_

Apotheken-Urteil: Das Monopol bleibt, der Wettbewerb nimmt zu

von Jürgen Salz

Die Richter am Europäischen Gerichtshof (EuGH) halten Deutschlands alteingesessenen Apothekern lästige Konkurrenz vom Leib. Konzerne dürfen keine Apotheken betreiben, verkündeten die EuGH-Richter an diesem Dienstag. Die Pharmazeuten bleiben unter sich. Gelohnt hat sich der Kampf wider das Apotheken-Monopol trotzdem.

Die DocMorris-Apotheke in Quelle: dpa
Die DocMorris-Apotheke in Saarbrücken Quelle: dpa

Die Pläne von Pharmagroßhändlern und Handelskonzernen, eigene Apotheken zu betreiben, bleiben in der Schublade. Apothekenketten von Schlecker, Rewe oder Rossmann wird es nicht geben. Die Einzelapotheker behalten ihr jahrhundertealtes Monopol.

Anzeige

Der Markt hat sich dennoch verändert. Überall im Lande sind in den vergangenen Jahren etwa DocMorris- oder Easy-Apotheken entstanden. Die bunten Pharmazieläden, die mit niedrigen Preisen für rezeptfreie Medikamente werben und ein einheitliches Erscheinungsbild pflegen, haben in ihrer Umgebung bereits für mehr Wettbewerb gesorgt. So wie beispielsweise an der Venloer Straße in Köln-Ehrenfeld, wo vor Jahren eine DocMorris-Apotheke eröffnete: Ringsum haben die Apotheker ihre Preise gesenkt oder stellen jetzt ihre besonderen Serviceangebote heraus.

Die DocMorris und Easy-Apotheken wird es auch nach dem EuGH-Urteil weiter geben. Sie sehen zwar wie Apothekenketten aus, sind aber keine – weil der Apotheker hinter dem Tresen immer noch selbstständig ist und mit DocMorris oder Easy lediglich einen Franchise-Vertrag abgeschlossen hat.

Apotheker schließen sich zusammen

Und noch etwas Gutes hat die jahrelange Diskussion über Apothekenketten gebracht. Aus Furcht vor der drohenden Konkurrenz sind viele Apotheker endlich aufgewacht und haben – zum Vorteil der Verbraucher -  in mehr Marketing und besseren Service investiert. Viele Pharmazeuten haben sich zu Kooperationen zusammengeschlossen, die in den vergangenen Jahren reihenweise entstanden sind: Sie heißen Linda, Parmapharm („Gesund ist bunt“) oder Vivesco. In den angeschlossenen Apotheken führen sie dann Patienten-Aktionen – etwa Blutdruckmessung oder Diabetes-Checks – durch. Oder sie legen gemeinsame Bonuskarten auf, mit denen sich Rabattpunkte sammeln lassen.

Der Service in den Apotheken hat sich in den vergangenen Jahren – mit der drohenden Konkurrenz im Nacken – sicherlich verbessert. Das ist doch auch schon mal was.

Ob das allerdings gerade Celesio-Chef Fritz Oesterle tröstet, ist fraglich. Der Pharmagroßhändler aus Stuttgart (und Eigentümer von DocMorris) hatte – so offensiv wie kein anderes Unternehmen – auf Apothekenketten gesetzt. Der Kurs der Celesio-Aktie hat am Vormittag mehr als zehn Prozent verloren.              

9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.05.2009, 08:13 UhrAnonymer Benutzer: Tralala

    @ nucleus: Keine wirtschaftlichen interessen???
    Also ich bekomme in Apotheken vor Ort, immer nur die teuersten Markenprodukte angeboten, die günstigeren Generetika suche ich mir immer übers internet heraus! Und muß mich von den Damen und Herren in der Apotheke vor Ort schief anschauen lassen, wenn ich "nur" sowas "billiges" kaufe. - Erzählen Sie doch bitte die Tatsachen!

  • 20.05.2009, 14:51 UhrAnonymer Benutzer: Adolfo

    in einem Stuttgarter Stadtteil (Degerloch) befinden sich im Abstand von einem Steinwurf fünf Apotheken. Warum wohl ?

  • 20.05.2009, 13:43 UhrAnonymer Benutzer: nucleus

    Welche Millionengewinne? Die Apotheker haben auf die Preisgestaltung von Arzneimitteln keinen Einfluss. Sie erhalten pro abgegebener Packung einen "Dienstleistungslohn". Das ist auch gut so, damit keine wirtschaftlichen interessen die Abgabe von Arzneimitteln beeinflussen. Wer die Unternehmerlöhne der durchschnittlichen Apotheker kennt, wird feststellen, dass zu dem Lohnniveau keine Führungskraft in der industrie arbeiten würde. Sie wollen sparen? Das wäre ganz einfach: die Kostenträger nennen den preis, den sie für ein Medikament erstatten wollen. Dann können die Hersteller entscheiden, ob sie für den Preis liefern wollen. Das wäre echter Wettbewerb.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.