ThemaAltersvorsorge

alles zum Thema
_

Altersvorsorge: Welle der Wohltaten für Rentner

von Cornelia Schmergal

In Kürze will die Regierung ihr Konzept für eine Rentenreform vorlegen. Darin geht es nicht mehr um Generationengerechtigkeit, sondern um das Verteilen neuer Wohltaten in Milliardenhöhe.

Die großen Altersvorsorger
1997: Norbert Blüm
Von 1982 bis 1998 war er Bundesminister für Arbeit und Soziales im Kabinett Kohl. Seinen Demografiefaktor setzte Rot-Grün erst aus und dann um.

Quelle: AP

Anzeige

Auf der anderen Straßenseite scheint die Sonne. Dort trippelt eine weißhaarige Dame, sorgfältig onduliert, mit schnellen Schritten Richtung Kaffeehaus. Sie hat sich in einen dunklen Mantel mit Goldknöpfen gehüllt und hängt am Arm eines Begleiters mit Hut. Es ist Mittagszeit, und das Café Einstein um die Ecke ist für seine Wiener Schnitzel bekannt. Für einen hauchdünn geklopften Lappen Kalb, serviert mit Erdäpfel- und Gurkensalat, blättern die Gäste 20 Euro auf die Marmortischchen. Auf Rentnerinnen ist die Küche eingestellt: Die kleine Kalbsportion gibt es schon für 15,50 Euro. Ein Geheimtipp unter Senioren.

Am Schreibtisch von Norbert Wetzel brennt Licht, sein Büro liegt auf der Schattenseite der Straße. Der Jurist arbeitet für den Sozialverband Deutschland, den man auch den „Rentnerverein“ nennt. Wenn Wetzel zur Sprechstunde lädt, drängeln sich vor seinem Schreibtisch ältere Herrschaften in Blousonjacken, die früher einmal modern waren. Wer hier Platz nimmt, hadert mit seiner Altersversorgung und würde dafür auch vor Gericht ziehen. „Es gibt viele Menschen, die eine gute Rente bekommen“, sagt Wetzel. „Aber es gibt auch sehr viele Rentner, die knapp dran sind.“ Sein Wartezimmer ist stets überfüllt.

Deutschlands Rentner leben in zwei Welten

Heute sitzt vor Wetzel ein ehemaliger Gärtner, der seinen 60. Geburtstag hinter sich hat. Gerade ist seine Rente durch, aus seiner Tasche zieht er den verknitterten Bescheid. Dort steht, dass er künftig etwas mehr als 700 Euro im Monat bekommt. Kaum 20 Euro, kaum ein Wiener Schnitzel mehr also, als ein Hartz-IV-Empfänger erhält. Wenn Rechtsanwalt Wetzel aus seinem Fenster auf die Straßenseite gegenüber schaut, dann kann er die anderen Rentner in ihren Mänteln mit den Goldknöpfen zum Kaffeehaus ziehen sehen.

Deutschlands Rentner leben in zwei Welten. Es gibt eine große Gruppe am oberen Rand, die sich ein gutes Leben leisten kann. Nach einer neuen Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung sind viele Senioren gut abgesichert. Ein Rentnerpaar in Westdeutschland verfügt im Monat über ein Nettoeinkommen von insgesamt 3328 Euro, im Osten kommen Zwei-Personen-Haushalte auf 2784 Euro. Voraussetzung ist aber, dass die Ruheständler privat oder betrieblich vorgesorgt haben, oder besser noch: im Staatsdienst gearbeitet haben.

Wer nicht privat spart, wird bestraft

Von der gesetzlichen Rente allein wird niemand reich: Im Westen können Männer derzeit im Schnitt mit 1051 Euro rechnen, im Osten mit 1009. Bei Frauen ist das Geld noch knapper. Sie kommen im Westen nur auf eine Rente von 514 Euro, im Osten sind es 699, weil viele Mütter dort gar nicht erst aus dem Beruf ausgestiegen sind.

