"Äußerst begrenzte" Wirtschaftskenntnisse: AfD-Sprecher Lucke rechnet mit Merkel ab

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"Äußerst begrenzte" Wirtschaftskenntnisse: AfD-Sprecher Lucke rechnet mit Merkel ab

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Bernd Lucke, Sprecher der "Alternative für Deutschland", hat Zweifel an den Wirtschaftskenntnissen der Bundesregierung.

von Tim Rahmann

Die "Alternative für Deutschland" verschärft den Ton gegenüber der Bundesregierung. Die Koalition habe "lächerliche Fehler" gemacht und kaum Sinn für ökonomische Zusammenhänge.

Angst vor großen Namen hat Bernd Lucke nicht. Der Sprecher der "Alternative für Deutschland" wünscht sich ein TV-Duell, in dem mit Merkel und Steinbrück publikumswirksam diskutieren könnte. Dazu wird es freilich nicht kommen. Die Bundeskanzlerin und der SPD-Herausforderer werden sich nur ein einziges Mal in einer Fernsehdebatte gegenüberstehen – und dabei auch nur im direkten Duell. Also tingelt der 50-Jährige, der in Hamburg Volkswirtschaft lehrt, durch die Talkshows der Republik und diskutiert statt mit Merkel und Steinbrück mit Wolfgang Bosbach (CDU), Christian Lindner (FDP) oder Jürgen Trittin (Grüne). Dabei macht der AfD-Mann - wie beim Raab-Talk "Absolute Mehrheit" - eine gute Figur, auch wenn nicht immer alles glatt läuft.

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Die Anti-Euro-Thesen der „Alternative für Deutschland“

  • 1. Forderung

    Wir fordern eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes. Deutschland braucht den Euro nicht. Anderen Ländern schadet der Euro. (Quelle: Parteiprogramm)

  • 2. Forderung

    Wir fordern die Wiedereinführung nationaler Währungen oder die Schaffung kleinerer und stabilerer Währungsverbünde. Die Wiedereinführung der DM darf kein Tabu sein.

  • 3. Forderung

    Wir fordern eine Änderung der Europäischen Verträge, um jedem Staat ein Ausscheiden aus dem Euro zu ermöglichen. Jedes Volk muss demokratisch über seine Währung entscheiden dürfen.

  • 4. Forderung

    Wir fordern, dass Deutschland dieses Austrittsrecht aus dem Euro erzwingt, indem es weitere Hilfskredite des ESM mit seinem Veto blockiert.

  • 5. Forderung

    Wir fordern, dass die Kosten der sogenannten Rettungspolitik nicht vom Steuerzahler getragen werden. Banken, Hedge-Fonds und private Großanleger sind die Nutznießer dieser Politik. Sie müssen zuerst dafür geradestehen.

  • 6. Forderung

    Wir fordern, dass hoffnungslos überschuldete Staaten wie Griechenland durch einen Schuldenschnitt entschuldet werden. Banken müssen ihre Verluste selbst tragen oder zu Lasten ihrer privaten Großgläubiger stabilisiert werden.

  • 7. Forderung

    Wir fordern ein sofortiges Verbot des Ankaufs von Schrottpapieren durch die Europäische Zentralbank. Inflation darf nicht die Ersparnisse der Bürger aufzehren.

Seine Argumente sind so bekannt ("Euro-Austritte möglich machen", "Zeit der Mini-Zinsen beenden", "Griechenland in die Insolvenz schicken"). Neu ist die Schärfe, mit der Bernd Lucke im Interview mit dem Handelsblatt die Bundesregierung kritisiert. "Merkels Sinn für ökonomische Zusammenhänge ist äußerst begrenzt", erklärt der AfD-Mann da. "Und wie bewerten Sie auf einer Skala von null bis zehn die wirtschaftlichen Fähigkeiten von Finanzminister Schäuble?", haken die Kollegen nach. "Maximal zwei!", so der Euro-Rebell. Schäuble habe die ganze Krise "vollkommen falsch eingeschätzt". "Er glaubte, die Rettungsschirme brauchte man nur für drei Jahre, er würde keine Steuergelder kosten und die Krise würde auf Griechenland begrenzt bleiben können. Aus heutiger Sicht ist das lächerlich."

Falsch liegt Lucke mit seiner Einschätzung nicht. In der Tat - siehe Bildergalerie oben – hat die Regierung bereits viele Fehleinschätzungen in der Euro-Rettung gemacht. Ob das im Frühsommer 2010, damals wurde die Griechenland-Rettung und die Schaffung eines Schutzwalls beschlossen, zu erahnen war, ist fraglich. "Es war damals nicht abzusehen, dass so viele Staaten Hilfe benötigen würden", erklärte ein parteiloser EU-Diplomat erst neulich im Hintergrundgespräch. "Viele rechneten damit, dass alleine die Schaffung dieses Schutzwalls als Zeichen reichen würde, um die Märkte zu beruhigen." Es sei nicht vorgesehen gewesen, die Mittel wirklich abrufen zu müssen.

Es ist anders gekommen. Bleibt die Frage, wie der Schaden nun begrenzt werden kann. Luckes Motto: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Die südeuropäischen Euro-Länder sollen die Währungsunion verlassen. Griechenland & Co. sollten in die Insolvenz geschickt werden, auch wenn die bisherigen Kredite Deutschlands damit futsch wären. "Wenn jetzt keine Umkehr stattfindet, kommen auf Deutschland noch viel schrecklichere Lasten zu", ist Lucke überzeugt.

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