AfD-Bundesparteitag: Schweißperlen und Grabenkämpfe

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AfD-Bundesparteitag: Schweißperlen und Grabenkämpfe

, aktualisiert 04. Juli 2015, 16:24 Uhr
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Wohin führt die Zukunft von AfD-Gründer Bernd Lucke?

In der Alternative für Deutschland tobt ein erbitterter Machtkampf. Der Bundesparteitag in Essen soll Klarheit schaffen, ob die Partei künftig von Gründer Bernd Lucke oder seiner Rivalin Frauke Petry geführt wird.

Mit Pfeifkonzerten wie bei einem Fußballspiel hat am Samstag der Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) in Essen begonnen. Parteigründer Bernd Lucke wurde während seiner Begrüßungsansprache mehrfach durch laute Buh-Rufe der Anhänger seiner Rivalin Frauke Petry unterbrochen.

Lucke lehnte in seiner Rede die Bezeichnung Pegida-Partei für die Alternative für Deutschland ab und rief damit heftige Reaktionen hervor. Er wurde bei seiner Rede von Buhrufen und Pfiffen unterbrochen. Die Parteitagsregie musste die Mitglieder mehrfach auffordern, Lucke weiterreden zu lassen und auf Pfiffe zu verzichten.

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Quelle: dpa Picture-Alliance

Lucke hatte mit seiner Äußerung auf Vorredner reagiert. „Das haben wir nie irgendwo beschlossen“, sagte der Vorsitzende zum Begriff Pegida-Partei. Pegida ist die Kurzform der islamkritischen Bewegung „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Marcus Pretzell, Sprecher der AfD in Nordrhein-Westfalen, hatte die AfD als Anti-Euro- und Pegida-Partei bezeichnet.

Trotz großer Hitze fanden sich nach Angaben der Partei rund 3000 Mitglieder der Alternative für Deutschland in der Essener Grugahalle ein. Vor der Halle demonstrierten einige Dutzend Angehörige linker Gruppen gegen die AfD. Auf Spruchbändern forderten sie mehr Unterstützung für Flüchtlinge.

Das ist Frauke Petry

  • Chemikerin aus Dresden

    Frauke Petry ist am 1. Juni 1975 Dresden geboren und wuchs in der Niederlausitz auf. Nach der Wende zog sie mit ihrer Mutter nach Bergkamen, unweit von Dortmund. Dort machte sie 1995 ihr Abitur. Anschließend studierte sie als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes von 1995 bis 1998 Chemie in Reading (Großbritannien) und Göttingen. Während des Studiums arbeitete sie als Werkstudentin unter anderem bei Bayer. 2004 wurde sie am Göttinger Institut für Pharmakologie und Toxikologie promoviert.

  • Unternehmerin

    Petry gründete im März 2007 ihr eigenes Unternehmen, die „PURinvent GmbH“ in Leipzig. Die Firma stellte einen neuartigen Polyurethan-Kunststoff als Reifendichtmittel her. Petry wurde dafür mehrfach ausgezeichnet, zum Beispiel mit dem über 75.000 Euro dotierten Darboven IDEE-Förderpreis. Das Unternehmen hatte bis zu elf Mitarbeiter. Ende 2013 musste Petry für das Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen. Die Firma wurde 2014 durch ein süddeutsches Investorenkonsortium erworben und deren Name in „PURinvent System GmbH“ geändert. Weiterhin ist Petry Geschäftsführerin des neu firmierten Unternehmens.

  • Privatinsolvenz

    Die Nachrichtenagentur adp berichtete am 17. Juni, die AfD-Spitzenpolitikerin Frauke Petry stehe aufgrund der Unternehmenspleite auch vor der Privatinsolvenz, da sie für die Firma auch privat gebürgt hatte. Hintergrund war ein Artikel aus der „ZEIT“. Darin sagte Petry, eine Privatinsolvenz werde sich nach der Pleite ihrer Firma „nicht vermeiden lassen“.

