AfD-Sachsen-Spitzenkandidatin Frauke Petry: "Die AfD ist für Sicherheit – und gegen unkontrollierte Grenzen"

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InterviewAfD-Sachsen-Spitzenkandidatin Frauke Petry: "Die AfD ist für Sicherheit – und gegen unkontrollierte Grenzen"

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Frauke Petry, Spitzenkandidatin der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen, will ihre Partei in den Landtag führen.

von Tim Rahmann

Frauke Petry will die AfD in den sächsischen Landtag führen. Ihr Programm: Mehr Polizisten für mehr Sicherheit. Darüber hinaus erklärt sie, warum die Grenzen nach Osten wieder dicht gemacht werden müssen, warum Sachsen mehr Lehrer braucht und warum mehr deutsche Lieder ins Radio gehören.

Frau Petry, die CDU bangt um ihre Regierungskoalition, die FDP um den Einzug ins Parlament, die SPD muss ein Debakel fürchten. Freuen Sie sich schon auf die Sachsen-Wahl?

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Frauke Petry: Ich neige nicht zur Schadenfreude. Ich freue mich auf die Landtagswahlen am 31. August. Nicht, weil politische Gegner scheitern könnten, sondern weil die AfD beste Chancen hat, in den ersten deutschen Landtag einzuziehen. Die Umfragen sehen sehr gut aus, wir stehen derzeit zwischen sieben und acht Prozent. Das gibt uns natürlich Kraft und Energie. Wir werden in den kommenden Wochen alles tun, um mit einem guten Ergebnis in das Parlament in Dresden einzuziehen.

Wo liegen in der heißen Phase des Wahlkampfs ihre Schwerpunkte: Gehen Sie dorthin, wo sie bei der Europawahl überdurchschnittlich stark waren, in den ländlichen Gebieten – oder versuchen Sie in den Städten, neue Wähler zu gewinnen?

Wir gehen überall hin. Wir werden logischerweise alle Wahlkreise besuchen und auch in allen Städten Wahlkampf machen. Ich freue mich, dass wir Verstärkung von der Bundesspitze bekommen und auch Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel nach Sachsen kommen. Wir haben insgesamt viel vor, werden eine Trabi-Tour machen und mit dem Rad zum Wähler kommen.

Das ist Frauke Petry

  • Chemikerin aus Dresden

    Frauke Petry ist am 1. Juni 1975 Dresden geboren und wuchs in der Niederlausitz auf. Nach der Wende zog sie mit ihrer Mutter nach Bergkamen, unweit von Dortmund. Dort machte sie 1995 ihr Abitur. Anschließend studierte sie als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes von 1995 bis 1998 Chemie in Reading (Großbritannien) und Göttingen. Während des Studiums arbeitete sie als Werkstudentin unter anderem bei Bayer. 2004 wurde sie am Göttinger Institut für Pharmakologie und Toxikologie promoviert.

  • Unternehmerin

    Petry gründete im März 2007 ihr eigenes Unternehmen, die „PURinvent GmbH“ in Leipzig. Die Firma stellte einen neuartigen Polyurethan-Kunststoff als Reifendichtmittel her. Petry wurde dafür mehrfach ausgezeichnet, zum Beispiel mit dem über 75.000 Euro dotierten Darboven IDEE-Förderpreis. Das Unternehmen hatte bis zu elf Mitarbeiter. Ende 2013 musste Petry für das Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen. Die Firma wurde 2014 durch ein süddeutsches Investorenkonsortium erworben und deren Name in „PURinvent System GmbH“ geändert. Weiterhin ist Petry Geschäftsführerin des neu firmierten Unternehmens.

  • Privatinsolvenz

    Die Nachrichtenagentur adp berichtete am 17. Juni, die AfD-Spitzenpolitikerin Frauke Petry stehe aufgrund der Unternehmenspleite auch vor der Privatinsolvenz, da sie für die Firma auch privat gebürgt hatte. Hintergrund war ein Artikel aus der „ZEIT“. Darin sagte Petry, eine Privatinsolvenz werde sich nach der Pleite ihrer Firma „nicht vermeiden lassen“.

