Altbundespräsident: Richard von Weizsäcker ist tot

Altbundespräsident: Richard von Weizsäcker ist tot

, aktualisiert 31. Januar 2015, 14:15 Uhr

Er wollte Bundespräsident aller Deutschen sein - und wirkte durch seine Worte. Unvergessen seine Charakterisierung des 8. Mai 1945 als „Tag der Befreiung“ - nun ist Richard von Weizsäcker gestorben.

Einer der profiliertesten Politiker der Nachkriegszeit ist tot: Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker ist am Samstag im Alter von 94 Jahren gestorben. „Wir verlieren einen großartigen Menschen und ein herausragendes Staatsoberhaupt“, schrieb Bundespräsident Joachim Gauck in einem Kondolenzschreiben an die Witwe Marianne Freifrau von Weizsäcker. Er würdigte seinen Vorgänger als „moralische Instanz“. „Die Erinnerung zu bewahren und hieraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, waren ihm wichtige Anliegen, gerade auch im Hinblick auf die junge Generation“, betonte Gauck.

Politiker aller Bundestagsparteien sprachen von einem großen Verlust. Der CDU-Politiker von Weizsäcker war in der Zeit von 1984 bis 1994 sechster Bundespräsident - er beeinflusste mit wegweisenden Reden das politische Klima in Deutschland und scheute auch nicht vor Konflikten mit Kanzler Helmut Kohl (CDU) zurück. Gemeinsam feierten sie am 3. Oktober 1990 die deutsche Einheit im wiedervereinigten Berlin.
Vor der Bundespräsidentenzeit war der in Stuttgart geborene Weizsäcker unter anderem Regierender Bürgermeister von Berlin (1981 bis 1984). Von 1969 bis 1981 war der promovierte Jurist Mitglied des Deutschen Bundestages. Zudem war er zwei Mal Präsident des Evangelischen Kirchentages (1964 bis 1970 und 1979 bis 1981).

Nach seinem Amtsantritt hatte er versprochen, „Präsident aller Bürger“ sein zu wollen: Eine seiner wohl bekanntesten Reden hielt am 40. Jahrestag des Kriegsendes: Darin wies er darauf hin, dass der 8. Mai 1945 ein Tag der Befreiung war, thematisierte das Leid der Betroffenen, die Verantwortung nachfolgender Generationen und die Rolle der aus den Erfahrungen des Dritten Reichs entstandenen Bundesrepublik Deutschland. Das Diktum, dass der 8. Mai nicht vom 30. Januar 1933 (Tag der Machtübernahme Adolf Hitlers) zu trennen sei, „ist eine nicht revidierbare Grundlage für unser Selbstverständnis und unser Handeln geworden“, betonte Gauck.

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„Aus der Erfahrung von Krieg und Gewaltherrschaft folgte sein Engagement für ein friedliches und vereintes Europa.“ Er habe die Freundschaft mit den Partnern im Westen vertieft und die Verständigung mit den Völkern im Osten gesucht. „Schon früh sah er in der Überwindung der Spaltung Europas die einzige Möglichkeit zur Überwindung der Spaltung Deutschlands.“

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"Wir müssen Richard von Weizsäcker dankbar sein für seine Rede vom 8. Mai 1985, in der er das Ende des Zweiten Weltkriegs eingeordnet hat. Sein Satz: "Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung", ist zweifellos einer der wichtigsten Sätze der neueren deutschen Geschichte", würdigt Chefredakteurin Miriam Meckel den Altbundespräsidenten.

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