Anbauverbot für den Monsanto-Genmais : Wo bleibt der Nutzen für die Verbraucher?

KommentarAnbauverbot für den Monsanto-Genmais : Wo bleibt der Nutzen für die Verbraucher?

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Jürgen Rees

Die Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) hat die Aussaat von Genmais des amerikanischen Agrarkonzerns Monsanto verboten. Zu Recht hat sie das Risiko gegen den möglichen Nutzen abgewogen und für zu groß befunden.

Auch in diesem Jahr wächst  auf deutschen Äckern kein Genmais der Sorte MON810 des US-amerikanischen Agrarkonzern Monsanto.

Das ist aus  Gründen der Vorsorge für Menschen, Umwelt und Tiere gut so. Dieser Mais produziert ein Insektengift, das ihn gegen den Maiszünsler schützt - einen Falter, dessen Larven ganze Felder kahl fressen.  Doch Wissenschaftler haben Hinweise darauf, dass das Gift auch andere Insekten wie nützliche Bienen  und Marienkäfer sowie wertvolle Bodenorganismen schädigt.

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Mäuse sollen zudem nach dem Verzehr von Genmais weniger fruchtbar, ihr Immunsystem angegriffen sein. Das Risiko für den Menschen, wenn beispielsweise Pollen auf andere Nahrungsmittel übergehen, ist nicht geklärt. Ein bayrischer Imker, dessen Honig mit Mon810-Pollen verunreinigt war, musste sein Naturprodukt vernichten, weil das Genprodukt, das die Maispflanze dazu bringt, das Insektengift herzustellen, keine Lebensmittelzulassung besitzt.

Risiko und Nutzen von Genmais abwägen

Bei Lebensmitteln und bei Arzneimitteln ist es üblich und sinnvoll, das Risiko gegen den Nutzen abzuwägen.

Ist der Nutzen größer als das Risiko, spricht alles dafür, das Produkt auf den Markt zu bringen. Doch bis jetzt ist weit und breit kein Argument in Sicht, dass den Verbrauchern  die Grüne Gentechnik schmackhaft machen könnte.

All die versprochenen Lebensmittel, die dank Gentechnik besser schmecken, länger haltbar sind oder neue erwünschte Eigenschaften haben, gibt es nicht. Eine der spektakukärsten Entwicklungen, die Anti-Matsch-Tomate (Flavr Savr), die besser schmecken und länger halten sollte, wurde vor gut 15 Jahren klammheimlich vom Markt genommen. Sie war in jeder Hinsicht ein Flop. Calgene, die kalifornische Firma, die sie im Labor gebaut hatte, wurde 1997 von Monsanto geschluckt.

Weil die Verbraucher Sturm liefen gegen die Gentechnikprodukte, verschwanden bei Monsanto in der Folge alles, was direkt auf dem Teller der Verbraucher landen könnte. Monsanto konzentrierte sich stattdessen auf Futter- und Faserpflanzen wie Soja. Mais, Baumwolle mit eingebauten Pflanzenschutz- und Insektenschutztoleranzen. Mittel, die Monsanto auch selbst herstellt. Bauern, die sich auf dieses System einlassen, zahlen: Bis zu 350 US-Dollar kostete ein Sack des Gensaatgutes und damit siebenmal mehr als konventioneller Samen.

Teueres Gensaatgut - und es taugt kaum dazu, den Hunger in der Welt zu lindern.

Deshalb taugt  das Gensaatgut auch kaum dazu, den Hunger der Welt zu lindern. Im vergangenen Jahr kam der Welthungerbericht, den das International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development (IAASTD) im Auftrag der UN und der EU-Kommission erstellt,  zum ernüchternden Fazit: Das nur einmal einsetzbare Saatgut sei viel zu teuer.

Egal, ob Aigners Entscheidung aus wahltaktischen Gründen fiel oder nicht: Die Ängste vor einer Dämonisierung der Gentechnik sind unbegründet. Denn kaum jemand bestreitet den Nutzen der Gentechnik im medizinischen Bereich.  Dort hat die Gentechnik etwa mit gentechnisch hergestelltem Insulin für Diabetiker längst bewiesen, dass die Methode für die Menschen nützlich und ungefährlich ist.

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