Arbeitgeberverband Gesamtmetall: Frauenpower im Männerclub

Arbeitgeberverband Gesamtmetall: Frauenpower im Männerclub

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Gabriele Sons

von Bert Losse

Gabriele Sons, 49, rückt an die Spitze von Gesamtmetall, der mächtigsten deutschen Arbeitgeberorganisation. Wer ist diese Frau?

Den ersten Eindruck, was sie künftig erwartet, bekam Gabriele Sons unlängst auf der Mitgliederversammlung von Gesamtmetall. Das Gros der Redner begrüßte die versammelte Unternehmer- und Funktionärsschar mit „Sehr geehrte Herren, sehr geehrte Frau Sons“ - die 49-Jährige war die einzige Frau im Saal.

Derartige Szenen dürften sich künftig öfter mal wiederholen: Seit dieser Woche ist Sons neue Hauptgeschäftsführerin von Gesamtmetall. In diesem Amt ist die gebürtige Freiburgerin formal zwar nur Chefin von 35 Mitarbeitern in der Verbandszentrale an der Berliner Voßtraße, die konkrete Tarifpolitik verantwortet Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. Doch Sons hat gleichwohl einen der einflussreichsten Lobbyjobs überhaupt in Berlin inne - Gesamtmetall vertritt politisch insgesamt 6300 Unternehmen  - und sie ist Bindeglied zwischen den eigenwilligen Regionalverbänden, bei denen in der Metallindustrie in Tarifrunden die Verhandlungshoheit liegt.

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Die Juristin hat eine ganze Reihe von Karrierestationen hinter sich. Nach dem 2. juristischen Staatsexamen ging sie zur Lufthansa,  zunächst als Referentin für Tarifpolitik, dann als Leiterin Personal und Recht der Lufthansa Cargo Airlines GmbH und schließlich als Leiterin Personal und Soziales der Lufthansa City Line GmbH. Anschließend wechselte sie als Personalchefin zur Wella AG.

Bevor sie den Gesamtmetall-Job annahm, war sie knapp fünf Jahre lang Geschäftsführerin der Schindler Deutschland Holding in Berlin; zuletzt arbeitete sie als Geschäftsführerin und Arbeitsdirektorin der ThyssenKrupp Industrial Services Holding, wo sie Personalverantwortung für mehr als 25.000 Mitarbeiter trug.

Sparschwein für Herrenwitze

Das Auswahlverfahren für ihren neuen Posten habe sie bei der Kandidatenkür „um Längen“ gegen ihre Konkurrenten gewonnen, heißt es bei Gesamtmetall. Drei Monate hat sie nun beim scheidenden Hauptgeschäftsführer Ulrich Brocker hospitiert und sich in die Tiefen und Untiefen der Verbandsarbeit einweihen lassen. Besonders drei Themen will sie im neuen Amt vorantreiben. Zum einen will Sons die Präsenz der Metallindustrie in Brüssel verstärken, damit neue Vorstöße der EU den Unternehmen frühzeitig bekannt werden. „Wir müssen in Brüssel das Gras wachsen hören“, sagte sie bei ihrer Amtseinführung im Ballsaal des Hotels de Rome. Zweitens will Sons das Thema Fachkräftemangel ganz oben auf die verbandspolitische Agenda setzen. Und drittens will sie offenbar auch organisatorisch im Verband Einiges ändern, was bei altgedienten Funktionären für Unruhe sorgen dürfte. Sie übernehme zwar ein „gut bestelltes Feld und muss nun nicht den Acker umgraben“, sagt sie. Klar sei aber auch, dass sich “ nur bei regelmäßigem Fruchtwechsel langfristig gute Ernten erzielen lassen.“

Dass sie sich in einer Männergesellschaft durchsetzen kann, hat Sons schon bei Schindler bewiesen. Auch dort war die selbstbewusste Sons einzige Frau im Vorstand - und stellte irgendwann ein Sparschwein auf den Tisch, wo die männlichen Managerkollegen bei derben Sprüchen und Herrenwitzen einzahlen mussten. Sons: „Da kam Einiges zusammen.“

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