Alternative für Deutschland: So hat die AfD keine Chance

Alternative für Deutschland: So hat die AfD keine Chance

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AfD-Parteisprecherin Frauke Petry während des Bundesparteitages der Alternative für Deutschland (AfD).

von Tim Rahmann

Der interne Machtkampf nimmt kein Ende. AfD-Sprecherin Frauke Petry will den Parteitag Anfang Juli verhindern. Der Partei droht die Spaltung, dabei hat sie nur mit einem breiten Programm eine Daseinsberechtigung.

Der für dieses Wochenende geplante Parteitag in Kassel ist bereits abgesagt. Nun soll auch der Nachholtermin – die AfD will am 4./ 5. Juli in Essen zusammenkommen – gekippt werden. Das jedenfalls ist das Ziel von AfD-Sprecherin Frauke Petry.

In einem Rundschreiben an die Landesvorstände vom Mittwoch lädt die Lucke-Gegenspielerin zur konstituierenden Sitzung des Parteikonvents nach Kassel ein. Das Ziel: den Mitgliederparteitag verhindern. Anfang Juli will sich Parteichef Bernd Lucke von der Basis an die Parteispitze wählen lassen. Seine Chancen sind gut – unter den Mitgliedern der „Alternative“ gilt Lucke als beliebt. Hier kann er mit Zustimmung rechnen. Bei einer Wahl, an der nur Delegierte teilnehmen dürfen, eher nicht.

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Die wichtigsten Köpfe in der AfD

  • Bernd Lucke

    Professor, Gründer des Plenums der Ökonomen

    Der 51-Jährige wurde bei Gründung der AfD ihr Sprecher. Der Vater von fünf Kindern lehrt Makroökonomie an der Universität Hamburg. Über 300 Wissenschaftler schlossen sich seinem „Plenum der Ökonomen“ an, das als Netzplattform Wirtschaft erklärt. Nach 33 Jahren trat Lucke Ende 2011 aus der CDU aus. Er trat als Spitzendkandidat der AfD für die Europawahlen an und wechselte im Sommer 2014 nach Brüssel.

  • Beatrix von Storch

    Anwältin, Gründerin der Zivilen Koalition

    Die Juristin, die zunächst 2012 Mitglied der FDP war, ist seit 2013 Mitglied der AfD. Sie wird dem rechtskonservativen Flügel der Partei zugerechnet. Sie engagiert sich neben der Euro-Rettung vor allem für eine christlich-konservative Familienpolitik. Am 25. Januar 2014 wurde von Storch vom Bundesparteitag der AfD in Aschaffenburg mit 142 von 282 Stimmen auf Platz vier der Liste zur Europawahl gewählt - und zog anschließend ins Europaparlament ein.

  • Joachim Starbatty

    Emeritierter Professor für Volkswirtschaft

    Im Kampf gegen den Euro hat er die größte Erfahrung: 1998 klagte er gegen dessen Einführung vor dem Bundesverfassungsgericht, 2011 gegen die Rettungsmaßnahmen. Der 72-Jährige, einst Assistent von Alfred Müller-Armack, führt den wissenschaftlichen Beirat der AfD – so etwas hat keine andere Partei.

  • Frauke Petry

    Promovierte Chemikerin und Unternehmerin

    Nach dem Studium gründete die Mutter von vier Kindern 2007 ihr eigenes Chemieunternehmen Purinvent in Leipzig – mit dem Patent auf ein umweltfreundliches Dichtmittel für Reifen. Sie fürchtet, ihre demokratischen Ideale würden „auf einem ideologisierten EU-Altar geopfert“. Seit 2013 ist sie eine von drei Parteisprechern und Vorsitzende der AfD Sachsen

  • Konrad Adam

    Journalist, Publizist, Altsprachler und Historiker

    Bei den bürgerlichen Blättern – 21 Jahre im Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen“, sieben Jahre als politischer Chefkorrespondent der „Welt“ – erwarb er sich den Ruf als konservativer Vordenker. Sozial-, Bildungs- und Wissenschaftspolitik sind auch im Sprecheramt der AfD seine Schwerpunkte.

