Alternativen diskutieren: Bahn-Aufsichtsrat zweifelt an „Stuttgart 21“

11. Februar 2013, aktualisiert 11. Februar 2013, 08:59 Uhr
Die Kosten für den Tiefbahnhof sind  auf 5,6 Milliarden Euro gestiegen. Quelle: ReutersBild vergrößern
Die Kosten für den Tiefbahnhof sind auf 5,6 Milliarden Euro gestiegen. Quelle: Reuters
Quelle: Handelsblatt Online

Bahn-Aufsichtsratsmitglied Alexander Kirchner sieht die Chance, dass „Stuttgart 21“ erfolgreich abgeschlossen wird, nur bei 50 Prozent. Bahnchef Rüdiger Grube äußerte sich zur Kostenexplosion bei dem Milliardenprojekt.

BerlinZweifel an „Stuttgart 21“: Bahn-Aufsichtsratsmitglied Alexander Kirchner hat die Chancen für den Bau des umstrittenen Bahnhofs mit fünfzig/fünfzig beziffert. Es müsse nun offen über Alternativen diskutiert werden, forderte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Bahn AG am Montag im Deutschlandfunk. „Niemandem ist geholfen, wenn das Projekt scheitert und dort nur ein Scherbenhaufen liegt“, sagte der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. Aber ein Aus könne auch teuer werden: „Ein Abbruch kostet aus heutiger Sicht zwei Milliarden Euro – ohne das man einen funktionsfähigen Bahnhof in Stuttgart hat.“

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Unterdessen hat Bahnchef Rüdiger Grube laut einem Zeitungsbericht Vorwürfe über verspätete Informationen zu Mehrkosten bei dem Milliardenprojekt zurückgewiesen. „Mit viel Mühe und Aufwand haben interne und externe Fachleute unter der Leitung von Dr. Volker Kefer eine vollständige Analyse der Kostenentwicklung durchgeführt“, zitiert die „Stuttgarter Zeitung“ am Montag aus einem internen Rundschreiben Grubes mit Blick auf Technikvorstand Kefer. „Unmittelbar“ nachdem valide und geprüfte Ergebnisse vorlagen, seien diese dem Aufsichtsrat am 12. Dezember vergangenen Jahres offengelegt und gleichzeitig die Projektpartner darüber informiert worden.

Die Bahn hatte damals mitgeteilt, dass sich der Finanzierungsrahmen für das Bauvorhaben um 1,1 Milliarden Euro auf 5,6 Milliarden Euro erhöhe. Hinzu kämen Risiken von 1,2 Milliarden Euro. Der Aufsichtsrat der Bahn wird in den kommenden Wochen über den Vorschlag des Vorstands entscheiden, dass der Staatskonzern die Mehrkosten finanziert. Unter anderem das Bundesverkehrsministerium hatte in einem vergangene Woche bekanntgewordenen internen Papier die Informationspolitik des Unternehmens kritisiert.

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Kommentare | 2Alle Kommentare
  • 11.02.2013, 11:59 Uhrwoschi

    Zu den Ausstiegskosten schreibt die Stuttgarter Zeitung vom 6.2.2013 Folgendes: "Dass die Kosten bei einem Ausstieg laut SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel bei drei Milliarden Euro oder dem FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke zufolge gar bei fünf Milliarden Euro liegen, bestätigt der Konzern nicht. Eingeräumt wird, dass die bis Ende 2012 tatsächlich aufgelaufenen Projektkosten bei 430 Millionen Euro liegen – 71 Millionen davon entfallen auf die Bahn. Die Frage eines Aufsichtsrats, ob es zutreffe, dass bei einem Projektstopp „den Firmen im Wesentlichen nur die bis dahin entstandenen Kosten sowie ein entgangener Gewinn zustehen“, bejahte der Bahn-Vorstand. Er bestätigte damit einen StZ-Bericht vom Januar, in dem projektkritische Juristen erklärt hatten, den Unternehmen stehe bei einem Projektabbruch der vereinbarte Werklohn abzüglich ersparter Aufwendungen zu. Die exakten Kosten seien jeweils vertragsspezifisch zu ¬ermitteln.
    http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-bahn-prophezeit-zehn-jahre-neuplanung.c5ce863c-b84c-4e6c-a44a-001996cca14d.html
    Es muss endlich Schluss damit gemacht werden, dass die Baukosten für S 21 unrealistisch niedrig und die Ausstiegskosten unrealistisch hoch gerechnet werden. Auch die 2 Milliarden, von denen Aufsichtsrat Kirchner spricht, sind unrichtig. Denn sie enthalten Rückabwicklungen von Zahlungen, welche die Bahn vor vielen Jahren enthalten hat, etwa durch den Kauf des Gleisvorfeldes von der Stadt Stuttgart 2001 (incl. Zinsen bis heute ca. 800 Mio Euro) oder den Zuschuss des Flughafens (112 Mio Euro) zur "besseren Wirtschaftlichkeitsrechnung von S 21" im Jahr 2008.

  • 11.02.2013, 11:20 Uhrwoschi

    Einfache Rechnung! Projektabbruch 2 Milliarden, ohne funktionsfähigen Bahnknoten, momentan! Weiterbau bis zu 10 Milliarden, auf Dauer ohne funktionsfähigen Bahnknoten! S 21 stellt nachgewiesenermaßen einen Rückbau des Bahnknotens dar. S 21 wird mit seinen 8 Durchgangsgleisen niemals die Leistung erbringen können wie der derzeitige Kopfbahnhof schon heute mit seinen 16 kreuzungsfreien Gleisen!

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