Angela Merkel trifft auf die CDU-Basis in Heidelberg

Angela Merkel in Heidelberg: Basis heißt auch Zumutung

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Die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel bei der Regionalkonferenz in Heidelberg.

CDU-Chefin Angela Merkel hat bei einer Regionalkonferenz in Heidelberg ganze Bandbreite ihrer Partei zu spüren bekommen. Es gab eine Rücktrittsforderung, aber auch Lob für Merkels Flüchtlingspolitik.

Der Ton des alten Mannes am Mikrofon klingt ganz ruhig, seine Worte sind dagegen schneidend scharf. "Frau Bundeskanzlerin, treten Sie zurück", fordert Ulrich Sauer aus Karlsruhe und schaut zur CDU-Vorsitzenden hoch, die vor ihm auf dem Podium in der Heidelberger Stadthalle sitzt. In der Flüchtlingskrise habe die Kanzlerin versagt und einen "deutsch-tümelnden Wahn" ausgelebt. Aber während sich unter den CDU-Vertretern aus den Landesverbänden Saarland, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen bereits Unruhe und Empörung ausbreitet, bleibt die Kanzlerin stoisch ruhig. Auch der baden-württembergische Landesvorsitzende Thomas Strobl bittet als Gastgeber ausdrücklich, den Mann ausreden zu lassen. Nur als der Merkel dann auch noch vorwirft, ihr sei wohl die Vergewaltigung einer Frau in Heilbronn gleichgültig, schaut sie nach unten und muss schlucken.

Merkel, zum 4. Noch eben schnell die Welt retten

Die Kanzlerin will es noch einmal wissen und 2017 Kanzlerkandidatin werden. Sie tritt damit indirekt die Nachfolge von Obama als Führerin des Westens an – doppelte Selbstüberschätzung?

Kanzlerin Angela Merkel will für eine vierte Amtszeit kandidieren. Quelle: REUTERS

Aber die CDU-Vorsitzende hatte wohl schon geahnt, dass die üblichen Regionalkonferenzen vor dem CDU-Bundesparteitag kommende Woche keine leichte Übung werden. Es wirkt wie ein Trost für sie, dass sofort nach Sauer ein Konrad Reuters aus Illingen spricht, der wie der Gegenentwurf zu seinem Vorredner wirkt: Er lobt als freiwilliger Helfer nicht nur die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin, sondern hat auch den aus Afghanistan stammenden kleinen Edris mitgebracht, der Merkel auf Deutsch dankt. Die zweite Regionalkonferenz erlebt ihren emotionalen Höhepunkt, als der Kleine die Hand der Kanzlerin schütteln will, sie von der Bühne kommt - und Edris dann vor Aufregung die Tränen kommen.

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Das löst die zuvor angespannte Stimmung in der Halle und Merkel wandelt den Angriff gegen sie in eine Erlebnis-Erfahrung Volkspartei um. "Mit Herrn Sauer und Herr Reuters haben Sie die gesamte Spannbreite gesehen, mit der in unsere Familien und der Gesellschaft diskutiert wird", erklärt sie den Zuhörern. Und an Herrn Sauer gerichtet beschreibt sie noch einmal sehr ruhig, warum sie 2015 so gehandelt hat. "Ich bin es Ihnen auch schuldig, zu sagen, was ich denke", fügt sie hinzu. Ansonsten erntet sie nur freundliche Worte und Unterstützung wie schon in Neumünster am Freitag.

Letztlich wirkt der Abend in Heidelberg wie ein Symbol für das, was ihr und wohl allen Parteien im Bundestagswahl 2017 bevorsteht. "Das wird kein Kuschelwahlkampf, sondern ein harter Kampf", warnt auch Strobl. Seit Wochen mahnt Merkel ihre Parteispitze, dass es dabei entscheidend auf den Ton ankomme, um die von Rechts- und Linksaußen nur gewünschte Polarisierung zu verhindern. "Diese Art von Wahlkampf will ich nicht", betont sie mit Verweis auf den hasserfüllten US-Präsidentschaftswahlkampf und erntet in Heidelberg großen Applaus.

Ein Zuhörer mahnt, das beste Mittel gegen Populisten sei es, auf die Leute zuzugehen. Er hätte dafür gerne ein Set an griffigen Slogans wie "fördern und fordern", mit denen man Politik auch gut erklären könne. Prompt lädt Merkel ihn nach Berlin ein - als "Testperson", was sie nach Lachern im Publikum als ganz ernst gemeint bezeichnet. Denn sie selbst hat gerade begonnen, ihre oft als technokratisch kritisierte Sprache für die Wahlkampfphase auszumisten. Schon bei der ersten Regionalkonferenz in Neumünster hatte sich Merkel am Freitagabend entschuldigt, dass das von ihr zuletzt häufig verwendete Wort "disruptiv" doch etwas "elitär" sei. "Wir sind ja auch manchmal zu verkopft", räumt sie in Heidelberg selbstkritisch ein.

Aber Zugehen auf die Basis heißt für Politiker heute eben, nicht nur die Sauers, sondern auch Egozentrikern auszuhalten. In Heidelberg etwa kreisen viele Fragen zwar um Sachthemen wie Rente, Europa oder Teilhabegesetz. Aber gleich der erste Frager stellt die Organisatoren auf eine harte Probe, weil er erst vier Minuten am Pult und dann mehrfach Ruhe verlangt. Strobl lässt den Mann gewähren, der sich der "deutsche Donald Trump" nennt - und dessen Hauptbotschaft am Ende ist, dass es CDU-Anstecknadeln wirklich "für jede Kleidung passend" gibt.

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