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Anrufe bei Professoren: Regierung setzt kritische Ökonomen unter Druck

von Dorit Heß und Dirk Heilmann Quelle: Handelsblatt Online

Nach Handelsblatt-Informationen haben hochrangige Regierungsbeamte bei mehreren Unterzeichnern des Ökonomenaufrufs angerufen. Ifo-Chef und Mitunterzeichner Hans-Werner Sinn will sich davon nicht beeindrucken lassen.

Der Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung Hans-Werner Sinn. Quelle: dapd
Der Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung Hans-Werner Sinn. Quelle: dapd

Frankfurt/ DüsseldorfDer Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, sieht den Ärger in der Bundesregierung wegen seiner Kritik an der Euro-Rettungspolitik gelassen. "Womit sollte man mir persönlich drohen? Ich bin 64 Jahre alt, habe meine Karriere gemacht, mich kann nichts mehr schrecken", sagte er dem Handelsblatt. "Ich bin es ja außerdem gewohnt, von der Regierung kritisiert zu werden. Schon Gerhard Schröder hat mich damals als Professor Unsinn geschmäht, weil ich die aktivierende Sozialhilfe noch weiter treiben wollte, als er es tat."

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Sinn bestritt nochmals, dass er ein Initiator des umstrittenen Ökonomenaufrufs vom 5. Juli gewesen sei, auf den sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble empört reagiert haben. Der Aufruf gegen die Beschlüsse des Euro-Gipfels von Ende Juni sei auf Initiative des Dortmunder Ökonomen Walter Krämer entstanden, als er privat in den USA unterwegs gewesen sei, sagte Sinn. Er sei positiv überrascht gewesen, dass ihn mehr als 200 Kollegen unterzeichnet hätten. Krämer stützt diese Darstellung.

Die Vermutung, dass er sich damit aufgrund politischen Drucks von dem Aufruf distanziere, wies Sinn vehement zurück. "Bei mir hat sich vor oder nach dem Aufruf niemand aus Berlin gemeldet", sagte er. "Sie wüssten ja auch, dass das erfolglos sein würde."

Allerdings erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen, dass hochrangige Beamte mehrere Unterzeichner angerufen hätten, um den Unmut der Regierung zu transportieren. Der Grund für den Ärger seien nicht nur die Vorwürfe gegen die Bundesregierung und die Verdrehung der Gipfelbeschlüsse, sondern auch der Zeitpunkt vor kritischen Abstimmungen im Bundestag. Sinn selbst sei mit einem solchen Anruf kaum zu treffen. Ihm könne als Ifo-Präsident in seiner letzten Amtszeit schließlich nichts mehr passieren, hieß es.

"Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich Kollegen von solchen Anrufen beeindrucken lassen würden", sagte Sinn. "Dafür gibt es doch den Status des unabhängigen Professors."

Ein Fachkollege, der den Münchener Wissenschaftler gut kennt, sagte, Sinn habe den Bereich der Wissenschaft verlassen und mache nun "schon fast Politik". Das habe ein heftiges Medienecho ausgelöst, das Sinn persönlich sehr getroffen habe. Er habe unterschätzt, dass er sich auf ein Spiel eingelassen habe, in dem andere Regeln gälten. Der "Spiegel" hatte am Montag unter dem Titel "Prof. Propaganda" ein sehr kritisches Porträt über den Ifo-Chef veröffentlicht.

Doch auch unter Fachkollegen ist Sinns Vorgehen umstritten, wie die zwei Gegenaufrufe zu Krämers Brief zeigten. Während die einen sich öffentlich gegen ihn stellten, pflichten ihm andere demonstrativ bei. "Wie viele meiner Kollegen habe ich den Aufruf unterschrieben, um Sinn den Rücken zu stärken", meinte der Mannheimer Ökonom Klaus Adam, einer der inzwischen 254 Unterzeichner des Aufrufs. Er sei die einzige unabhängige Person, die öffentlich die entscheidende Frage in der Euro-Krise stelle: "Wer bezahlt die bereits angehäuften Verluste?" Die Bundesregierung habe mit ihrer öffentlichen Kritik an Inhalt und Tonfall des Aufrufs versucht, die Debatte zu stoppen, sagte Adam. "Der Ton war aber notwendig, um eine breite Wirkung zu entfalten."

In der Regierung dächten in Wahrheit viele Beamte ähnlich wie die Ökonomen, so Stefan Homburg, Finanzwissenschaftler an der Uni Hannover. Das habe er bei Gesprächen in Berlin festgestellt.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.07.2012, 15:58 UhrSuper-Angie

    Da wird niemend marschieren--außer Merkel watschelt mit Ihrem dicken Hinter-Backen

    Merkel wird versuchen alles auszusitzen wie Kohl.

    Die Märkte werden das aber nicht mitmachen.

    2 Ereignisse werden sich kreuzen das ist die Pleite GR, GR verlässt die EU + SP unter dem viel zu kleinen Schirm; Pleite-gewirtschsftet

    ESM wird aus Angst weiter blockiert.

    Rien ne va Plus die Kugel rollt nichts geht mehr rot oder Schwarz

    dann wird der Derivaten-Markt wackeln aus Unsicherheit 1400 Bill $; die Amis werden sich die Hosen an den Hosenbeinen Zubinden, Plötzlich ist der terror in Syrien nicht mehr zu finanzieren.

    Dannach verlassen die Ratten aus Angst das Berliner Schiff, denn niemend kann mehr für Ihre Sicherheit garantieren.

    Hans Werner Sinn sagte es korrekt " ich bin 64 Jh " die Lügenbande da in Berlin können mich nicht am sondern im Orsch lecken.

    "Denn der Knappe Schorsch kämpfte nur mit nacktem Orsch, denn er hatte wie sein Vater einen scharfen Hinterlader"

  • 21.07.2012, 01:25 Uhrmathias

    Wie ist das Nazi-Regime an die Macht gekommen????

    In kürze marschieren die Schlägertrupps.

  • 20.07.2012, 19:53 UhrJens

    Wenn das stimmt, ist es ein Skandal. Wehret den Anfängen. Wenn man diese Leute und ihre Hintermänner nicht öffentlich zur Rechenschaft zieht, verschwinden als nächstes bei uns auch unliebsame Gegner. Nordkorea läßt grüßen.

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