ThemaWahlen 2017

AfD: Rechte Stalker

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Viele halten die AfD für neue NPD, aber das entspricht nicht den Tatsachen

von Tim Rahmann

Eine Online-Studie kommt zu dem Schluss: Die Sympathisanten der Anti-Euro-Partei haben mit nationalistischen Radikalen nichts am Hut.

Abgerissene Wahlplakate, massive Drohungen und fliegende Steine: In mehreren deutschen Städten haben Demonstranten linker Gruppierungen den Wahlkampf der "Alternative für Deutschland" (AfD) zuletzt massiv gestört. In Göttingen etwa konnten die Euro-Kritiker nur unter Polizeischutz ihre Werbezettel verteilen, wenige Tage später mussten Beamte in Vollmontur einen Marsch von AfD-Anhängern und -Mitgliedern – unter ihrem Vorsitzenden Bernd Lucke – durch die Hamburger Innenstadt beschützen.

Die Kritiker werfen der noch jungen AfD vor, ein Sammelbecken für Rechtsextreme, Schwulenhasser und Demokratiefeinde zu sein. Dass die Gewaltexzesse inakzeptabel sind, steht außer Frage. Doch ist die neue Partei tatsächlich "ein Staubsauger für alles, was sich am rechten Rand der CDU und rechts davon tummelt", wie Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck der Ökonomen-Partei unterstellt?

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Fans von AfD und NPD haben wenig gemeinsam

Das deutsch-französische Unternehmen linkfluence wollte es genau wissen. Weist die Partei im Internet rechte Tendenzen auf? Zieht sie rechtsradikale Sympathisanten an?

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Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Um das herauszufinden, stellten die Analysten zunächst fest, wer bei Facebook den "Gefällt-mir-Button" bei der AfD oder bei der NPD angeklickt hat. In einem zweiten Schritt wurde dann untersucht, ob es zwischen den beiden Sympathisantengruppen Überschneidungen gibt. Darüber hinaus wurden auch die Web-Auftritte der Euro-Kritiker und der NPD-Sympathisanten ausgewertet und insbesondere auf ihre Verlinkungen zu anderen Seiten hin überprüft. Mehr als 20 000 Daten gingen in die Untersuchung ein. Ergebnis der Facebook-Analyse: "Wir haben festgestellt, dass die Fans der AfD und die Fans der NPD wenig gemeinsam haben", sagt Oliver Tabino, Geschäftsführer von linkfluence Deutschland. So gehörte etwa bei den Anhängern der rechten Szene die Modemarke Thor Steinar zu den Top-Likes. Sie interessieren sich außerdem für Piercings, Tattoos und Bier, für die Bundeswehr und für die Wehrmacht. Die politische Gefällt-mir-Welt reicht von der Facebook-Gruppe "stopptdenmultikultiwahn" bis hin zu dem NPD-Politiker Udo Pastörs.

"Im realen Leben hätten sich die beiden Gruppen wenig zu sagen"

Auf den Facebook-Seiten der AfD-Anhänger dagegen geht es vor allem anderen um die Kritik am Euro und um Forderungen nach mehr direkter Demokratie. Außerdem grenzen sie sich klar von den Grünen und anderen Gruppierungen aus dem linken Spektrum ab. "GrueneNeinDanke" ist beispielsweise eine beliebte "Gefällt mir"-Angabe. Schnittstellen zu rechtsradikalen Persönlichkeiten sind – anders als bei der NPD – bei den AfD-Anhängern auf Facebook nicht zu finden. Auch gibt es keine Begeisterung für die Wehrmacht oder die Bundeswehr. "Im realen Leben hätten sich die beiden Gruppen wohl wenig zu sagen", meint Tabino.

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