Es lässt sich lange darüber streiten, ob 1000 Euro viel oder wenig sind, wenn man ein Leben lang Vollzeit gearbeitet und Beiträge eingezahlt hat. Gewiss ist aber, dass es den meisten Rentnern heute noch relativ gut geht. Wer 2011 in Rente ging und es auf 45 Beitragsjahre brachte, der konnte mit einem Rentenniveau von 50,2 Prozent des Nettodurchschnittseinkommens rechnen. Wer allerdings erst 2030 in den Ruhestand wechselt, dem stehen gerade noch 43 Prozent zu. Wer dann nicht privat oder betrieblich vorgesorgt hat, fällt in Armut. Und so bitter es klingen mag: Genau das war bei den vergangenen Reformen politisch gewollt.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 13.04.2012, 22:09 UhrAnonymer Benutzer: egal2.0

    in der Schweizer RV - die ja keine Bemessungsgrenzen kennt und auch Vermögen mit in Anspruch nimmt zur Finanzierung - werden alle Geringverdienereinkommen unter einem bestimmten Betrag auf 80% des letzten Gehaltes aufgestockt. Wenn ich mich recht entsinne gab es eine solche Regelung, die niedrigen Renten aufzustocken auch mal in der deutschen RV -- ich mein es waren um die 70%.

    "Genau das war bei den vergangenen Reformen politisch gewollt."

    Das die Verarmung der eigenen Bürger gewollt ist, ist einer Demokratie aber nicht würdig. Auch die GruSiLeistungen in HartzIV - Höhe sind für Personen, die gearbeitet haben eine bodenlose Frechheit. Sie liegen damit weit unter der Armutsgrenze.

    angesichts der prekären Arbeitsverhältnisse und vieler Personen, die durchgehende Vollzeiterwerbstätigkeit nie erreichen können, wäre das vernünftigste in DE eine Rente wie in den Niederlanden. Entkoppelt von Vollzeiterwerbstätigkeit gibt es für jeden eine Mindestrente von 1100 Euro - weit über den deutschen GruSi-Betrag. hinzu kommen die obligatorischen Betriebsrenten. Dies gilt auch für Mütter/Frauen, die damit besser abgesichert werden und für Teilzeitarbeitnehmer. Das macht man dann steuerfinanziert oder ähnlich wie in der Schweiz mit Hinzunahme weiterer Einkommensarten und Vermögen.

    Einfach 50% oder mehr in Armut fallen lassen, ist ja wohl nicht das Politikrezept in DE, oder etwa doch?! Und kein Geringverdiener hat mit seinem Einkommen Geld für private Vorsorge übrig.

    Fest steht auf jeden Fall: Geringverdiener sind in sehr vielen Ländern schon heute und zukünftig noch mehr besser abgesichert als in Deutschland.

    und bei Beamten spart der Staat die Sozialabgaben - dadurch ist in seiner Mischkalkulation im Heute der Beamte billiger. Nur darum gehts - macht sich besser im laufendem Haushalt und Kosten lassen sich so lange verstecken. --- verbeamteter Lehrer und Angestellter - Differenz für die Sozialkassen sind mtl. ab 800 EUR aufwärts -- ohne sonderzahlung

  • 13.04.2012, 16:55 UhrAnonymer Benutzer: RDA

    Es ist gerechtfertigt, die gesetzliche Rente für Geringverdiener und Erwerbsgeminderte aufzustocken. Dass man privat vorgesorgt haben muss, halte ich für Blödsinn - gerade das können Geringverdiener oft nicht. Besser wäre es, die Aufstockung an alle zu zahlen, die 50 Jahre rechtmäßig hier gelebt haben.
    Finanziert werden könnte das über eine Wertschöpfungsabgabe anstelle der Arbeitgeberbeiträge.

  • 20.01.2012, 09:07 UhrAnonymer Benutzer: rebekka

    zu fischer kommentar-es ist falsch zu behaupten,die pensionäre würden von steuerngeldern bezahlt.richtig ist,dass die gehaltsabzüge und entgelte-auch der dienstherren- für sie nicht als rücklagen gebildet wurden,sondern von den haushaltspolitischen fraktionen der politischen parteien wegen haushaltsprobleme aufglöst und zweckentfremdet verwendet wurden.dies ist fakt und nicht das dümliche gerede über die pensionäre. rebekka

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.