Air Berlin und Etihad: Dobrindt lehnt Codeshareflüge weiter ab

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Bundesverkehrsminister Dobrindt hat sich klar gegen Gemeinschaftsflüge zwischen Air Berlin und Etihad ausgesprochen.

von Christian Schlesiger und Rüdiger Kiani-Kreß

Die Gemeinschaftsflüge von Air Berlin und Etihad sorgen weiter für Zoff. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will in Zukunft nicht alle Flüge freigeben. Eine Exklusivmeldung.

Der Streit zwischen Etihad Airways und der Bundesregierung eskaliert. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) lehnt die Freigabe aller Gemeinschaftsflüge zwischen Etihad und ihrer Beteiligung Air Berlin weiter ab. 31 Codeshare-Flüge, bei denen die Linie aus Abu Dhabi Air-Berlin-Verbindungen als ihre eigenen verkauft, seien „letztmalig und befristet bis zum 15.01.2016“ genehmigt, heißt es im Bundesverkehrsministerium (BMVI) auf Anfrage der WirtschaftsWoche.

Im Oktober hatte Etihad Airways beim Luftfahrt-Bundesamt 83 Codeshare-Verbindungen für den Winterflugplan 2015/16 beantragt. Die Gemeinschaftsflüge gelten als entscheidend für die wirtschaftliche Zukunft von Air Berlin.

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Darum geht es beim Code-Share-Streit

  • Was bedeutet Code-Sharing überhaupt?

    Beim Code-Sharing teilen sich mehrere Airlines einen Flug: Nur eine Linie führt ihn tatsächlich aus, stellt Flugzeug und Crew. Die andere verkauft allerdings auch Tickets  - unter ihrem Namen und mit eigener Flugnummer. Für die Passagiere heißt das: Am Gate steht ein Air-Berlin-Flieger, obwohl Etihad gebucht war.

  • Was ist das Besondere bei Air Berlin und Etihad?

    Mit den Air-Berlin-Flügen kann Etihad das Flugangebot künstlich erweitern. Für den Winterflugplan 2015/16 planen Air Berlin und Etihad Code-Share-Verbindungen zwischen. Die Funktion als europäischer Zubringer ist einer der Hauptgründe, warum die deutsche Krisen-Linie für Etihad interessant ist. Als Großaktionär (knapp 30 Prozent) hat die Fluglinie aus Abu Dhabi deshalb schon viel Geld in den Erhalt von Air Berlin gesteckt.

  • Wie wichtig sind die Code-Share-Verbindungen für Air Berlin?

    Für Air Berlin geht es nicht nur darum, Etihad bei Laune zu halten und deren Finanzhilfen zu sichern. Die Durchführung der Code-Share-Flüge bringt wichtiges Geld. “Der Wegfall dieser Einnahme ist für die Air Berlin existenzbedrohend”, erklärten die Betriebsräte der Fluggesellschaft jüngst. Wieviel Air Berlin am Ende tatsächlich verdient, ist nicht ganz klar. Der zusätzliche Umsatz durch die von Etihad verkauften Tickets soll bei bis zu 140 Millionen Euro pro Jahr liegen.

  • Warum gibt es Zoff um die Code-Share-Verbindung?

    Grundlage der Flüge ist das Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Es regelt in welchen Städten Linien aus den Emiraten, also Emirates aus Dubaí und Etihad aus Abu Dhabi, landen dürfen. Wichtigster Streitpunkt sind die Langstreckenflüge aus den Emiraten nach Deutschland. Aus deutscher Sicht bestimmt das Abkommen, dass die arabischen Linien nur in vier Städten landen dürfen. Derzeit sind dies Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg. Dazu, so die deutsche Interpretation, dürfen Emirates und Etihad auch Code-Share-Flüge mit einem deutschen Partner von einer der vier Städte nach Berlin und Stuttgart anbieten. Mehr nicht. Etihad und die Emirate sehen das anders. Für sie erlaubt das Abkommen auch Code-Share-Flüge aus den Emiraten nach Berlin und Stuttgart. Dazu dürfen Etihad und Air Berlin auch bei Anschlussverbindungen ab Berlin oder Düsseldorf kooperieren.

An der Haltung des BMVI ändere auch die neue Initiative der EU-Kommission nichts. Das BMVI begrüße zwar Verhandlungen der EU mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) über faire Wettbewerbsbedingungen. „Luftverkehrsabkommen mit den Golfstaaten sollten dabei absolute Priorität haben“, so das BMVI. Doch „erst danach kann in einem zweiten Schritt die mögliche Gewährung zusätzlicher Verkehrsrechte in Betracht gezogen werden“, so das BMVI. Bilaterale Gesprächsangebote hätten die VAE „wiederholt“ abgelehnt.

Etihad sucht nun die gerichtliche Klärung. Spätestens im Januar muss das Verwaltungsgericht in Braunschweig, dem Sitz des Luftfahrt-Bundesamtes, entscheiden. Etihad hatte das BMVI im Oktober verklagt. Ein Sprecher des Gerichts bestätigte, dass über das Eilverfahren bald entschieden werde.

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