Ärztemangel : Vergoldete Landarztpraxen in der Pampa

Ärztemangel : Vergoldete Landarztpraxen in der Pampa

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Untersuchung beim Arzt

Schrumpfende Bevölkerung, fehlende Infrastruktur: Es wird immer schwieriger, Ärzte zu finden, die sich in der Provinz niederlassen wollen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) will Mediziner deshalb mit Geld ködern. Das allerdings dürfte teuer werden. Einer Umfrage zufolge sind Ärzte nur für ein monatliches Mehrgehalt von mindestens 8000 Euro bereit, eine Landarzt-Praxis zu eröffnen.

Wenn Andreas Köhler, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV, in die Zukunft blickt, malt er ein düsteres Bild. Nicht für ganz Deutschland. Wer krank wird und in der Stadt lebt, wird weiterhin genügend Ärzte in seiner Nähe haben, die sich um ihn kümmern. Doch in manchen ländlichen Regionen, vor allem in Ostdeutschland, wird die gute alte Hausarztpraxis Mangelware sein. Der Orthopäde, Augenarzt, Gynäkologe sowieso.

Laut KBV wird in den nächsten zehn Jahren mehr als die Hälfte aller Ärzte in Deutschland in Ruhestand gehen. Drei von vier  Medizinstudenten denken angeblich darüber nach, sich ins Ausland zu verabschieden. Ärzte sind zudem wenig flexibel: Hausärzte lassen sich in der Regel in der Nähe ihres Geburtsortes nieder, Fachärzte in der Nähe des Krankenhauses, an dem sie ihre Ausbildung zu Ende gebracht haben.

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Mit Filialisierung aus dem Teufelskreis des Ärztemangels

Gleichzeitig stirbt in den strukturschwachen Gegenden in Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg „jeden Tag insgesamt ein Bus voll Menschen“ weg, so Köhler, geht den Krankenkassen als Beitragszahler verloren und den Ärzten als Patienten.

Nicht nur ein Berliner Arzt hängt also vielleicht zu Recht  an den Verlockungen der Großstadt. Es wird von Tag zu Tag auch weniger lukrativ, eine Praxis im Umland zu eröffnen. Eine Teufelsspirale.

„Wir müssen den Arzt auch in solche Regionen bringen“, fordert deshalb Ärztechef Köhler. „Durch Filialisierung“.

Soll heißen: Ein Hausarzt wohnt beispielsweise im Speckgürtel von Berlin. Er pendelt tageweise in die umliegenden Kleinstädte und behandelt dort im wahrsten Sinne des Wortes ambulant. So kann er mehrere Orte gleichzeitig versorgen. Die Patienten werden sich daran gewöhnen, dass ihr Hausarzt nur noch montags Sprechstunde hat, dienstags dann der Kinderarzt vor Ort ist,  am Mittwoch die Augenärztin und donnerstags der Orthopäde. Als Behandlungsort kämen Gesundheitsstationen in Frage, die von den Kommunen eingerichtet und finanziert werden müssten.

100.000 Euro zusätzlich für Landärzte

Geht es nach der KBV, können die Ärzte als Freiberufler durch die Lande tingeln oder als Angestellte. Allerdings müsse das Honorarsystem geändert werden, fordert Köhler. Weg von der Fallpauschale, wie sie jetzt üblich ist, hin zur Entlohnung der Zeit, die ein Arzt seinem Patienten widmet. Nur so rentiert es sich für den freien, niedergelassenen Arzt, auch weitere Wege zu seinen Kranken in Kauf zu nehmen. Außerdem soll die KBV künftig die Möglichkeit haben, Ärzte anzustellen. Denn auch das unternehmerische Risiko ist ein Grund, warum viele Uni-Absolventen davor zurückschrecken, viel Geld in die Ausstattung einer Landarzt-Praxis zu stecken.

Neben der „Fililalisierung“ von Praxen setzt Köhler auf finanzielle Anreize. Schon heute locken manchen Kassenärztlichen Vereinigungen Ärzte aufs Land, indem sie beispielsweise die teuren medizinischen Geräte bezahlen oder ein Wohnhaus zur Verfügung stellen. Der Erfolg ist bisher mäßig. Kein Wunder: Einer Umfrage zufolge sind Mediziner nur dann zum Wechsel auf eine Landarztstelle bereit, wenn sie monatich 8000 Euro mehr verdienen. Pro Jahr und pro Landarzt 100.000 Euro zusätzlich - die vergoldete Pampa könnte für das Gesundheitssystem noch teuer werden.

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