  • Zentrale Rolle in der AfD

    Frauke Petry ist seit der Gründung der „Alternative für Deutschland“ bei den Euro-Kritikern engagiert. Beim Gründungsparteitag im April 2013 wurde sie zu einem der drei Sprecher im Bundesvorstand gewählt. Gemeinsam mit Bernd Lucke und Konrad Adam führt sie damit die Partei. Außerdem ist Petry alleinige Landessprecherin der AfD in Sachsen und deren Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 31. August 2014. Sollte die Neu-Partei den Einzug in das Parlament schaffen, gilt Petry als erste Anwärterin auf den Posten der Fraktionsvorsitzenden.

  • Privates

    Frauke Petry ist mit einem Pfarrer verheiratet. Das Ehepaar hat vier Kinder. Petry ist begeisterte Musikerin und ließ sich zur nebenberuflichen Organistin und Chorleiterin ausbilden. Seit 2008 ist sie Mitglied im Leipziger Vocalensemble. Sie wohnt in Frohburg, eine Kleinstadt im Landkreis Leipzig.

Das hört sich nett an, wird aber den typischen Stadtbewohner kaum überzeugen können, sein Kreuz bei der AfD zu machen.

Wir haben ein interessantes politisches Angebot, für die Menschen in den ländlichen Regionen, aber auch für die Bürger in Leipzig und Dresden. Die AfD will mehr für die Bildung die Kinderbetreuung und für die öffentliche Sicherheit tun. Diese Themen sprechen auch Großstädter an. Wir haben bei der Europawahl in Leipzig über acht Prozent geholt und in Dresden über neun Prozent. So uninteressant, wie Sie behaupten, können wir also nicht sein. Gleichwohl geben ich Ihnen Recht, dass wir auf dem Land natürlich stärker sind. Weil die Menschen dort per se konservativer sind. Aber auch, weil unser Wahlkampf dort in der Vergangenheit durch die Antifa nicht so behindert wurde wie in den Städten, wo Wahlplakate beschädigt wurden, Veranstalter unserer Stammtische bedroht und öffentliche Veranstaltungen massiv behindert wurden.

Lassen Sie uns über Inhalte sprechen, statt alte Konflikte neu anzufachen. Was gibt es in der Bildung zu verbessern. Sachsen schnitt doch bei allen Pisa-Tests überdurchschnittlich ab.

Das stimmt. Unsere Schüler haben zuletzt starke Leistungen gebracht. Aber auf diesen Erfolgen darf sich die Politik nicht ausruhen. Die Landesregierung droht den Vorsprung durch einen eklatanten Lehrermangel zu verspielen. Wir brauchen mehr Betreuung und kleinere Klassen, um das Spitzenniveau zu halten. Die CDU-Regierung bewegt sich in die falsche Richtung. Ähnlich sieht es bei der Inneren Sicherheit aus. Bis 2004 war die Staatsregierung hier auf dem richtigen Kurs, hat aber mit der Polizeireform 2020 und dem fortgesetzten Abbau Stellenabbau eigene Erfolge zunichte gemacht. Nun droht die Polizei in der Fläche zu verschwinden und das Vertrauen in den Staat weiter zu erodieren.

Und sie wollen nun nicht nur mehr Polizisten einstellen, sondern auch die Grenzen schließen.

Die AfD setzt sich dafür ein, dass die Kriminalität stärker bekämpft wird. In diesem Zusammenhang steht auch der Punkt aus dem Wahlprogramm auf den Sie ansprechen, dass wir an einer „Einführung von permanenten Personen- und Güterkontrollen an den Außengrenzen“ hinarbeiten. Offenbar reichen die derzeitigen Mittel nicht aus, um die Sicherheit zu gewährleisten.

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