AfD, Pegida und NPD: Werden Bewegungen vom rechten Rand gesellschaftsfähig?

AfD, Pegida und NPD: Werden Bewegungen vom rechten Rand gesellschaftsfähig?

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Polizisten sichern in Freital bei Dresden eine Unterbringung von Asylbewerbern.

von Nora Jakob

Es sind längst nicht mehr nur Wutbürger, die mit extremen Positionen im Internet, auf der Straße und am Stammtisch auffallen, sondern auch Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. Warum Bewegungen wie AfD, Pegida und NPD trotzdem ums Überleben kämpfen.

Es lässt sich nur schwer verbergen, dass es zwischen den politischen Positionen von AfD, Pegida und NPD Parallelen gibt. Parallelen, die auch Bundesjustizminister Heiko Maas schon Anfang des Jahres gesehen hat: „Die AfD ist nicht viel besser als Pegida - oder die NPD", sagte Maas damals. Auch im Programm der AfD stecke viel Ausländerfeindlichkeit.

Aber ist es nicht viel mehr als die feindliche Einstellung gegenüber Ausländern, die diese Menschen eint – und rechtes Gedankengut in die Mitte der Gesellschaft transportiert? „Manche Dinge sind in unserer Gesellschaft mit Tabus belegt. Das heißt, wenn ich etwa plötzlich offen rechtsextrem agiere, muss ich damit rechnen, dass ich dafür Ärger bekomme - in meinem Freundeskreis, bei der Arbeit vielleicht, schlimmstenfalls sogar durch die Polizei“, sagt Simone Rafael von der Amadeu Antonio Stiftung.

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Die Köpfe der Pegida-Bewegung

  • Köpfe und Wortführer

    Wer sind die Köpfe und Wortführer der islamfeindlichen Pegida-Demonstrationen in Dresden und anderswo? Einige Beispiele:

  • Kathrin Oertel

    Sie war die einzige Frau im zwölfköpfigen Organisationsteam von Pegida Dresden, die öffentlich in Erscheinung trat. Laut Medienberichten ist sie 37 Jahre alt und arbeitet als Wirtschaftsberaterin. Zuletzt fungierte sie als Pegida-Sprecherin und Schatzmeisterin – und trat als Gesicht von Pegida bei Günther Jauch auf. In ihren Ansprachen schlug Oertel vergleichsweise moderate Töne an, persönliche Angriffe überließ sie anderen. Am 18. Januar wurde bekannt, dass sie von ihren Ämtern zurücktritt. Zur Begründung hieß es, sie sei bedroht worden.

  • Sebastian Nobile

    Veranstalter der Kögida-Demo in Köln und Pressesprecher der Pegida NRW, nennt sich „freiheitlich-christlicher Patriot“. Medienberichten zufolge war er Aktivist der „German Defence League“, die islamfeindlich und rechtsextrem ist. Laut Polizei hat er mehrfach Demos mit rechtsradikalen Anliegen angemeldet.

  • Melanie Dittmer

    Sie organisierte zuletzt die Bonner „Bogida“-Demos. Medienberichten zufolge war die 36-Jährige im Landesvorstand der NPD-Nachwuchsorganisation „Junge Nationaldemokraten“. Dem „Spiegel“ sagte sie jüngst, es sei für sie unerheblich, ob es den Holocaust gegeben habe. Dittmer sitzt im Vorstand von Pro NRW. Pegida NRW teilte am Dienstag mit, wegen „inhaltlicher Differenzen“ sei die Zusammenarbeit mit Dittmer beendet.

  • Udo Ulfkotte

    Ex-Journalist und Autor des Bestsellers „Gekaufte Journalisten“, gibt den „Lügenpresse“-Rufern Futter und sieht auch schon seit langem Europa von fanatischen Muslimen bedroht. Schon 2003 erschien dazu sein Buch „Der Krieg in unseren Städten“. In diese Richtung argumentierte auch das Buch „Heiliger Krieg in Europa“.

  • Karl Schmitt

    Er organisiert in Berlin die Bärgida-Bewegung. Der promovierte Ingenieur (60) war 14 Jahre bei der CDU kommunal aktiv, trat 2008 aus und gründete die rechtspopulistische Partei „Die Freiheit“ mit. Die CDU habe zu wenig Distanz zur Linken gezeigt und die Gefahr der muslimischen Parallelgesellschaft in Deutschland nicht erkannt. Die „Freiheit“ verließ Schmitt auch nach einem Jahr.

  • Lutz Bachmann

    Er war das Gesicht von „Pegida“ in Dresden: Bachmann rief die Facebook-Gruppe ins Leben, die das islamkritische Bündnis begründete. Er sei kein Rassist, betonte der wegen Diebstahls und Drogendelikten vorbestrafte 41-Jährige stets – doch er musste zurücktreten, da gegen ihn wegen Volksverhetzung ermittelt wird. Zuvor waren ein Foto Bachmanns mit Hitler-Bart und ausländerfeindliche Facebook-Einträge öffentlich geworden.

Eine Stiftung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, eine zivile Gesellschaft zu fördern und anti-demokratischen Tendenzen entschieden entgegenzutreten. „Wenn durch ein paar geschickte Umformulierungen mein Rassismus, mein Hass auf Muslime oder auf sexuelle Vielfalt plötzlich als "Sorge" oder "Angst" wahr- und ernstgenommen wird - und genau das ist bei Pegida geschehen - erscheint das plötzlich sagbar und normal.“ Es sei nicht verwunderlich, dass es diese Ressentiments in der Gesellschaft gebe, aber es sei ebenso wichtig, dass sie nicht ausgelebt werden – schon gar nicht mit Gewalt.

Pegida-Positionen kaum bekannt

Bis zu 25.000 Menschen hat Pegida Woche für Woche in Dresden auf die Straße gelockt. Dem rasanten Aufstieg folgte ein Streit an der Spitze der Bewegung. Heute bekommt die Pegida kaum mehr als 1000 Menschen auf die Straße.

Zuletzt aber hat die Bewegung wieder bewiesen, dass sich mit Populismus zumindest ein Achtungserfolg erzielen lässt. Anfang Juni holte die Kandidatin der Bewegung bei der Oberbürgermeisterwahl in Dresden immerhin zehn Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang, im zweiten trat sie dann nicht mehr an.

Demo Pegida - das Aufbegehren der Mitte

In Dresden begehren Montag für Montag Menschen auf, die sich mehrheitlich zur Mitte der Gesellschaft zählen. Die Politik hat sie in den vergangenen Jahren vergessen – mit schwerwiegenden Folgen.

Teilnehmer einer Demonstration des Bündnisses Pegida in Dresden Quelle: imago

Es darf vermutet werden, dass es auch in Zukunft einen harten Kern geben wird, der Woche für Woche für Pegida auf die Straße geht. Trotzdem sind die Positionen der Pegida-Bewegung kaum bekannt: Nur zwischen den Zeilen klingt latenter Rassismus durch, trotzdem schafft es die Bürgerbewegung nicht, sich wirklich von rechtsextremen Positionen abzugrenzen. Auf Demonstrationen haben mehr als einmal NPD-Funktionäre eine aktive Rolle gespielt, und auch bei Facebook sind fremdenfeindliche Äußerungen zu finden, die unwidersprochen stehen bleiben.

Noch haben weder AfD, noch NPD oder Pegida die Schlagkraft, die Stimmung in Deutschland umzudrehen. Aber es gibt Anzeichen: In Freital protestieren „besorgte Bürger“ gegen ein neues Flüchtlingsheim, die Proteste in den sozialen Netzwerken nehmen zu.

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