Allensbach-Umfrage: 42 Prozent der Ostdeutschen fühlen sich als Bürger zweiter Klasse

Allensbach-Umfrage: 42 Prozent der Ostdeutschen fühlen sich als Bürger zweiter Klasse

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Renate Köcher ist u.a. Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach

Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall gibt es in Ostdeutschland kein gesamtdeutsches Bewusstsein. Und die Skepsis gegenüber der Marktwirtschaft hält an, sagt Renate Köcher.

Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall wirkt die DDR wie graue Historie, das vereinte Deutschland wie selbstverständlich. Die große Mehrheit der Westdeutschen hat den Eindruck, dass es vertane Zeit sei, sich noch weiter mit Unterschieden der Lebensverhältnisse und Einstellungen in Ost und West zu beschäftigen. In Westdeutschland hatten die meisten ohnehin nie das Gefühl, dass sich ihr Leben durch die Wiedervereinigung nennenswert verändert hat.

Ganz anders ist die Situation in Ostdeutschland. Dort verblassen die Erinnerungen an die DDR erst allmählich. 1992 erinnerten sich 62 Prozent, dass viele in den Sozialismus große Hoffnungen gesetzt hatten, 54 Prozent an ein Gefühl von Unfreiheit, 43 Prozent an Bespitzelung und das dadurch ausgelöste epidemische Misstrauen, 42 Prozent aber auch an das für die meisten beruhigende Gefühl, einem Kollektiv, einer großen Gemeinschaft, anzugehören. Auch heute erinnert sich noch die Mehrheit an die Hoffnungen, die sich ursprünglich mit dem Sozialismus verknüpften.

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Positive Erinnerungen halten länger

Der nostalgische Rückblick auf die Geborgenheit im Kollektiv ist heute sogar weiter verbreitet als am Beginn der Neunzigerjahre. 54 Prozent der ostdeutschen Bürger verbinden mit der DDR auch das „schöne Gefühl, einer großen Gemeinschaft anzugehören“. Bittere Reminiszenzen, wie das Empfinden, von der SED betrogen worden zu sein, oder Erinnerungen an Unfreiheit und Bespitzelung sind dagegen verblasst.

Dabei ist keineswegs eine generelle Neigung zu beobachten, das damalige Regime zu verklären. Die Überzeugung, dass die DDR kein Rechtsstaat war, hat sich in Ostdeutschland verfestigt. Noch Ende der Neunzigerjahre sprachen lediglich 45 Prozent der ostdeutschen Bürger der DDR den Charakter eines Rechtsstaats ab, mittlerweile sind es 61 Prozent.

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