  • Alexander Gauland

    Beamter, Politiker, Herausgeber, Publizist

    Der promovierte Jurist leitete die hessische Staatskanzlei unter CDU-Ministerpräsident Walter Wallmann. Dann Geschäftsführer und Herausgeber der „Märkischen Allgemeinen“ in Potsdam. Führte die brandenburgische AfD bei den Landtagswahlen zu einem überraschend starken Ergebnis und führt nun die Fraktion im Landtag an.

Übergeordnet geht es bei dem Streit zwischen Lucke und Petry um einen Richtungsstreit. Auf der einen Seite die Wirtschaftsliberalen um den Ökonomie-Professor aus Hamburg, die gegen die Euro-Rettung, Frauenquote und weite Teile der Energiewende sind. Auf der anderen Seite, ein nationalkonservativer Flügel, der die wirtschaftspolitischen Programmpunkte teilt – aber primär für andere Ziele steht: für eine rigide Flüchtlingspolitik, für ein erzkonservatives Familienbild, für Anti-Amerikanismus.

Das Problem der AfD: Sie hat keine Chance, bundespolitisch zu einem Faktor zu werden, sollte sie nicht beide Flügel vereinen. Ein-Themen-Parteien haben keine Chance. Eine Neugründung des Lucke-Flügels, der oft kolportiert, aber bisher immer strikt zurückgewiesen wurde, dürfte mit der Ablehnung der Rettungspolitik als einziges Unterscheidungskriterium von anderen Parteien keine relevante Zahl von Wählern erreichen. Eine rechtskonservative AfD ohne den wirtschaftlichen Flügel wird – mehr noch als die Alternative ohnehin – in die Rechtsaußen-Ecke gedrängt und zermürbt werden.

"Alternative für Deutschland" Die Chancen der Anti-Euro-Partei sind gering

Die "Alternative für Deutschland" erfährt viel Aufmerksamkeit. Aber dass sie in den Bundestag einzieht, ist unwahrscheinlich. Sie könnte das Schicksal früherer CDU-Abspaltungen teilen.

Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Und noch einen zweiten Aspekt macht Neu-Parteien das Leben schwer: die fehlende Verwurzelung in der Gesellschaft. „Neu gegründete Parteien haben nur in ganz wenigen Ausnahmen langfristig Erfolg“, erklärte der Düsseldorfer Parteienforscher Ulrich von Alemann in einer Analyse über die Aussichten neuer Parteien, die auf WirtschaftsWoche Online kurz nach der Gründung der AfD erschien.

So würden Neugründungen – nach anfänglichen Erfolgen auf regionaler oder Landesebene – langfristig daran scheitern, dass ihnen der „gesellschaftliche Unterbau“ fehle. Während die Grünen von einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel profitierten – und im Schatten des 1968er-Mileus gesellschaftsfähig wurden, müssen sich Neugründungen aus dem konservativen Lager auf einem bereits abgesteckten Feld beweisen: In der Freiwilligen Feuerwehr, im Schützenverein oder beim Fußballclub sind Unionsmitglieder in der Überzahl.

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Sie bilden den Stamm für die Wahlerfolge der Konservativen – trotz Unmuts über die Kanzlerin. „Der Wähler wählt nicht nur nach seinen politischen Ansichten, sondern mit Blick auf die Erfolgschancen. Bei Bundestagwahlen achtet er vor allem auf die Regierungsfähigkeit“, sagte Alemann im März 2013. Dazu komme, dass gerade konservative Wähler selten „abenteuerlustig“ seien.

Sollte sich die AfD – nach einer Abspaltung eines Flügels – nun auch noch gegenseitig die Protestwähler abspenstig machen, rückt die 5-Prozentmarke auf Bundesebene in weite Ferne. Übrigens: Im aktuellen „stern-RTL-Wahltrend“ kommt die zerstrittene Partei derzeit gerade einmal auf vier Prozent.

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