Angela Merkel und Theresa May: Mrs. Brexit gegen Mrs. Europa

Angela Merkel und Theresa May: Mrs. Brexit gegen Mrs. Europa

, aktualisiert 13. Juli 2016, 17:21 Uhr
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Was haben die beiden Frauen gemeinsam? So einiges. Doch es gibt auch deutliche Unterschiede.

Quelle:Handelsblatt Online

Bisher hatten Angela Merkel und Theresa May wenig miteinander zu tun. Das ändert sich: Als Premier soll May die Briten aus der EU führen – und muss auch mit der Kanzlerin verhandeln. Beide haben einiges gemeinsam.

Berlin/LondonMachtwechsel in Großbritannien: Fast drei Wochen nach dem historischen Brexit-Votum tritt Premier David Cameron zurück – und die die Konservative Theresa May übernimmt die Regierung. Ihre wichtigste Aufgabe für die nächsten Monate. Ihre wichtigste Aufgabe für die nächsten Monate: negative wirtschaftliche Folgen durch den Brexit zu mildern und den Austritt aus der EU zu managen.

Jetzt wird es nicht mehr lange dauern, bis die 59-Jährige zum Antrittsbesuch nach Berlin reist und gemeinsam mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in die Kameras lächelt. Wird es ein gezwungenes Lächeln?

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May hat die Aufgabe, Großbritannien aus der EU zu führen. Sie hatte sich gegen den Brexit ausgesprochen, aber kaum für die EU geworben, eher im Gegenteil. Merkel hätte die Briten aus viele Gründen gern in der EU gehalten. Bei den Austrittsverhandlungen stehen die beiden auf verschiedenen Seiten: Mrs. Europa gegen Mrs. Brexit, auch wenn May der Titel aufgezwungen wird. Sie wird versuchen, Großbritannien im europäischen Binnenmarkt zu halten, aber irgendwie die Freizügigkeit einzuschränken. Dagegen warnt Merkel, wie fast alle in der EU: Beides gehört zusammen.

So wie jede mächtige Britin irgendwann mit Margaret Thatcher, der einzigen Frau vor May in der Downing Street, verglichen wird, so werden nun auch Parallelen zwischen May (59) und Merkel (61) gezogen. Tatsächlich haben die beiden Frauen das ein oder andere gemeinsam – May wurde sogar schon mit der berühmten Merkel-Raute gesehen. Deutliche Unterschiede gibt es aber auch.

BIOGRAFIE

Beide sind Kinder der 50er Jahre und wurden als erstes Kind eines Pfarrhaushalts geboren. Beide arbeiteten in anderen Berufen, bevor sie ins Parlament einzogen: Merkel am Zentralinstitut für physikalische Chemie in Ostberlin, May bei der englischen Notenbank und einem Unternehmen, das Finanzdienstleister unterstützt und berät.

Anders als Merkel war May früh politisch aktiv, ihren Mann lernte sie bei einem Tanzabend für Konservative in Oxford kennen. Merkel und May sind beide verheiratet und kinderlos, beide wandern und kochen nach eigenen Angaben in ihrer Freizeit.


Aufstieg, Auftreten, Prinzipien

AUFSTIEG

Merkel und May haben es beide an die Spitze von konservativen Parteien geschafft, die lange stark männlich dominiert waren. Beide haben gegen Widerstände angekämpft - Merkel musste sich vor allem als Frauenministerin Macho-Sprüche anhören, auch als Umweltministerin hatte sie, wie sie einmal sagte, „wenig Verbündete“. May war ebenfalls gut zwei Jahre lang Frauenministerin, das viel prestigeträchtigere Innenressort hatte 0sie da aber auch schon.

AUFTRETEN

„Sie ist kompetent und pragmatisch, zielstrebig, oft kühl, steht nicht auf Lästereien und Smalltalk und zieht nicht mit den Männern um die Häuser, hat aber Humor“: So in etwa beschreiben Mitarbeiter und Weggefährten sowohl Merkel als auch May. Beide halten ihr Privatleben privat und die Presse meistens auf Abstand.

Modisch allerdings unterscheiden die beiden sich klar: Mays Schuhwerk, ob in Leoparden- oder Zebramuster, fasziniert regelmäßig die britische Presse. Merkel dagegen steht für einfarbige Blazer und macht höchstens mit einer Kette in Deutschlandfarben Schlagzeilen.

PRINZIPIEN

Beide Politikerinnen haben Prinzipien und lassen sich von diesen leiten, auch gegen Widerstände. Bei Merkel ist das beste Beispiel wohl die Flüchtlingskrise und ihr „Wir schaffen das“. May lässt sich ebenfalls von ihrer Moral leiten und hatte zum Beispiel kein Problem damit, sich als Innenministerin mit der Polizei anzulegen. Beide können ihre Meinung aber auch ändern, wenn es geboten scheint - May zum Beispiel bei der Gleichstellung von Homosexuellen, Merkel beim Atomausstieg.

POLITIKSTIL

Beide neigen nicht zu Schnellschüssen. Deswegen will May zum Beispiel mit den formellen Austrittsverhandlungen warten, bis die Briten sich eine Verhandlungsstrategie zurechtgelegt haben. Und Merkel hatte unmittelbar nach dem Brexit-Votum erst einmal zu Ruhe und Besonnenheit gemahnt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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