Anschläge in Paris: Der große Tross der Katastrophentouristen

KommentarAnschläge in Paris: Der große Tross der Katastrophentouristen

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Auf einem Werbebanner wird in Hamburg der Schriftzug "#prayforparis" angezeigt.

Das Attentat von Paris mutiert zur medialen Unterhaltung, als Ausgleich zwischen unserer Angst und unserer Neugier. Das ist vielleicht menschlich – aber definitiv absurd. Ein Kommentar.

Es tut mir leid: Ich habe keine Meinung zu den Attentaten von Paris. Ich weiß nicht, wer die Täter, waren, ich kenne ihre Motive nicht und ich weiß auch nicht, wie es weiter geht. Ich bin einfach nur schockiert und sprachlos. Ist das ok?

Ich ändere auch nicht mein Facebook-Profilbild und erfinde keinen Hashtag für Twitter. Ich beteilige mich einfach nicht an dem Krieg danach; an der Hysterie und der Spirale, die sich nach solchen Ereignissen mittlerweile wie programmiert immer schneller und immer höher schraubt. Neue Bombenwarnung, nächste Festnahme, erste Erkenntnisse, weniger Einwanderung, bessere Kontrollen.

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Terrorismusexperten schwafeln, innenpolitische Sprecher kriechen aus ihren Löchern und schwadronieren, Augenzeugen berichten, Straßenmusiker illustrieren. Der große Tross der Katastrophentouristen hat wieder mal Halt gemacht in meinem Kopf. Und eigentlich sagen sie alle das Gleiche. Wie immer. Und alle beteiligen sich daran, so als wäre es zum ersten und letzten Mal passiert. Wie immer.

 

Serdar Somuncu ist Kabarettist und Buchautor.  Quelle: Laif

Serdar Somuncu ist Kabarettist und Buchautor.

Bild: Laif

Fast so, als würde sich die Internetmeute darüber freuen, dass es endlich wieder etwas gibt – außer Bilder vom Abendessen oder der schönen Aussicht am Strand – das es sich zu posten lohnt.

Ich habe nichts gegen Solidarität und auch nicht gegen Mitgefühl. Aber ich habe etwas gegen Heuchelei. Ich frage mich, warum die Facebook-Bilder nicht im Millisekundentakt geändert werden und was es bedeutet, dass man erst eine Parole braucht, um eine Haltung zu entwickeln.

Zur Person

  • Serdar Somuncu

    Serdar Somuncu ist Kabarettist, Buchautor und Schauspieler. Der 47-Jährige tritt unter anderem regelmäßig in der ,,heute-show" des ZDF auf. In diesem Herbst läuft seine H2 Universe-Tour weiter.

Ich frage mich, warum die Fernsehsender erst jetzt stündlich ihre Brennpunkte senden und nicht täglich, wenn Kinder an Hunger sterben. Ich frage mich, ob es ein Interesse daran gibt, das diffuse Bedrohungsszenario zu schüren um das spontane Interesse am Leben zu halten. Ich versuche das Leid der Menschen aufzuwiegen. Ich suche den Unterschied zwischen dem Unmittelbaren und dem Unsichtbaren.

Und während auf der einen Seite schon neue Anlässe für unsere Panik entstehen, eine Meldung die andere jagt und die Lage sich scheinbar unaufhaltsam zuspitzt, habe ich die Eindrücke noch gar nicht verarbeitet. 

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