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exklusiv Altbundespräsident Herzog: "Das Grundgesetz verbietet nicht die Staatspleite"

von Henning Krumrey

Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog gibt den Klagen gegen den Euro-Rettungsschirm und den Fiskalpakt keine Chance. Auch die Übernahme von erheblichen Zahlungs- und Bürgschaftsverpflichtungen zu Lasten des Steuerzahlers sei zulässig.

Altbundespräsident Roman Herzog Quelle: dapd
Der frühere Bundespräsident Roman Herzog spricht sich gegen eine neue Verfassung aus. Um die europäische Krise zu bewältigen müssen Fehler korrigiert und zukünftig vermieden werden Quelle: dapd

Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog hält die Übertragung von Befugnissen der Bundesbank auf die Europäische Zentralbank angesichts der aktuellen Geldpolitik nicht mehr für verfassungsgemäß. „Der Grundgesetzverstoß wäre es, wenn man zu lange wartet, diese Übertragung zu widerrufen“, sagte Herzog im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Ich bin da für schonungslose Drohungen in den Verhandlungen.“ Artikel 88 des Grundgesetzes schreibt vor, dass die Kompetenzen der Deutschen Bundesbank auf die EZB übertragen werden können, wenn diese „unabhängig ist und dem vorrangigen Ziel der Preisstabilität verpflichtet“. Unter politischem Druck hatte die EZB ihre Finanzierungsregeln geändert und die Märkte mit einer Billion Euro geflutet.

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Den Klagen gegen den Euro-Rettungsschirm und den Fiskalpakt gibt das frühere deutsche Staatsoberhaupt dagegen keine Chance. Er könne nicht erkennen, „worin sich die jetzt diskutierte Abtretung von Souveränitätsrechten von den früheren Abtretungen unterscheidet? Die EU ist voller Souveränitätsrechte, die einst bei den Nationalstaaten und ihren Parlamenten lagen.“ Herzog weiter: „Das Bundesverfassungsgericht hat Regierung und Parlament bei seiner letzten Entscheidung gesagt: Passt auf, ihr kommt an eine Grenze. Es hat aber nicht gesagt: Bis hierhin und nicht weiter“.

Linksfraktion

Die Fraktion der Linken im Bundestag klagt zweigleisig: Zum einen im Organstreitverfahren wegen Verletzung ihrer Rechte als Fraktion; zum anderen haben die 75 Abgeordneten eine gemeinsame Verfassungsbeschwerde eingereicht. Wie die meisten Kläger haben auch die Linken einen Eilantrag gestellt: Sie beantragen, dass das Gericht dem Bundespräsidenten mit einer einstweiligen Anordnung untersagt, die Zustimmungsgesetze zu unterzeichnen und auszufertigen, bis die Richter in der Hauptsache über die Klagen entschieden haben. Damit könnte die Ratifizierung von ESM und Fiskalpakt zunächst nicht wirksam werden.

Linke-Fraktionschef Gregor Gysi warf Kanzlerin Angela Merkel einen Verfassungsbruch vor. „Der Weg, der gegenwärtig beschritten wird, ist der eines Sozial- und Demokratieabbaus", sagte Gysi am Samstag bei der Vorstellung der Linke-Klagen in Berlin. Der Bundestag werde durch die Milliardenrisiken des ESM und Sparvorgaben des Fiskalpaktes seiner Haushaltsrechte beraubt. Auch in Deutschland könnten damit Renten, Löhne und Sozialleistungen gekürzt werden. Wenn die Regierung beides durchsetzen wolle, müsse sie eine Volksabstimmung zur Änderung des Grundgesetzes machen.

