz wirft kein gutes Licht auf die Umweltpolitik. Selbst wenn die Bilanz besser wäre – es gäbe auch eine einfachere Lösung: Der CO2-Ausstoß ließe sich auch mit sparsameren Autos verringern.

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