Altkanzler Kohl stellt sein Buch vor: Freunde Europas unter sich

Altkanzler Kohl stellt sein Buch vor: Freunde Europas unter sich

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Altkanzler Helmut Kohl (links) und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bei der Vorstellung von Kohls Buch in Frankfurt.

von Saskia Littmann

Altkanzler Helmut Kohl stellt sein neues Buch vor, die Laudatio hält EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, ebenfalls großer Euro-Fan. Platz für Kritik an der Konstruktion der Gemeinschaftswährung war da nicht.

Es seien richtig gute Gespräche, sagt Jean-Claude Juncker. Der neue Präsident der EU-Kommission schwärmt von seinen Besuchen und Unterhaltungen mit Altkanzler Helmut Kohl. Wenn der 84-Jährige seine Meinung auch nicht immer klar sage, dann zeige er einfach per Handzeichen, was er meint. Mehrfach betont Juncker, wie sehr er diese Gespräche schätzt, Kohl sei eines seiner großen Vorbilder. Zwei Freunde Europas unter sich.

Deshalb ist der Neu-Präsident an seinem ersten Tag im Amt auch nach Frankfurt gekommen, um gemeinsam mit dem Altkanzler dessen neues Buch "Aus Sorge um Europa - Ein Appell" vorzustellen. Begleitet wurde Helmut Kohl von seiner Frau Meike, die betonte, sie sei da, um ihren Mann zu unterstützen, weil dieser seit seinem schweren Unfall nicht mehr gut sprechen kann.

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Vor zahlreichen Fotografen und Fernsehkameras in der Frankfurter Villa Kennedy hatte das Dreiergespann eine klare Botschaft ans Publikum: Der Altkanzler mag sich zwar nicht mehr artikulieren können wie früher. Sein Geist ist aber so präsent wie eh und je. Und genauso seine Idee eines gemeinsamen Europas.

Kohl selber strengt der Auftritt zwar sichtbar an, dennoch ist immer wieder Zustimmung in seinem Gesicht zu erkennen, wenn Juncker die Idee Europas und den Euro lobt. Und das tut der Freund ausgiebig.

Enthusiastisch preist Juncker Kohls "Projekt". Es sei bemerkenswert, wie stabil die Gemeinschaftswährung in der Krise reagiert habe, so der Kommissionspräsident. Nur wegen der stabilisierenden Wirkung sei man halbwegs glimpflich aus der Krise gekommen. Es sei gut, dass Kohl dieses Buch geschrieben habe. "Er muss sich ja die Deutungshoheit über sein Lebenswerk bewahren", so Juncker.

Dabei gibt sich der Altkanzler angriffslustig. In seinem neuen Buch, das ab Mittwoch erhältlich ist, rechnet Kohl vor allem mit seinen Nachfolgern ab. Und lässt keinen Zweifel daran, dass er in Sorge um "sein" Europa ist.

In einem Artikel in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" skizzierte der 84-Jährige bereits vorab Auszüge seines 120-Seiten-Buches. Sein Zeugnis für Europa fällt darin vernichtend aus. "Es ist wahr: Europa ist in keinem guten Zustand", leitet Kohl den Artikel ein. Dafür sieht Kohl zwei Hauptgründe.

Zentraler Fehler Griechenland

Da wären die wesentlichen Ursachen der "erheblichen Fehlentwicklungen und Verunsicherungen", denen wir heute in Europa gegenüberstünden, so Kohl. Zum einen Griechenland. Die frühe Aufnahme des Landes 2001 in den Euro habe den geltenden Grundsatz "erst die Reformen und dann der Beitritt" aufgeweicht. Stattdessen hätte zunächst auf den notwendigen strukturellen Veränderungen im Land bestanden werden müssen.

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