Abstimmung im Bundestag: Quatsch mit Quote

KommentarAbstimmung im Bundestag: Quatsch mit Quote

von Cordula Tutt

Feste Vorgaben für Führungskräfte in Unternehmen sind nicht schön. Unschöner noch ist die Situation, die in deutschen Konzernen herrscht. Am wenigsten schön ist der politische  Kompromiss der Union im Bundestag. 

Eins vorweg: Eine Quote für Aufsichtsräte und Vorstände von börsennotierten Unternehmen ist schlecht. Sie erzwingt, dass ein bestimmter Anteil jeweils an Frauen und Männern in der Führung vertreten sein muss. Sie fragt immer nach Männlein oder Weiblein, wo doch die Ausbildung, die Fachkenntnisse und die Erfahrung eine Rolle spielen sollen.

Schlechter noch aber ist die Eintönigkeit in deutschen Chefetagen. Nach wie vor ist der Anteil an Frauen in Dax-Vorständen homöopathisch. Tatsächlicher Einfluss ist auch in kleineren Unternehmen oft unter Männern verteilt. Sie teilen häufig nicht nur Karrierewege, sondern leben auch ein ganz ähnliches Familienmodell, pflegen vergleichbare Hobbies und Netzwerke. Es ist eine über Generationen geprägte Gewohnheit unter Führungsleuten, sich an seinesgleichen zu orientieren und entsprechend Personal um sich zu scharen. Das gilt auch für traditionelle deutsche Medienunternehmen. 

Anzeige

Probeabstimmung CDU-Frauen geben im Streit um Frauenquote nach

CDU-Politikerinnen um Ministerin Ursula von der Leyen lenken im erbitterten parteiinternen Streit um die Frauenquote ein. Bei einem Probedurchlauf stimmten sie nicht mit der Opposition für eine gesetzliche Regelung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, r) unterhält sich mit Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU, l) und Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU, M). Quelle: dpa

Die Quote kann nicht ausgleichen, dass in anderen Bereichen in Deutschland etwas getan werden muss. Sie verpflichtet aber zu einer neuen Denkweise. Genauso wie es nicht stimmt, dass alle Männer in Top-Positionen besser qualifiziert sind als Frauen, wird es auch nicht passieren, dass gute Männer keine Chance mehr haben, an die Spitze zu gelangen. Es gibt genügend gute Frauen. Sie treten aber anders auf und verhalten sich anders als mancher Mann, in dem ein Chef sein jüngeres Spiegelbild zu erkennen glaubt. Wenn eine Frau per Quote nach oben befördert wird, ist sie sicher qualifiziert. Sie bekommt eben eine Chance sich zu beweisen und zu bewähren. Sie würde andere als Vorbild motivieren.

Leider haben es deutsche Chefs jahrelang weniger verstanden als etwa Vorgesetzte in den USA oder Großbritannien, dass Vielfalt beim Personal auch eine Vielfalt im Denken wird. Das hilft in Teams, das hilft aber auch bei den Kunden. Heute entscheiden oft die Frauen, was gekauft wird. Geschäftserfolg hängt früher oder später an solcher Vielfalt im Unternehmen. Was deutsche Politiker im Vergleich zu denen in Frankreich jahrzehntelang nicht verstanden haben, ist, dass verlässliche und flexible Kinderbetreuung entscheidend ist, um Männern und Frauen Karriere und Kinder zu erleichtern. Was deutsche Unternehmen im Vergleich zu skandinavischen Firmen noch wenig praktizieren, sind flexible Arbeitszeiten statt Präsenzkultur. Effizienz und Ergebnisse sollten Maß sein und nicht, dass jemand immer verfügbar ist.

Frauenquote Bundesregierung droht Mehrheitsverlust

Bei der Abstimmung im Bundestag über eine Frauenquote in Aufsichtsräten muss die schwarz-gelbe Regierung um ihre Mehrheit bangen.

Geschäftsleute unterhalten sich Quelle: dapd

All das ist womöglich entscheidender als eine Quote. Die Vorgabe ist nur die klare Aufforderung, die vielen Schwachstellen auszubessern. Damit die Guten nach oben gelangen.

Am schlechtesten nun aber ist das heutige Ergebnis im Bundestag. Union und FDP haben die rot-grüne Initiative für eine gesetzliche Frauenquote in Aufsichtsräten abgelehnt, die im Bundesrat auch mit Zustimmung CDU-geführter Länder durchging. Die Regierungskoalition wehrte die Opposition und die Befürworterinnen und Befürworter (ja, es gibt auch Männer) im eigenen Lager ab. Ohne Fraktionszwang hätten sich wohl mehr als die nötigen 21 Abgeordneten aus Union und FDP auf die Seite der Opposition geschlagen.

Im Gegenzug aber versprachen Kanzlerin Angela Merkel und Fraktionschef Volker Kauder (beide CDU), doch eine Quote von 30 Prozent für Aufsichtsräte zu wollen. Aber eben erst im Jahr 2020, dann auch nur im Wahlprogramm und nicht im Gesetz. Formal ist das eine 180-Grad-Kehre zum Parteitagsbeschluss der CDU, inhaltlich ist die Zusage nichts wert. Wen interessieren schon Wahlprogramme und wer legt sie überhaupt sieben Jahre früher fest.    

Weitere Artikel

Die Botschaft an gut qualifizierte Frauen und an Männer, die sich eine modernere Führungskultur wünschen, ist deprimierend. Es wird sich erst mal wenig tun. Dabei geht auch der Schwung verloren an den Stellen, die entscheidender noch sind. Es geht nicht um Quoten, sondern um eine flexiblere Arbeitswelt, um vielfältigeres Denken und bessere Bedingungen für Familien. Schade.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%