AfD-Parteitag: Umfragehoch trotz Verzagtheit

AfD-Parteitag: Umfragehoch trotz Verzagtheit

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Jörg Meuthen, stellvertretender Bundesvorsitzender und bisheriger Landesvize von Baden-Württemberg der Alternative für Deutschland (AfD).

von Konrad Fischer

Die AfD profitiert von der Flüchtlingskrise. Doch noch ist sich die Partei uneins, wie sie mit diesen Zuspruch umgehen soll. Der Parteitag am Wochenende soll Klarheit bringen.

Wie weit Selbsteinschätzung und Fremdwahrnehmung manchmal auseinander gehen können, das demonstriert die AfD vor ihrem Parteitag unfreiwillig deutlich. Auf der einen Seite ist da die Führung der Partei mit ihrem Co-Chef Jörg Meuthen. Der diktierte den Journalisten in den Block, „die AfD hat ein Wählerpotenzial von mehr als 20 Prozent.“ Auf der anderen Seite stehen die Probleme, die die Partei bei der Organisation ihrer Zusammenkunft hat. Die lesen sich wie die Sorgen einer rechten Splittergruppe.

Erst wollte die AfD in Kassel tagen, doch da gelang es dem kommunalen Betreiber des Kongresszentrums, die Partei mit Verweis auf eine andere Veranstaltung abzuweisen. Durch zwei Instanzen klagte die AfD, ohne Erfolg. Also zog man weiter nach Hannover. Da hat die Partei nun zwar einen Tagungsraum gefunden, dafür haben die Delegierten Ärger mit der Unterkunft. Das Hotel, in das sich knapp 600 AfD-Mitglieder eingemietet hatten, stornierte alle Reservierungen zwei Tage vor Beginn des Parteitags. Begründung: Sicherheitsbedenken.

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Wird die AfD langfristig erfolgreich sein?

  • Die Umfrage

    Die Forschungsgruppe Wahlen hat zwischen September 2014 und Mai 2015 in Deutschland Wahlberechtigte befragt, ob sie glauben, die AfD werde langfristig erfolgreich sein.

    Quelle: ZDF Politbarometer, Statista

  • September 2014

    Im September 2014, also ungefähr ein Jahr nach dem knapp verpassten Einzug in den Bundestag, glaubten nur 56 Prozent der Befragten, die AfD werde langfristig nicht erfolgreich sein.

  • November 2014

    Zwei Monate später stieg der Anteil derer, die der AfD keinen langfristigen Erfolg zutrauten, auf 63 Prozent.

  • Januar 2015

    Im Januar 2015 glaubten 69 Prozent nicht an den langfristigen Erfolg der Euro-Kritiker um Bernd Lucke.

  • Februar 2015

    Im Februar 2015 prognostizierten 64 Prozent der AfD keinen langfristigen Erfolg.

  • Mai 2015

    Im Mai 2015 stieg (unter dem Eindruck der internen Personaldebatte?) der Anteil derjenigen, die der Alternative für Deutschland keinen Erfolg auf lange Sicht hin zutrauen, auf den in der Umfrage bisher höchsten Stand von 76 Prozent.

Die AfD mag in Umfragen Erfolg haben, in der politischen Landschaft akzeptiert ist sie noch lange nicht. Für eine Partei, die viele Anhänger durch ihre Feindschaft mit der „Lügenpresse“ und der Verachtung für eine „links-grün versiffte Republik“ gewinnt, müsste dass allein noch kein Grund zur Sorge sein. Doch auch nach dem Bruch mit Gründungsvater Bernd Lucke kann sich die Partei nicht entscheiden: Will sie ins Pegida- oder ins CDU-konservative Milieu? Mit Pegida hegten anfangs viele in der Partei offene Sympathie, je radikaler die Spaziergängertruppe aber wurde, desto größer wurden auch die Zweifel in der AfD. Zu große Nähe zu Pegida könnte weniger radikale Sympathisanten verschrecken. Also versuchte die Partei kurzzeitig, sich als rechtstaatliche Pegida-Alternative zu profilieren. Eine von der AfD organisierte, sehr gesittet ablaufende Demonstration gegen die Flüchtlingspolitik vor dem sächsischen Innenministerium in Dresden zog denn auch nur wenige fragwürdige Gestalten an – aber auch sonst war kaum einer da. Ähnlich versendeten sich andere offizielle AfD-Veranstaltungen zum Thema.

Interview mit Co-AfD-Chef Meuthen „Wir werden uns zweistellig etablieren“

Neue Töne in der AfD: Co-Bundesparteichef Meuthen appelliert an seine Parteifreunde, gegenüber der politischen Konkurrenz moderat aufzutreten. Was er sich der davon verspricht, sagt der Südwest-AfD-Chef im Interview.

Jörg Meuthen, stellvertretender Bundesvorsitzender und Landeschef von Baden-Württemberg der Alternative für Deutschland (AfD). Quelle: dpa

Seitdem ist die Partei in einer seltsamen Verzagtheit begriffen. Man freut sich an den Umfragewerten, jüngst sah das Meinungsforschungsinstitut die Partei erstmals bei zehn Prozent. Durch eigene scharfe Aussagen aber befeuert die Partei diesen Zuspruch kaum noch. Zwar sind einzelne Parteifunktionäre wie der Thüringer Oberlehrer Bernd Höcke mit radikalen Parolen erfolgreich, das bleibt aber ein lokales Phänomen in einzelnen ostdeutschen Städten. Die Parteiführung distanziert sich von all zu scharfen Aussagen, lässt ihn ansonsten aber gewähren. „Schrille Töne sind der Sache nicht dienlich“, ist da schon das schärfste, was AfD-Vize Meuthen zum Thema einfällt. Solange Höcke nicht wieder in bundesweit Aufmerksamkeit erzeugenden Talkshows auftritt, funktioniert diese Taktik.

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