  • Zentrale Rolle in der AfD

    Frauke Petry ist seit der Gründung der „Alternative für Deutschland“ bei den Euro-Kritikern engagiert. Beim Gründungsparteitag im April 2013 wurde sie zu einem der drei Sprecher im Bundesvorstand gewählt. Gemeinsam mit Bernd Lucke und Konrad Adam führt sie damit die Partei. Außerdem ist Petry alleinige Landessprecherin der AfD in Sachsen und deren Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 31. August 2014. Sollte die Neu-Partei den Einzug in das Parlament schaffen, gilt Petry als erste Anwärterin auf den Posten der Fraktionsvorsitzenden.

  • Privates

    Frauke Petry ist mit einem Pfarrer verheiratet. Das Ehepaar hat vier Kinder. Petry ist begeisterte Musikerin und ließ sich zur nebenberuflichen Organistin und Chorleiterin ausbilden. Seit 2008 ist sie Mitglied im Leipziger Vocalensemble. Sie wohnt in Frohburg, eine Kleinstadt im Landkreis Leipzig.

Zum Auftakt hatte Lucke bereits zur Beendigung der heftigen internen Konflikte aufgefordert. Es sei in aller Öffentlichkeit gestritten worden, bis die Fetzen flogen seien, sagte er. Dies sei für die AfD eine Belastung gewesen, die er bedauere. Die Konflikte müssten unverzüglich beendet werden. Luckes Konkurrentin Frauke Petry erklärte mit Blick auf die Auseinandersetzungen, die AfD habe Angriffe unter der Gürtellinie nicht nötig. Sie wies zudem den Vorwurf zurück, die AfD nicht gegen rechtspopulistische Tendenzen abzugrenzen.

Die AfD-Mitglieder sollen auf dem zweitägigen Parteitag einen neuen Bundesvorstand wählen. In der AfD tobt seit einem halben Jahr ein erbitterter Machtkampf zwischen dem liberalen und dem rechten Flügel. Der liberal-konservative Flügel steht mehrheitlich hinter Lucke. Rechte und Nationalkonservative unterstützen die Co-Vorsitzende Petry.

Konrad Adam, der im alten Vorstand neben Lucke und Petry der Dritte im Bunde war, erntete von den Parteimitgliedern viel Applaus für den Satz: „Als rechts gilt heute, wer einer geregelten Arbeit nachgeht, seine Kinder pünktlich zur Schule schickt und der Ansicht ist, dass sich der Unterschied von Mann und Frau mit bloßem Auge erkennen lässt.“

Lucke will nicht, Petry schon

Im Interview mit der „WirtschaftsWoche“ hatte Lucke ausgeschlossen, mit Petry im Vorstand zusammenzuarbeiten. „Das schlimmste Ergebnis wäre, wenn wir beide, Frau Petry und ich, in den Vorstand gewählt werden würden“, sagte Lucke. „Dann würde ja dieser zerstörerische Streit unvermindert fortgehen. Der Parteitag kann zerstörtes Vertrauen nicht dadurch wiederherstellen, dass er uns zur Zusammenarbeit zwingt. Deshalb werde ich auch für kein weiteres Vorstandsamt kandidieren, sollte ich gegen Frau Petry unterliegen.“

Petry bekräftigte hingegen vor dem Parteitag ihre Bereitschaft, mit Lucke in einer Doppelspitze zusammenzuarbeiten. „Wenn der Parteitag uns beide in den Vorstand wählt, dann müssen wir zusammenarbeiten“, sagte Petry am Samstag im WDR-„Morgenecho“.

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Bernd Lucke Quelle: dpa

Die Mitglieder würden auf dem Parteitag auch über das Selbstverständnis der Partei entscheiden, sagte Petry: „Ob man sich primär als Oppositionspartei versteht, in der man reifen oder sich politisch entwickeln muss. Oder ob man mit einer kleinen Anzahl von Getreuen wesentlich zum Mehrheitsbeschaffer einer großen Partei wird.“ Letzteres sei der Wille von Lucke, so Petry weiter. „Diese Meinung teile ich nicht, und ich glaube auch, dass die Mehrheit der AfD-Mitglieder sie nicht teilt.“

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