Alternative für Deutschland: Chaos-Partei? Die AfD kämpft um ihren Ruf

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Alternative für Deutschland: Chaos-Partei? Die AfD kämpft um ihren Ruf

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Vor der Bundestagswahl kämpfte die AfD geschlossen um ein gutes Ergebnis und stellten Meinungsverschiedenheiten zurück. Nun aber werden die Konflikte innerhalb der Partei zunehmend sichtbar.

von Tim Rahmann

Richtungsstreit und Rücktrittswelle: Die AfD gibt derzeit ein bedenkliches Bild ab. Parteimitglieder versuchen, zu beruhigen – und fordern gleichzeitig den Bundesvorstand zum Handeln auf.

Sie haben gekämpft. Und still gehalten. Die "Alternative für Deutschland" wollte unbedingt in den Bundestag einziehen. Alle Mitglieder der Neupartei haben deshalb an einem Strang gezogen und offensichtliche Konflikte hintenangestellt. Es galt, Geschlossenheit zu zeigen. Mit 4,7 Prozent der Zweitstimmen hat die AfD den Einzug ins Parlament knapp verpasst. Nun brechen die Konflikte mit neuer Stärke auf.

Die Partei streitet um die künftige Ausrichtung, ein liberaler Flügel fürchtet das Abdriften nach Rechtsaußen. Konservative Mitglieder warnen vor zu viel Toleranz und machen Stimmung gegen ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare und ungeordnete Zuwanderung. Darüber hinaus werfen persönliche Animositäten und eine Welle von Rücktritten ein schlechtes Bild auf die erst in diesem Jahr gegründete Partei: In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind die Landesvorsitzenden zurückgetreten, in NRW ebenso drei Beisitzer, in Berlin wird die gesamte Spitze des Landesverbands zum Rücktritt aufgefordert. Und in Rheinland-Pfalz fordern Mitglieder, bei den Neuwahlen der Sprecher darauf zu achten, dass die Kandidaten "ein Maß an Sozialkompetenz mitbringen".

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Kritiker nennen die AfD schon Chaos-Partei und sehen Ähnlichkeiten mit den Piraten, die sich nach Anfangserfolgen selbst denunziert und geschwächt haben.

Parteimitglieder versuchen, zu beruhigen. So sei der Rücktritt von Alexander Dilger, Landessprecher der AfD in Nordrhein-Westfalen, "nicht die Folge von politischen Streitigkeiten", sagt Ulrich Wlecke, Bundestagskandidat der "Alternative" aus Düsseldorf gegenüber WirtschaftsWoche Online. Das bestätigt auch Dilger selbst auf Nachfrage. Bereits in einer internen Mail an die Parteifreunde, die er unmittelbar nach seinem Rücktritt versendete, nannte er Streit um "langweilige Organisationsfragen" als Hauptgrund. Politische Richtungsfragen seien nicht der Grund.

Schillernde AfD-Mitglieder aus NRW

  • Alexander Dilger

    Der Direktor des Instituts für Organisationsökonomik an der Universität Münster war 23 Jahre lang Mitglied der FDP. Doch spätestens mit dem gescheiterten Mitgliederentscheid der FDP gegen die Euro-Rettung war für Dilger klar: Das war’s. Seit April 2013 ist Dilger Landessprecher der AfD in Nordrhein-Westfalen, war Spitzenkandidat der AfD im größten Bundesland bei der Bundestagswahl und Direktkandidat in Dortmund. Im Oktober 2013 erklärte Dilger nach parteiinternen Streitereien seinen Rücktritt vom Landesvorsitz. Möglicherweise tritt er aber zur Wiederwahl auf dem Landesparteitag Ende November/ Anfang Dezember in Arnsberg erneut an.

  • Ulrich Wlecke

    Der Düsseldorfer ist mittelständischer Unternehmer im Maschinenbau – und kritisiert die Energiepolitik der Regierung. Die Energiewende bedeute eine starke Gefährdung des Wirtschaftsstandortes Deutschland. „Gigantische Investitionen mit zweifelhaftem Nutzen sollen durchgeführt werden. Verbraucher und Unternehmen werden mit erheblichen Energiekostensteigerungen belastet. Die Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen und damit viele Arbeitsplätze sind dadurch in Gefahr“, sagt der 54-jährige. Wlecke ist Mitglied des Vorstands des AfD-Stadtverbands Düsseldorf und des Arbeitskreises Steuern und Staatsfinanzen (Landesverband) - sowie Mitglied im Bundesarbeitskreis Energiepolitik.

  • Michael Balke

    Der Dortmunder ist Steuerrechtler und Richter am Finanzgericht. Der 59-jährige, in zweiter Ehe verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kinder, erkrankte Anfang des Jahrtausends an einer Leberzirrhose. Eine Teilleber-Transplantation rettete ihm das Leben. Im September trat er als Bundestagskandidat für die AfD an.

  • Hendrik Rottmann

    Der Bundestags-Direktkandidat für den Wahlkreis Köln 1 hat eine Lehre als Einzelhandelskaufmann bei der Kaufhof AG in Köln abgeschlossen und ist dann als Freiwilliger zur Bundeswehr gegangen. Seit 25 Jahren ist Rottmann nun Soldat, seit 1997 staatlich geprüfter Betriebswirt und Offizier. Der 44-Jährige ist verheiratet und hat einen Sohn

Doch wie viel Wahrheit steckt hinter der lapidaren Begründung? Immerhin schreibt Dilger auf seinem Blog, dass er "nicht für immer mehr Vorstandsentscheidungen den Kopf hinhalten (will), denen ich selbst begründet nicht zustimmen konnte". Dass der Ökonom Dilger, der zuvor 23 Jahre lang Mitglied der FDP war, auch menschlich enttäuscht ist, zeigen diese Zeilen: "Um diese Querelen nicht in die Öffentlichkeit zu tragen, hatte ich einen gemeinsamen Rücktritt des gesamten Vorstandes vorgeschlagen. Die Mehrheit hätte sich damit sogar anfreunden können, doch nicht alle. Eigentlich halte ich es für ein Unding, meinen Rücktritt zu fordern, für sich selbst aber darauf zu verweisen, dass man vom Parteitag gewählt wurde, weshalb man nicht zurücktreten könne und wolle."

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