Anwalt Gernot Lehr: Wulffs menschlicher Schutzschild

Anwalt Gernot Lehr: Wulffs menschlicher Schutzschild

, aktualisiert 21. Dezember 2011, 12:01 Uhr
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Gernot Lehr ist der Anwalt der Präsidenten.

von Daniel Delhaes und Heike AngerQuelle:Handelsblatt Online

Der Präsident schweigt - und überlässt es seinem Anwalt, neue Enthüllungen Stück für Stück zu bestätigen. Damit hat der Medienrechtler Lehr Erfahrung:Wulff ist nicht sein erster Klient im Rang eines Staatsoberhauptes.

BerlinGernot Lehr steht im Foyer seiner Kanzlei und erduldet freundlich die Journalisten. Fragen an den Bundespräsidenten gingen über seinen Tisch, stellt der 54-jährige Medienrechtler den weiteren Verfahrensablauf klar. Er werde die Antworten vorbereiten, an Christian Wulff übersenden und schließlich freigeben.

Der Bundespräsident äußert sich nicht zu den aktuellen Informationen, daher war es Lehr, der den jüngsten Bericht bestätigte: Der Unternehmer Egon Geerkens war doch an den Verhandlungen rund um den 500 000 Euro-Kredit an Wulff beteiligt. In einer Stellungnahme für die Tageszeitung "Die Welt" betonte er zugleich, dass Kreditgeber die Ehefrau Geerkens gewesen sei: „Die Modalitäten wurden gemeinsam besprochen, das Darlehen von Frau Edith Geerkens gewährt.“

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Lehr hat Übung in diesem Prozedere, er ist der Präsidenten-Anwalt der Republik. Immer, wenn es in der Politik schmuddelig zu werden droht, soll Lehr den Ruf der Betroffenen retten. Er beriet schon den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau, als dem Flüge auf Kosten der WestLB zu schaffen machten. Jetzt also den Nach-Nachfolger. Auch wenn Lehr feststellt: „Ich vertrete Christian Wulff – nicht den Bundespräsidenten“.

In der eigenen Zunft gilt Lehr als schlauer Kopf, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält, sich jedoch nie aufspielt. Eine Besonderheit in der von Eitelkeiten geprägten Szene der Medienanwälte. Gernot Lehr, Sohn der ehemaligen Bundesfamilienministerin Ursula Lehr (CDU), studierte Jura und Volkswirtschaft in Bonn und München. 1987 trat er in die Kanzlei Redeker Sellner Dahs ein, die seit den Zeiten der Bonner Republik bestens in die Politik verdrahtet ist.

So boxte die Sozietät etwa Helmut Kohl aus der Flick-Affäre. Lehr selbst half Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) in der Flugaffäre aus der Patsche, ebenso beriet er Wolfgang Thierse (SPD) wegen der angeblichen Kokainfunde im Bundestag.

Im Fall Wulff muss er erklären, wie dessen 500.000-Euro-Kredit, Ferien bei vermögenden Freunden und eine umstrittene Werbekampagne mit dem Amt vereinbar sind. Bei dem prominenten Namen blitzen Lehrs Augen schelmisch hinter der randlosen Brille. Schmunzelnd erzählt er, wie er schon Johannes Rau vertreten habe. Der musste im Amt des Bundespräsidenten entkräften, als nordrhein-westfälischer Ministerpräsident die Flugzeuge der WestLB umsonst genutzt zu haben.

Von Dezember 1999 bis März 2000 arbeiteten Lehr und sein Team alle Flüge aus Raus’ Amtszeit auf – und wiesen so nach, dass es keine Unregelmäßigkeiten gab. „Das waren die härtesten Berufsmonate meines Lebens“, sagt Lehr. Bislang – mag er innerlich anfügen. Schließlich kommt Wulff derzeit nicht aus der Schusslinie.

„Jeder Quatsch wird gefragt“, seufzt Lehr, während er Käsebrötchen in sein Büro bestellt. Wer die Hochzeitsfeierlichkeiten der Wulffs im Schlosshotel Münchhausen gezahlt hat? Wer noch in den Häusern anwesend war, während Wulff dort Urlaub machte? „Wir werden alles Punkt für Punkt aufklären“, versichert der Jurist. Im Fall Rau beteuerte seine Kanzlei einst, der erste Mann der Republik habe Anspruch darauf, sich an wichtige Details nicht ganz so genau zu erinnern. Unvollständigkeit und Unaufklärbarkeit seien deshalb als „Irrtum“ zu tolerieren. „Dieser Satz gilt heute generell auch“, meint Lehr.

Quelle:  Handelsblatt Online
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