Anschlag auf BVB-Mannschaftsbus: Bundesanwaltschaft spricht von Terror

Anschlag auf BVB-Mannschaftsbus: Bundesanwaltschaft spricht von Terror

, aktualisiert 12. April 2017, 14:20 Uhr
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Polizisten stehen einen Tag nach dem Anschlag vor dem Trainingsgelände von Borussia Dortmund in Dortmund.

Im Fall der Sprengstoff-Attacke auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Nach Ermittlungen in islamistischen Kreisen wurde eine Person festgenommen.

Nach dem Sprengsatzanschlag auf die Fußballmannschaft von Borussia Dortmund kurz vor der Champions-League-Begegnung am Dienstagabend spricht die Bundesanwaltschaft von einem "terroristischen Hintergrund. Die Motivlage sei derzeit noch unklar, sagte Frauke Köhler, Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Aufgrund der Details konzentrierten sich die Ermittlungen derzeit aber auf einen möglichen islamistischen Hintergrund. Unter anderem deute darauf ein Bekennerschreiben hin, das am Dienstagabend gefunden worden war. Darin wird unter anderem der Abzug deutscher Tornados aus Syrien und die Schließung der US-Airbase in Rammstein gefordert. Eine abschließende Bewertung des Briefes stehe aber noch aus. "Derzeit laufen islamwissenschaftliche Prüfungen der Bekennung", so Köhler.

Im Laufe der Ermittlungen seien mittlerweile zwei Verdächtige aus islamistischen Kreisen in den Fokus der Ermittlungen gerückt. Daraufhin wurden ihre Wohnungen durchsucht, zwei Verdächtige befragt und schließlich ein Mann festgenommen, heißt es von Seiten der Bundesanwaltschaft.

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Die Sicherheitsbehörden prüften am Mittwoch noch ein zweites Bekennerschreiben auf seine Echtheit, das am Dienstagabend im Internet verbreitet wurde. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wird darin in Antifa-Duktus erklärt, dass der Bus mit eigens für den Angriff angefertigten Sprengsätzen als „Symbol für die Politik des BVB“ attackiert worden sei. Der Fußballclub habe sich nicht genügend gegen Rassisten, Nazis und Rechtspopulisten eingesetzt. An der Echtheit des Schreibens bestehen allerdings "erhebliche Zweifel", so die Bundesanwaltschaft.

Infolge unterschiedlichster Meldungen und zahlreicher Spekulationen in den sozialen Netzwerken, rief die Polizei Dortmund zu Zurückhaltung auf.

Der Angriff hatte sich am Dienstagabend ereignet. Der BVB-Bus war gerade vom Mannschaftshotel in Richtung Stadion losgefahren, um das Team zum Viertelfinale der Fußball-Königsklasse gegen den AS Monaco zu bringen, als die in einer Hecke versteckten Sprengsätze detonierten. "Die Sprengsätze hatten eine Sprengwirkung von mehr als hundert Metern", sagte Bundesanwaltschaftssprecherin Köhler. Man könne von Glück reden, dass nichts schlimmeres passiert sei. Dortmunds Abwehrspieler Marc Bartra wurde schwer an Hand und Arm verletzt und operiert. Ein Polizist erlitt ein Knalltrauma und einen Schock. Die Partie wurde kurzfristig abgesagt und auf Mittwoch (18.45 Uhr) verschoben.

NRW-Innenminister Jäger versprach den Stadionbesuchern bei Borussia Dortmund am Mittwochabend größtmögliche Sicherheit: „Wir haben die Polizeikräfte in Dortmund für heute Abend nochmal deutlich erhöht“, sagte Jäger in Düsseldorf. „Die Fans, die heute das BVB-Spiel sehen können, können sicher sein, dass die Polizei in Dortmund alles Menschenmögliche tut, damit dies ein sicheres Spiel ist.“ Wegen der erhöhten Sicherheitsvorkehrungen sollten die Fans auf keinen Fall Taschen und Rucksäcke mit zum Stadion bringen und frühzeitig anreisen. Zu dem Ersatztermin am Mittwoch haben sich NRWs Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Bundesinnenminister Thomas de Maizière angekündigt.

Polizeisperren blockieren Zufahrtsstraßen zum Tatort

Am Morgen sicherte die Polizei den Tatort und suchte nach Spuren. An den Zufahrten standen Einsatzkräfte mit Maschinenpistolen und schusssicheren Westen. Querstehende Polizeiautos blockierten die Straßen.

Auch bei dem Champions-League-Heimspiel des FC Bayern München gegen Real Madrid am Abend (20.45 Uhr) sollten Polizeiangaben zufolge mehr Beamte als geplant eingesetzt werden. Der Deutsche Fußball-Bund äußerte sich zunächst nicht über mögliche Folgen für künftige Bundesligabegegnungen.

Versuchtes Tötungsdelikt - Dortmunder Staatsanwaltschaft ermittelt nach Angriff auf BVB-BusVideo abspielen
Versuchtes Tötungsdelikt - Dortmunder Staatsanwaltschaft ermittelt nach Angriff auf BVB-Bus

Unterdessen kamen Spieler und Trainerstab des BVB an ihrem Trainingsgelände zusammen, um sich auf das Spiel vorzubereiten. Das Gelände wurde von der Polizei bewacht. „Ich habe gerade in der Kabine an die Mannschaft appelliert, der Gesellschaft zu zeigen, dass wir vor dem Terror nicht einknicken“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „Wir spielen heute nicht nur für uns. Wir spielen für alle. Egal, ob Borusse, Bayer oder Schalker.“

Große Solidarität und Hilfsbereitschaft gab es unter den Fans: Nach der Verlegung des Spiels boten Dortmunder bei Twitter unter #bedforawayfans Schlafplätze an. Anhänger des AS Monaco suchten auf demselben Weg nach Unterkünften. In der Nacht wurden in den sozialen Netzwerken Fotos von BVB- und Monaco-Fans gepostet, die gemeinsam am Tisch saßen und aßen.

Die Dortmunder Polizei lobte das Verhalten der Zehntausenden Fußballfans, die bereits im Stadion saßen, nach der kurzfristigen Absage. „Das ist gestern mit sehr viel Ruhe abgelaufen, und das hat uns natürlich als Polizei und sicherlich auch dem Verein sehr geholfen“, sagte eine Polizeisprecherin.

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