ThemaMedien

AfD: Alexander Gaulands Krieg

Bild vergrößern

40 Jahre lang war AfD-Vizechef Alexander Gauland mit Leib und Seele Christdemokrat. Dann kam Hermann Gröhe.

von Dieter Schnaas

Alexander Gauland war Vordenker des Bürgertums, jetzt personifiziert er die neue AfD. Die Partei versucht sich rechts von der Union als neo­konservative Kraft zu etablieren. Wie rechts ist die Partei?

An diesem Montag bricht Alexander Gauland nach Indien auf, um der muslimischen Kultur seine Referenz zu erweisen. Zehn Tage Delhi, Agra, Jaipur statt Reutlingen, Bad Saulgau und St. Leon-Rot, ein lang gehegter Wunsch und ein Geschenk der Tochter zum 75. Geburtstag nächste Woche. Gauland freut sich riesig, endlich einmal Sendepause, raus aus den Brauhäusern und Stadthallen des Landtagswahlkampfs, hinaus in die weite Welt, zum Taj Mahal und zum Roten Fort, zum Palast der Winde und zur Jama Masjid, der größten Moschee Indiens.

Ironisch findet Gauland daran nichts. Der stellvertretende Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD) hält es mit dem britischen Kolonialherren Lord Curzon, der sich im geschichtsstolzen Indien vor gut 100 Jahren Respekt durch Respekt zu verschaffen wusste, durch Achtung vor dem kulturell Verschiedenen – durch die Restaurierung des baufälligen Taj Mahal. Gauland liebt solche Geschichten.

Anzeige

Die Ehrfurcht der Verwurzelten vor kultureller Differenz. Die stolze Behauptung traditionsbewusster Identität. Die Souveränität der Herkunftsgewissen, das Fremde und Andere in seiner Fremdheit und Andersartigkeit wertschätzen zu können.

Früherer AfD-Chef Bernd Lucke gibt nicht auf

Bernd Luckes Partei Alfa leidet vor allem unter ihrem geringen Bekanntheitsgrad. Die Rivalen der AfD saugen derzeit viel Unmut auf – bevorzugt am rechten Rand. Hat Alfa mehr zu bieten als gekränkte Eitelkeit?

Etwas mehr als 2800 Mitglieder hat Alfa bis jetzt. Quelle: dpa

Der Islam zum Beispiel. Genießt dank seiner Herkunftsgewissheit bei Gauland ausdrücklich Asyl vor den Nachstellungen der westlichen Welt. Weil die USA das „Lebensrecht“ der Araber einschnüren. Und weil der Gottesglaube vor seiner „kulturellen Überwältigung“ durch Coca-Cola-Demokratien geschützt werden muss.

Nachdem der Kapitalismus und die „permissiv-zynischen Spaßeliten“ die religiösen und ethischen Traditionsbestände des Westens geschleift haben, ist der Islam die „letzte große geschlossene geistige Kraft, die wir in ihrem Eigenwert respektieren und der wir ein Recht auf autonome Gestaltung ihres Andersseins zugestehen müssen“, sagt Gauland. Nur bitte: nicht hier. Nicht in Deutschland.

Rechtspopulisten Geschenke für die AfD

Malu Dreyer, Julia Klöckner, Angela Merkel, Sigmar Gabriel – sie alle schenken sich nichts, wenn es darum geht, die Rechtspopulisten stark zu machen. Eine Anklage.

Rechtspopulisten: Geschenke für die AfD

Das Recht auf die Gestaltung des Andersseins. Das ist es also, was Gauland meint, wenn er Bundeskanzlerin Angela Merkels (CDU) „Wir schaffen das“ entgegenhält: „Wir wollen es gar nicht schaffen.“ Der Islam gehört zu Indonesien und Pakistan, Ägypten und Syrien. Zu Deutschland gehört er nicht.

