Agrarpolitik: Aigner fürchtet deutsche Exporteinbußen bei Agrarprodukten

Agrarpolitik: Aigner fürchtet deutsche Exporteinbußen bei Agrarprodukten

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Ilse Aigner (CSU), Bundesministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) fürchtet einen Rückgang der deutschen Agrarexporte aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Die Landwirtschaft ist ein großer Wirtschaftsfaktor, wir werden es sicherlich bei den Exporten spüren“, sagte Aigner gegenüber der Wirtschaftswoche. Deutsche Agrarprodukte werden laut Aigner stärker denn je exportiert. „Deutschland hat allein 2008 Fleisch, Milch und andere Agrarprodukte für rund 53 Milliarden Euro exportiert, seit 2000 haben unsere Exporte Jahr für Jahr im Schnitt um mehr als sieben Prozent zugenommen“, so die Ministerin.

Aigner betrachtet daher mit Sorge, dass angesichts der Finanzkrise einige Länder beginnen, sich stärker als früher abzuschotten. „Ich sehe tatsächlich die Gefahr eines neuen Protektionismus durch die Krise“, sagte Aigner mit Blick auf Länder wie Argentinien, Brasilien und Indien, die ihre Einfuhrzölle auf Schweinefleisch, Geflügel und Sojaöl kürzlich drastisch erhöht haben. Die CSU-Ministerin versicherte, dass sie den Abbau der Einfuhrzölle bei ihren 30 internationalen Kollegen, die zur Grünen Woche in Berlin anreisen, ansprechen werde. „Solche Krisen zeigen: Es ist umso wichtiger, dass wir uns international stärker abstimmen“, sagte sie. Aigner will die Grüne Woche „zu einer Weltagrarkonferenz ausbauen – zu einer Art Davos der Landwirtschaft“. Die Landwirtschaft sei „nach wie vor das konfliktträchtigste Thema bei der Liberalisierung des Welthandels“.

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Der SPD-Forderung, Lebensmittel mit Ampelfarben zu kennzeichnen – also etwa rot für ungesund, grün für gesund - will Aigner nicht nachgeben. „Von reinen Ampelfarben halte ich nichts. Das sagt zu wenig aus, der mündige Verbraucher will mehr Information“ sagte sie. Die CSU-Ministerin will sich stattdessen in Brüssel, wo die Nährwertkennzeichnung bald einheitlich geregelt werden soll, für eine genauere Kennzeichnung der Inhaltsstoffe einsetzen. „Ich plädiere dafür, dass auf jeder Packung die Mengen an Kalorien, Zucker, Fetten und Salz angegeben werden, wie es jetzt schon viele Hersteller freiwillig machen. Außerdem sollte danebenstehen, wie viel Prozent des Tagesbedarfs eines Erwachsenen dies deckt.“

Aigner, die in Brüssel einen 300-Millionen schweren Hilfsfonds für deutsche Milchbauern durchgesetzt hatte, macht sich nun mit den Bundesländern daran, das Programm umzusetzen. „Das Geld soll nicht mit der Gießkanne verteilt werden“, sagte Aigner und schlug drei Kriterien vor, anhand derer die Zuschüsse geknüpft sein sollen. „Es kann eine Prämie für jene Betriebe geben, die keine Alternative zur Grünlandbewirtschaftung haben. Dann eine Weideprämie für Bauern, die ihre Kühe für eine bestimmte Zeit auf der Weide halten, und wer seinen Stall modernisiert, soll auch gefördert werden“, sagte die Ministerin.

Aigner übers Melken: „Das wird dann schon klappen“

Ilse Aigner wird auf der weltgrößten Agrarmesse, der Grünen Woche in Berlin, wohl die erste Kuh in ihrem Leben melken. Dieses naturnahe Vergnügen hatte die CSU-Ministerin bisher noch nicht. „Stimmt, ich habe noch nie gemolken, aber bei Gelegenheit werde ich es ausprobieren“, sagte Aigner gegenüber der Wirtschaftswoche. Diese Gelegenheit wird sie mit Sicherheit auf der Grünen Woche haben, wo ihr Vorgänger Horst Seehofer (CSU) schon einmal auf „Landwirtschaftstauglichkeit“ getestet wurde und auf einem Melkschemel Platz nehmen musste.

Die mit 44 Jahren jüngste Ministerin im Kabinett ist gewiss, auch diese Herausforderung meistern zu können. „Das wird dann schon klappen“, sagte sie. Sie sei gut vertraut mit der Landwirtschaft und dem Leben auf dem Land. „Natürlich weiß ich, wie ein Stall von innen aussieht! Ich bin schließlich in einer bäuerlichen Region aufgewachsen“, betonte Aigner. „Also mal sehen, was mich auf der Grünen Woche erwartet.

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