Amoklauf in München: Was wir heute über den Amoklauf wissen

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Amoklauf in München: Was wir heute über den Amoklauf wissen

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Trauer in München

Nur langsam weicht der Schock nach dem kaltblütigen Anschlag in München. Ein 18-Jähriger tötete am Freitag neun Menschen. Bei der Tat handelt es sich laut Ermittlern um einen "klassischen Amoklauf", doch Fragen bleiben.

Zwei Tage nach dem Amoklauf von München hat sich die Zahl der Verletzten weiter erhöht. Derzeit sei von insgesamt 35 Verletzten auszugehen, teilte ein Sprecher des Landeskriminalamtes am Sonntag in München mit. Zehn von ihnen gelten weiter als Schwerverletzte. Am Freitagabend hatte ein 18 Jahre alter Schüler am Olympia-Einkaufszentrum im Nordwesten der bayerischen Landeshauptstadt neun meist junge Menschen erschossen und danach sich selbst. Das genaue Motiv des Deutsch-Iraners ist aber weiter unklar. Der Amoklauf wirft viele Fragen auf.

Was wir wissen

- Bei einem Amoklauf am Freitagabend am Münchner Olympia-Einkaufszentrum gab es zehn Tote - darunter der Täter. Der Polizei zufolge wurde in und vor einem Schnellrestaurant sowie in einem Einkaufszentrum geschossen. Der Täter verletzte zahlreiche weitere Menschen. Er tötete sich anschließend selbst.

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- Bei dem Täter handelt es sich um einen 18-jährigen Schüler, der nach Angaben der Ermittler eine Erkrankung „aus dem depressiven Formenkreis“ hatte. „Nach neuesten Informationen hat er sich in ärztlicher und psychiatrischer Behandlung befunden“, sagte Oberstaatsanwalt Steinkraus-Koch.

- Der Schütze ist in München geboren und aufgewachsen. Er hatte einen deutschen und einen iranischen Pass.

München „Explosionen von Gewalt“

Für den Innenminister waren es „Explosionen von Gewalt“, die in München zum Tod von neun unschuldigen Menschen führten. Eine Verbindung zum islamistischen Terrorismus sehen die Ermittler nicht.

Auch am Tag nach dem Amoklauf im Münchener Olympia-Einkaufzentrum steht die Stadt noch unter Schock. Quelle: dpa

- Viele Todesopfer waren minderjährig. Unter den neun Todesopfern seien drei Frauen gewesen. Alle Toten stammten aus München oder Umgebung.

- Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bestätigte, dass er mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ als Einzeltäter agierte.

- Die Ermittler gehen nicht von einem islamistischen Hintergrund aus. In der Wohnung des Täters fanden sie Bücher über Amokläufe. Eines davon hieß: „Amok im Kopf. Warum Schüler töten“.

- Die Polizei vermutet einen Zusammenhang zum Massenmörder Anders Behring Breivik. Der rechtsradikale Norweger tötete bei einem Bombenanschlag in Oslo und einem Massaker auf der Insel Utøya 2011 insgesamt 77 Menschen. Die Verbindung zu Breivik „liegt auf der Hand“, sagte Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä. Am Freitag war der fünfte Jahrestag von Breiviks Amoklauf. Außerdem soll der Münchner Täter den Amoklauf von Winnenden verherrlicht haben.

Sicherheitsexperte Peil "Einzeltäter sind im Vorfeld kaum zu identifizieren"

Nach der Schießerei in München war lange unklar, ob es sich um einen Anschlag oder einen Amoklauf handelte. Die Polizei geht von Letzterem aus. Sicherheitsexperte Florian Peil erklärt das Vorgehen der Behörden.

Polizisten mit Sturmhauben stehen am 22.07.2016 in München am Eingang zur U-Bahn am Hauptbahnhof und sichern nach einer Schießerei das Gelände. Quelle: dpa

- Der Täter führte eine illegale Pistole des Kalibers 9 Millimeter bei sich, die Seriennummer war ausgefräst. Der junge Mann habe über 300 Schuss Munition bei sich gehabt.

- Der Amokläufer von München war nach Worten von de Maizière für die Sicherheitsbehörden zuvor ein unbeschriebenes Blatt.

- Auch in der Innenstadt von München brach Panik aus - es war zeitweise von Schüssen die Rede. Hier soll es sich nach ersten Erkenntnissen um Fehlalarm gehandelt haben.

Was wir nicht wissen

- Unklar war zunächst, woher die Pistole stammte. Die Ermittler konnten außerdem nicht sagen, ob es sich um einen geübten Schützen handelte.

- Unter den Opfern sind viele Jugendliche. Ob der Amokläufer sie gezielt ins Visier nahm, konnte die Polizei zunächst weder bestätigen noch dementieren.

Chronik: Aufsehenerregende Anschläge in Deutschland

  • Juli 2016

    Mit Axt und Messer bewaffnet geht ein 17-jähriger Flüchtling aus Afghanistan in einer Regionalbahn bei Würzburg auf Fahrgäste los. Fünf Menschen werden verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich. Polizisten erschießen den Attentäter, der sich in einem Video als Kämpfer der Terrormiliz IS bezeichnete.

    Wenige Tage später sprengt sich ein 27-jähriger syrischer Flüchtling vor einem Musik-Festival in Ansbach mit einem Rucksack in die Luft. Er stirbt, 15 weitere Menschen werden verletzt. Auf einem Handy des Mannes gebe es eine Anschlagsdrohung als Video, sagt der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Der Täter kündige einen Racheakt gegen Deutsche an als Vergeltung, weil sie Muslime umbrächten.

  • April 2016

    Nach einer indischen Hochzeit verüben zwei junge mutmaßliche Salafisten aus Gelsenkirchen einen Bombenanschlag auf ein Gebetshaus der Sikhs in Essen. Drei Menschen werden verletzt. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um einen gezielten Angriff mit terroristischem Hintergrund handelte.

  • Februar 2016

    Bei einer Kontrolle am Hauptbahnhof Hannover verletzt eine 15 Jahre alte Deutsch-Marokkanerin einen Bundespolizisten lebensgefährlich mit einem Messer. Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft war die Attacke eine „Märtyreroperation“ für die Terrororganisation Islamischer Staat (IS).

  • März 2011

    Ein junger Kosovo-Albaner erschießt auf dem Flughafen Frankfurt/Main zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer. Der Mann gilt als extremistischer Einzeltäter. 2012 wird er zu lebenslanger Haft verurteilt.

- Der Täter hat möglicherweise einen Facebook-Account gehackt, um Menschen zum Tatort zu locken, erklärten die Ermittler. Im Internet kursierten Fotos von einem Account einer unbeteiligten Person, der Menschen aufrief, zum Schnellrestaurant am Olympia-Einkaufszentrum zu kommen - dort würde etwas spendiert. Ob dieser Facebook-Account wirklich vom Täter stammt, war allerdings am Samstag nicht sicher. Die Ermittlungen laufen. Bundesinnenminister Thomas De Maizière erklärte, es deutet vieles darauf hin, dass es der Täter war. "Wenn es so war, dann war es sehr perfide."

- Das Motiv des Täters war weiterhin unklar. Zu den Hintergründen der Tat lägen noch keine abschließend gesicherten Erkenntnisse vor, erklärte Innenminister de Maizière.

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