Was aber gehört zu Deutschland? Schon möglich, dass die meisten Deutschen das nicht mehr wissen. Dass sie mit den Schultern zucken, wenn sie Aussagen über sich selbst treffen sollen. Geschichtsvergessen sind sie, was Otto und Karl betrifft, Luther und Friedrich, Metternich und Bismarck. Von Schuld besessen wegen Hitler, Himmler, Goebbels.

Draußen vor dem Altbaufenster, im Frankfurter Nordend, gleich gegenüber vom Holzhausenpark, sind Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit einst um die Häuser gezogen, haben ihre Pläne zur Abschaffung des Deutschen ausgeheckt, das Fundament schwarz-rot-gold-geteilter Werte untergraben.

Wird die AfD langfristig erfolgreich sein?

  • Die Umfrage

    Die Forschungsgruppe Wahlen hat zwischen September 2014 und Mai 2015 in Deutschland Wahlberechtigte befragt, ob sie glauben, die AfD werde langfristig erfolgreich sein.

    Quelle: ZDF Politbarometer, Statista

  • September 2014

    Im September 2014, also ungefähr ein Jahr nach dem knapp verpassten Einzug in den Bundestag, glaubten nur 56 Prozent der Befragten, die AfD werde langfristig nicht erfolgreich sein.

  • November 2014

    Zwei Monate später stieg der Anteil derer, die der AfD keinen langfristigen Erfolg zutrauten, auf 63 Prozent.

  • Januar 2015

    Im Januar 2015 glaubten 69 Prozent nicht an den langfristigen Erfolg der Euro-Kritiker um Bernd Lucke.

  • Februar 2015

    Im Februar 2015 prognostizierten 64 Prozent der AfD keinen langfristigen Erfolg.

  • Mai 2015

    Im Mai 2015 stieg (unter dem Eindruck der internen Personaldebatte?) der Anteil derjenigen, die der Alternative für Deutschland keinen Erfolg auf lange Sicht hin zutrauen, auf den in der Umfrage bisher höchsten Stand von 76 Prozent.

Ausgerechnet hier hingen die junggrünen Spontis ihren postpatriotischen Eine-Welt-Träumereien nach, narzisstisch eingesponnen in das, was sie anything goes und Selbstverwirklichung nannten. Ausgerechnet hier: im Schatten der Banktürme, in denen die Geldeliten dann auf ihre Weise den Egoismus von der Leine ließen, um allem Bürgerlichen den Rest zu geben.

Alexander Gauland beugt sich vor und nippt an seinem Tee. Er trägt britisches Garn, wie immer, einen blauen Wollpullover und gut gebürstete Wildlederschuhe. Das Parkett knarzt, die beiden Wellensittiche in der Voliere kreischen historische Holzmöbel an und verdrehen ihre Köpfe, als verlangten sie nach den Äpfeln und Trauben an der bemalten Stuckdecke. Gleich muss Gauland hoch nach Bad Homburg, um dort einen Vortrag zu halten über die Fehler in der deutschen Flüchtlings- und Außenpolitik, über offene Grenzen und innere Sicherheit, über die Demütigung Russlands und das Versagen von Angela Merkel. Das Übliche.

Anzeige

37 Kommentare zu AfD: Alexander Gaulands Krieg

  • Die Diffamierungskampagnen setzen sich fort, wenn der Haß über die Ratio siegt und Argumente fehlen.
    "NationalPrekariat". Allemal besser, als dieses armselige rot-grüne Bildungsprekariat, welches die Realität verweigert und dann immer wieder von den Folgen der Realitätsverweigerung überrascht wird.

  • Mit Gelassenheit gelesen und für "nicht schlecht" empfunden. Man kann das so sehen, jedoch auch anders!

    Aber, Deutschland braucht weniger Psychologen und Philosophen, als mehr den Praktiker und Realisten und das deutsche Chaos zu beseitigen.

    Daher ist die Klarheit (AfD) und nicht die Anzahl (links) der Worte entscheidend!

  • Netter Artikel, durchaus lesbar. Noch netter wäre er, wenn Herr Schnaas "Referenz" und "Reverenz" unterscheiden und diese Begriffe richtig anwenden würde!

Alle Kommentare lesen
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%