Amoklauf in München: Schäuble-Spezialeinheit nahm Marburger Waffendealer fest

Amoklauf in München: Schäuble-Spezialeinheit nahm Marburger Waffendealer fest

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Das Zollfahndungsamt Frankfurt präsentiert eine bei einem mutmaßlichen Waffenhändler in Marburg sichergestellte Glock 17.

von Christian Ramthun

Der Lieferant der Münchner-Attentatswaffe wurde vom Zoll festgenommen. Die Behörde kämpft auch gegen den Terror und nimmt das Darknet ins Visier.

Die Festnahme des 31-jährigen Darknet-Waffendealers in Marburg am Dienstag erfolgte nicht durch die Polizei. Vielmehr waren es Beamte des Zolls, die den mutmaßlichen Lieferanten der Tatwaffe an den Münchner Attentäter zunächst ermittelten und dann dingfest machten. 

Die Verhaftung nahm eine der jüngsten und besten Spezialeinheiten Deutschlands vor, die sich hinter dem nichtssagenden Kürzel ZUZ versteckt. Die Rede ist von der knapp 60 Mann starken Zentralen Unterstützungsgruppe Zoll, die mit der GSG 9 der Bundespolizei vergleichbar ist und dem Amtsbereich von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) untersteht.

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Zahl der Einsätze des ZUZ nimmt zu

Die ZUZ übernimmt Einsätze, die für normale Zollbeamte zu gefährlich sind. Und deren Zahl nimmt rapide zu. Allein 2015 wurden die ZUZ-Beamten rund 100-mal angefordert, ein Anstieg von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Die Tendenz scheint sich 2016 fortzusetzen“, teilt die Generalzolldirektion in Bonn mit. Der Grund ist erschreckend. Man habe es beim Zoll mit „einer gestiegenen Gewaltbereitschaft der Täter in allen Deliktbereichen“ zu tun, heißt es in der Behörde.

Amoklauf von München Noch mehr Pistolen bei mutmaßlichem Waffenverkäufer gefunden

Die Waffe für den Amokschützen von München ist nach Erkenntnissen der Ermittler nicht die einzige im Arsenal des mutmaßlichen Verkäufers aus Marburg gewesen. Weitere Pistolen und Munition versteckte er in Köln.

Das Zollfahndungsamt Frankfurt präsentiert am 17.08.2016 am Rande einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main bei einem mutmaßlichen Waffenhändler in Marburg sichergestellte Pistolen. Quelle: dpa

Immer häufiger ginge es um schwere und organisierte Kriminalität. Beispielhaft dafür nennt die Generalzolldirektion den Markt für Schwarzarbeit, auf dem hohe Gewinne zu erzielen seien. Diese würden Täter „durch gesteigerte Gewalt gegenüber anderen Tätern und auch den Strafverfolgungsbehörden“ schützen. Vor allem Osteuropäer sorgten für mehr Brutalität.

Zudem müssen sich die Beamten auf immer neue Herausforderungen einstellen – insbesondere die boomenden Geschäfte im Darknet – also jener verschlüsselte und anonyme Hinterraum des Internets, in dem der Handel mit Waffen, Sprengstoff und Drogen blüht. Auch der Amokläufer von München beschaffte sich dort seine Tatwaffe, eine Glock 17 aus der Slowakei. Über eine eigene Internetabteilung versuchen sich die Zollfahnder Zugang zu diesem Teil des Internets zu verschaffen.

Inzwischen könne Schäubles Sonderkommando auch bei Terrorlagen eingesetzt werden, erklärt die Generalzolldirektion: „Die Sicherheitsbehörden stehen im engen Austausch, der ggf. auch zu einer Anforderung der ZUZ führen kann.“ Diese nimmt bereits an bundesländerübergreifenden Übungen im Zusammenhang mit terroristischen Anschlägen teil.

Seit 2015 ist die ZUZ offizielles Mitglied im Nordverbund der SEKs. Aufgrund der Festlegung in den jeweiligen Polizeigesetzen der Bundespolizei und der Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Saarland, Sachsen und Schleswig-Holstein können Einsatzmaßnahmen der ZUZ auf Anforderung der Bundespolizei und der Länderpolizei mit allen polizeilichen Befugnissen erfolgen. Umgekehrt kann Schäubles Spezialeinheit nicht mehr alle Zolleinsätze selbst durchführen und muss stellenweise Unterstützung von der GSG 9 oder Sondereinsatzkommandos (SEK) der Länder anfordern.

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