Bild: dapd

Auch die Übernahme von erheblichen Zahlungs- und Bürgschaftsverpflichtungen zu Lasten des Steuerzahlers hält der Ex-Bundespräsident für zulässig. „Die Regierung ist in schwierigen Lagen berechtigt, sehr hohe Risiken einzugehen. Das Grundgesetz verbietet nicht die Staatspleite.“

Vor einer neuen Verfassung „kann ich nur warnen“

Roman Herzog wendet sich gegen Überlegungen, Deutschland brauche eine neue Verfassung, um die europäische Krise zu bewältigen. „Diese Krise ist nur aus Fehlern entstanden. Ich muss also nicht die ganze Verfassung ändern, sondern nur die Fehler korrigieren und künftig vermeiden“, sagte Herzog im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Im vorauseilenden Gehorsam, quasi auf Vorrat gar eine neue Verfassung auf den Weg zu bringen, weil ich später einmal möglicherweise an Grenzen stoßen könnte, davor kann ich nur warnen.“ Selbst das Haushaltsrecht auf die europäische Ebene zu übertragen „halte ich für unproblematisch, solange es sich in sehr engen Grenzen hält.“

Als Vorgabe aus Brüssel notwendig und zulässig sei „eine Reihe von Höchst- und Niedrigstgrenzen für verschiedene Finanz- und Haushaltsdaten, beispielsweise für die Staatsquote“. Auch solle Brüssel den maximalen Anteil der Personalkosten am Staatshaushalt und die mindeste Investitionsquote definieren. „Die Mitgliedstaaten können selbst festlegen, wie die Gelder in so einem Korridor verteilt werden; also ob ein Staat viele Beamte hat, die schlecht bezahlt werden, oder wenige, die gut bezahlt werden.“ Entsprechende Regeln müssten aber mit Strafen gesichert werden. „Eines ist klar: Jede europäische Vorgabe braucht wirksame Sanktionen. Dieser Sanktionsmechanismus muss ein Automatismus sein.“ Sonst könnten die betroffenen Staaten im Rat Entscheidungen blockieren.

24 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.03.2013, 09:42 Uhrwulff

    Zitat Herzog: "Das Grundgesetz verbietet nicht die Staatspleite!"

    Sollte man da nicht ein paar weißgekleidete Herren zu ihm schicken und überprüfen, ob noch alle Tassen im Schrank stehen?

    Das Grundgesetz erlaubt nach Herzog unsere Enteignung.
    Ist es das, was unsere Winkeladvokaten für Recht und Gesetz halten?

    Wenn ja, sollte man die Herren fristlos feuern, um weiteren Schaden am Deutschen Volk zu verhindern.

    Oder den von Herzog sehnlichst gewünschten Ruck mit einem Tritt in das Hinderteil seiner amtierenden Kollegen erzeugen.

    Ich fass es nicht.

  • 15.07.2012, 14:40 UhrSuper-Angie

    sollte eine Großbank in der Schweiz oder FR in die Pleite gerissen werden und die 1 Bill. EU Bürgschaften der BRD fällig gestellt werden.

    Dann wird in der nie souveränen alliierten BRD ein Ereignis ausgelöst werden--amerikanische Soldaten aktiviert werden um Deutsche Politiker vor dem Deutschen Normalbürger Mopp zu schützen.

    Freue mich auf dieses Ereignis --vielleicht schon 2012

    Wird das lustig wenn das Volk schlagartig aufwacht.

  • 15.07.2012, 14:29 UhrSuper-Angie

    Die Merkel muß aufpassen das Ihr der Intelligentere Teil der Bevölkerung der alliierten BRD nicht laufen geht. Auch viele Firmen werden gehen--ältere die es sich leisten können.

    Angi--Tip von mir

    Laß die Maurer-Kolonnen schon mal anrücken, damit die Zins & Zahl-Knechte der BRD GMBH

    nicht Republik-Flucht begehen

    Das was der Herr H. da sagt ist doch reiner Schwach-Sinn.

    Die Politiker haben das Recht das eigene Volk zu verkaufen--ist der Mann Schwachsinnig ?

    Ganze Generationen in die Zahl-Knechtschaft zu führen.

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