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Abwahlverfahren OB Sauerland: Duisburg hofft auf den Schlussstrich – so oder so

Quelle: Handelsblatt Online

Bei Minus fünf Grad Außentemperatur ist der Gang zur Wahlurne beschwerlich. Trotzdem wollen es sich viele Duisburger nicht nehmen lassen, über die Zukunft ihres umstrittenen Oberbürgermeisters abzustimmen.

Der OB als Sonnenkönig: Viele Duisburger hoffen auf eine Rückkehr zur Normalität nach dem Ende des Abwahlverfahrens gegen Adolf Sauerland. Quelle: dapd
Der OB als Sonnenkönig: Viele Duisburger hoffen auf eine Rückkehr zur Normalität nach dem Ende des Abwahlverfahrens gegen Adolf Sauerland. Quelle: dapd

Duisburg„Der Sauerland hat Scheiße gebaut!“, hallt es durch den Raum. Gerhard Höfkes ist erbost. Wie konnte der Oberbürgermeister die Loveparade nur erlauben? Höfkes steht in einem der Wahllokale, in denen Hunderttausende Bürger an diesem Tag dazu aufgerufen sind, sich für oder gegen Adolf Sauerland auszusprechen. In dem umfunktionierten Klassenzimmer sind Tische und Stühle zur Seite geschoben. Der Andrang hält sich zur Mittagszeit aber in Grenzen, es ist still in den Fluren der Realschule.

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Bei Minus fünf Grad Außentemperatur ist der Gang zur Wahlurne beschwerlich. „Das ist mir aber wichtig genug“, sagt eine Seniorin, die gegen die Abwahl gestimmt hat. Man suche nämlich nur einen Verantwortlichen. Das sieht auch Heinz Schiffer so. „Er ist der Einzige, der abgewählt werden kann.“ Allerdings hat Schiffer gerade deswegen für die Abwahl gestimmt.

„Im Grunde sind wir in den letzten eineinhalb Jahren nicht regiert worden“, erklärt seine Frau Josefine. Viele Duisburger sehnen sich nach dem Schlussstrich, nach Normalität. Auch, um sich wieder mit etwas anderem beschäftigen zu können.

Den Schlussstrich wird es nach Ansicht Monika Schauffs nicht geben. „Es ist ja nicht nur einer Schuld“, sagt sie. Canan Fichter kommt als nächstes aus der Wahlkabine. Für die 18 Jahre alte Erstwählerin ist die Abwahl persönlich wichtig. „Viele meiner Freunde waren da und auch im Tunnel“, erzählt sie. Deswegen sei sie hier. Ob die Freunde verletzt wurden? Fichter zögert. Vielleicht nicht körperlich - aber psychisch schon.


Hoffnung auf mehr Harmonie

Ein Bündnis aus Duisburger Bürgern, Parteien und Gewerkschaften hatte Konsequenzen aus der Katastrophe eingefordert und das Abwahlverfahren gegen Sauerland in Gang gebracht. Der CDU-Politiker trage die politische Verantwortung für die Genehmigung der Duisburger Loveparade, bei der im Sommer 2010 21 Menschen starben.

Die Duisburger Fußgängerzone nahe dem Hauptbahnhof ist wie leergefegt. Dick eingepackt hasten die Wenigen, die auf der Straße sind, zum Bäcker, zur Bank - oder zur Wahl. Auf einem schwarzen Transparent in der Mitte eines Platzes ist in pinker Farbe: „Vote for love“ aufgesprüht.

Vielleicht soll der Satz für die Abwahl werben. Aber vielleicht steht er auch für die Hoffnung auf mehr Harmonie in einer Stadt, die seit der Loveparade-Katastrophe nicht zur Ruhe kam.

Thomas Reuvers hat gerade Brötchen gekauft. Wenn Sauerland abgewählt würde, wäre es eine Erleichterung für die Stadt, glaubt er und zündet eine Zigarette an. Den 29-Jährigen nervt die Debatte. Als Duisburger werde er ständig auf das Unglück reduziert. „Auch wenn man außerhalb ist, wird man ständig darauf angesprochen. Das ist die erste Frage.“

Für einen Neuanfang müsse Sauerland weg. „Wenn er abgewählt wird, wird es gut“, sagt Reuvers und atmet einen Schwall Rauch aus. Die Duisburger hoffen auf das Ende einer langen Diskussion. So oder so.

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