Altersvorsorge: Welle der Wohltaten für Rentner

Altersvorsorge: Welle der Wohltaten für Rentner

von Cornelia Schmergal

In Kürze will die Regierung ihr Konzept für eine Rentenreform vorlegen. Darin geht es nicht mehr um Generationengerechtigkeit, sondern um das Verteilen neuer Wohltaten in Milliardenhöhe.

Auf der anderen Straßenseite scheint die Sonne. Dort trippelt eine weißhaarige Dame, sorgfältig onduliert, mit schnellen Schritten Richtung Kaffeehaus. Sie hat sich in einen dunklen Mantel mit Goldknöpfen gehüllt und hängt am Arm eines Begleiters mit Hut. Es ist Mittagszeit, und das Café Einstein um die Ecke ist für seine Wiener Schnitzel bekannt. Für einen hauchdünn geklopften Lappen Kalb, serviert mit Erdäpfel- und Gurkensalat, blättern die Gäste 20 Euro auf die Marmortischchen. Auf Rentnerinnen ist die Küche eingestellt: Die kleine Kalbsportion gibt es schon für 15,50 Euro. Ein Geheimtipp unter Senioren.

Am Schreibtisch von Norbert Wetzel brennt Licht, sein Büro liegt auf der Schattenseite der Straße. Der Jurist arbeitet für den Sozialverband Deutschland, den man auch den „Rentnerverein“ nennt. Wenn Wetzel zur Sprechstunde lädt, drängeln sich vor seinem Schreibtisch ältere Herrschaften in Blousonjacken, die früher einmal modern waren. Wer hier Platz nimmt, hadert mit seiner Altersversorgung und würde dafür auch vor Gericht ziehen. „Es gibt viele Menschen, die eine gute Rente bekommen“, sagt Wetzel. „Aber es gibt auch sehr viele Rentner, die knapp dran sind.“ Sein Wartezimmer ist stets überfüllt.

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Deutschlands Rentner leben in zwei Welten

Heute sitzt vor Wetzel ein ehemaliger Gärtner, der seinen 60. Geburtstag hinter sich hat. Gerade ist seine Rente durch, aus seiner Tasche zieht er den verknitterten Bescheid. Dort steht, dass er künftig etwas mehr als 700 Euro im Monat bekommt. Kaum 20 Euro, kaum ein Wiener Schnitzel mehr also, als ein Hartz-IV-Empfänger erhält. Wenn Rechtsanwalt Wetzel aus seinem Fenster auf die Straßenseite gegenüber schaut, dann kann er die anderen Rentner in ihren Mänteln mit den Goldknöpfen zum Kaffeehaus ziehen sehen.

Deutschlands Rentner leben in zwei Welten. Es gibt eine große Gruppe am oberen Rand, die sich ein gutes Leben leisten kann. Nach einer neuen Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung sind viele Senioren gut abgesichert. Ein Rentnerpaar in Westdeutschland verfügt im Monat über ein Nettoeinkommen von insgesamt 3328 Euro, im Osten kommen Zwei-Personen-Haushalte auf 2784 Euro. Voraussetzung ist aber, dass die Ruheständler privat oder betrieblich vorgesorgt haben, oder besser noch: im Staatsdienst gearbeitet haben.

Wer nicht privat spart, wird bestraft

Von der gesetzlichen Rente allein wird niemand reich: Im Westen können Männer derzeit im Schnitt mit 1051 Euro rechnen, im Osten mit 1009. Bei Frauen ist das Geld noch knapper. Sie kommen im Westen nur auf eine Rente von 514 Euro, im Osten sind es 699, weil viele Mütter dort gar nicht erst aus dem Beruf ausgestiegen sind.

Es lässt sich lange darüber streiten, ob 1000 Euro viel oder wenig sind, wenn man ein Leben lang Vollzeit gearbeitet und Beiträge eingezahlt hat. Gewiss ist aber, dass es den meisten Rentnern heute noch relativ gut geht. Wer 2011 in Rente ging und es auf 45 Beitragsjahre brachte, der konnte mit einem Rentenniveau von 50,2 Prozent des Nettodurchschnittseinkommens rechnen. Wer allerdings erst 2030 in den Ruhestand wechselt, dem stehen gerade noch 43 Prozent zu. Wer dann nicht privat oder betrieblich vorgesorgt hat, fällt in Armut. Und so bitter es klingen mag: Genau das war bei den vergangenen Reformen politisch gewollt.

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