Alexander Dobrindt: "Der Diesel stirbt"

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InterviewAlexander Dobrindt: "Der Diesel stirbt"

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Alexander Dobrindt, 46, ist seit 2013 Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Zuvor war er fast fünf Jahre lang Generalsekretär der CSU.

von Christian Schlesiger und Christian Ramthun

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ermahnt die deutsche Autoindustrie zur Wachsamkeit gegenüber der Konkurrenz, will automatisiertes Fahren gesetzlich regeln - und greift die Schwesterpartei CDU scharf an.

WirtschaftsWoche: Herr Dobrindt, die WirtschaftsWoche hat vergangene Woche Ihre Abgasvorwürfe gegen Fiat-Dieselfahrzeuge öffentlich gemacht. Wie reagiert Ihr italienischer Amtskollege Graziano Delrio?

Alexander Dobrindt: Ich habe meinen italienischen Amtskollegen darauf hingewiesen, dass neue Messungen des Kraftfahrt-Bundesamtes unsere bisherigen Testergebnisse bestätigen. Die Messungen des KBA haben Hinweise auf eine Abschalteinrichtung ergeben, bei der es Zweifel gibt, dass dies vollumfänglich mit Motorschutzgründen zu erklären ist. Die italienischen Behörden vertreten die Auffassung, dass sich bei Fiat alles im Rahmen des Erlaubten abspielt. Wenn Zulassungsbehörden in Europa zu unterschiedlichen Bewertungen kommen, ist die EU-Kommission gefordert. Deshalb habe ich die EU-Kommission über unsere Messungen informiert.

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Experten halten das Abschalten der Abgasreinigung unter dem Vorwand des Motorschutzes für überzogen. Ist die Politik zu zahm bei Abgasmanipulationen?

Im Gegenteil. Wir setzen scharfe Maßnahmen um, um mögliche Manipulationen aufzudecken oder im Falle von Zweifeln optimierte technische Lösungen zu erreichen und dafür zu sorgen, dass den Kunden kein Schaden entsteht, sondern sie ein regelkonformes Fahrzeug bekommen. VW muss 2,4 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten rufen. Darüber hinaus haben wir mit allen deutschen Herstellern mit Typzulassung in Deutschland, bei denen Zweifel an den Motorschutzgründen bestanden, einen freiwilligen Rückruf vereinbart. Im Rahmen von Serviceaktionen werden Optimierungen vorgenommen. Das betrifft 630.000 Fahrzeuge.

Können Sie das EU-Recht verschärfen?

Ich habe die EU-Kommission dazu aufgefordert, Vorschläge vorzulegen, wie die europarechtlichen Vorgaben zur Abgasreinigung verbessert werden können. Der Stand der Technik muss dabei grundsätzlicher Beurteilungsmaßstab werden.

Und – bewegt sich die EU-Kommission?

Ich erwarte, dass die EU-Kommission bis zur nächsten Sitzung des Verkehrsministerrates Vorschläge unterbreitet.

Hat der Diesel als Antriebstechnik noch eine Zukunft?

Der Diesel steckt in einer Vertrauenskrise. In den USA wird die Technik bei den Pkws aussterben. In Asien wird der Diesel keine große Entwicklung mehr nehmen. Aber in Europa sehe ich den Diesel noch wenigstens 15, 20 Jahre im Einsatz. Der Dieselmotor ist eine Kraftmaschine, die rund 25 Prozent weniger Kohlendioxid ausstößt als ein vergleichbarer Benziner. Der Diesel ist damit auch wichtig, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Saubere Diesel mit Euro-6-Standard werden uns noch lange als Übergangstechnologie erhalten bleiben.

Selbstfahrende Autos Dobrindt gründet Ethikkommission für automatisiertes Fahren

Bundesverkehrsminister Dobrindt ruft eine Ethikkommission für das automatisierte Fahren ins Leben. Zudem soll ein Gesetz für das automatisierte Fahren kommen, um Verhaltensregeln im Schadensfall festzuschreiben.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) testet einen selbstfahrenden Audi A7 Quelle: dpa

Haben die deutschen Autohersteller die Zukunft der E-Mobilität verschlafen?

Die deutschen Hersteller gehören zur Technologiespitze, auch was E-Autos betrifft. Dennoch, Tesla schafft es, mit seiner Marke Begeisterung auszulösen und Leidenschaft zu wecken. Das hat natürlich auch mit einem glänzenden Marketing zu tun. Gleichwohl müssen die deutschen Automobilhersteller aufpassen, dass sie technologisch an der Spitze bleiben. Keiner weiß heute, wer in zehn Jahren zu den fünf führenden Autobauern gehört. Es steht viel auf dem Spiel. Klar ist: Der Wohlstand der Gegenwart ist ohne das Automobil nicht möglich und der Wohlstand der Zukunft ohne das Automobil nicht vorstellbar.

Kommt die größte Bedrohung aus dem Silicon Valley, wo auch Google und Apple am Automobil der Zukunft arbeiten?

Ich komme gerade aus den USA zurück. Dort hatte ich ein Gespräch mit einem Professor von der Eliteuniversität Stanford. Der Wissenschaftler kann sich vorstellen, dass sich Kunden in Zukunft primär für ein Betriebssystem entscheiden, nicht mehr für eine spezielle Automarke. Wir müssen wachsam sein. Niemand kann sich auf seinen Lorbeeren ausruhen. Aber ich bin sicher, dessen sind sich auch alle Autohersteller bewusst.

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