Arbeitslosenzahlen: Globale Flaute? Arbeitsmärkte unbeeindruckt

Arbeitslosenzahlen: Globale Flaute? Arbeitsmärkte unbeeindruckt

, aktualisiert 01. September 2015, 12:22 Uhr

Es ist die übliche Arbeitsmarkt-Sommerflaute: Im August stieg die Zahl Jobsuchender in Deutschland, aber weniger stark als in den Vorjahren und in der Euro-Zone sank sie gar auf das niedrigste Niveau seit Jahren.

Die übliche Sommerpause hat die deutsche Arbeitslosenzahl im August weiter steigen lassen. Zuletzt waren 2,796 Millionen Menschen in Deutschland ohne Job, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Das waren 23.000 mehr als im Juli. In den vergangenen drei Jahren war die Zahl der Arbeitslosen im August im Schnitt um 30.000 gestiegen. Behördenchef Frank-Jürgen Weise sagte daher: „Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiterhin günstig: Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind im August saisonbereinigt gesunken, das Beschäftigungswachstum hält an.“

Es ist zudem die niedrigste Arbeitslosigkeit in einem August seit 1991. Die Arbeitslosenquote nahm gegenüber Juli um 0,1 Punkte auf 6,4 Prozent zu. Saisonbereinigt sank die Zahl der Jobsucher um rund 7000 auf 2,790 Millionen. Und im Vergleich zum Vorjahr waren 106.000 Menschen weniger erwerbslos gemeldet.

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Dekra-Arbeitsmarkt-Report: Das sind die meist gesuchten Jobs 2015

  • Platz zehn

    Der Anteil von IT-Fachleuten, (Fach-)Informatikern und Systemadminastratoren lag bei den von der Dekra untersuchten 12.649 Stellenangeboten bei 1,91 Prozent. Das reicht für Platz zehn unter den meistgesuchten Jobs. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Verbesserung um einen Platz.

  • Platz neun

    Arzthelfer und medizinische Fachangestellte haben einen Anteil von 1,94 Prozent. Damit belegen sie den neunten Platz. Im Jahr 2009 war der Bedarf dagegen drastisch höher - damals belegten sie Platz zwei.

  • Platz acht

    Ingenieure der elektrotechnik belegen mit 1,98 Prozent der Stellenanzeigen den achten Platz. Insgesamt gehören Ingenieure zu den gesuchtesten Berufsgruppen, auch wenn ihr Anteil am Berufsfeld „Entwicklung“ das zweite Jahr in Folge abgenommen hat.
    Elektroingenieure können aus etwas weniger Angeboten wählen (28,6 Prozent der Ingenieurstellen); die Nachfrage nach Kandidaten mit Spezialisierung auf Maschinen- und Fahrzeugbau ist dagegen um fast vier Prozent gestiegen (26,2 Prozent).

  • Platz sieben

    2,18 Prozent der Stellenanzeigen richten sich an Elektroniker, Elektriker und Elektroinstallateure. Damit bleiben Elektroniker unter den technischen Ausbildungsberufen die Stars am Stellenmarkt. Ihr Anteil am Berufsfeld ist dennoch auf den Tiefststand gesunken.
    Bei den Elektro-Ausbildungsberufen ist der künftige Arbeitgeber häufig ein Zeitarbeitsunternehmen (29,3 Prozent).

  • Platz sechs

    Mit einem Anteil von jeweils 2,19 Prozent an den Stellenangeboten, belegen gleich zwei Berufsgruppen den sechsten Platz: Zum einen die Verkäufer im Einzelhandel, zum anderen die Vertriebs- und Verkaufsleiter.

  • Platz fünf

    Wirtschaftswissenschaftler, Betriebswirte und Wirtschaftsprüfer belegen den fünften Platz. Der Anteil an entsprechenden Stellenangeboten beträgt 2,34 Prozent.

  • Platz vier

    2,53 Prozent der Stellenanzeigen entfallen auf Software-Entwickler, Software-Architekten und Programmierer.

  • Platz drei

    2,97 Prozent der Stellenanzeigen entfallen auf Kundenbetreuer, Kundenberater und Help-Desk-Mitarbeiter.

  • Platz zwei

    Gesundheits- und Krankenpfleger haben Wirtschaftswissenschaftler an der zweiten Stelle des Rankings abgelöst. Daneben dürfte Klinikbetreiber die hohe Nachfrage nach Ärzten Kopfschmerzen bereiten: Ihr Anteil an der Gesamtstellenanzahl ist so hoch wie nie; sie haben den Sprung unter die Top-Ten-Berufe nur knapp verfehlt (Platz 11).

  • Platz eins

    Vor allem Call-Center mit Fokus auf den Kundenservice suchen momentan viele neue Mitarbeiter. 3,84 Prozent der 2015 veröffentlichten Stellenanzeigen richten sich an diese Berufsgruppe.

Die große Überraschung: Auch in der Euro-Zone ist die Arbeitslosigkeit auf das niedrigste Niveau seit mehr als drei Jahren gesunken. Die Quote lag im Juli bei 10,9 Prozent, wie das Europäische Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte. Damit blieb sie erstmals seit Februar 2012 unter der Elf-Prozent-Marke. Von Reuters befragte Experten hatten erwartet, dass die Quote wie in den drei Vormonaten bei 11,1 Prozent liegen würde. Insgesamt sank die Zahl der Arbeitslosen zum Vormonat um 213.000. Die Chancen stehen gut, dass sich der Trend im August fortgesetzt hat. Wie das Institut Markit zu seiner Umfrage unter Einkaufsmanagern mitteilte, stellte die Industrie im vorigen Monat so viele neue Mitarbeiter ein wie seit Jahren nicht mehr.

In Italien fiel die Arbeitslosenquote im Juli um einen halben Prozentpunkt auf 12,0 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit Juli 2013, wie das nationale Statistikamt in Rom mitteilte. Die Zahl der Stellen zwischen Mailand und Palermo legte im Vergleich zum Juni um 44.000 zu. Die Zahlen gelten als Etappensieg für Ministerpräsident Matteo Renzi, der mit einer Arbeitsmarktreform die flaue Wirtschaft ankurbeln möchte. Das Bruttoinlandsprodukt legte im zweiten Quartal nach aktualisierten Zahlen um 0,3 Prozent zu. Damit ist das Plus genauso groß wie in der Euro-Zone. In den beiden Vorquartalen hatte es im Währungsraum jedoch noch jeweils zu einem Plus von 0,4 Prozent gereicht.

Die niedrigste Arbeitslosenquote in der Euro-Zone wies im Juli Deutschland auf. Das Schlusslicht bildete Griechenland mit 25,0 Prozent im Mai - jüngere Daten sind nicht verfügbar. Spanien kämpft trotz wirtschaftlicher Fortschritte ebenfalls weiter mit Massenarbeitslosigkeit. Die Quote sank allerdings deutlich auf 22,2 von 24,3 Prozent im Juli 2014.

Hauptursache für den deutschen Anstieg im August sei die anhaltende Sommerpause, sagte BA-Chef Weise. Viele junge Menschen melden sich nach abgeschlossener Schul- oder Berufsausbildung vorübergehend arbeitslos. Außerdem stellen die Unternehmen in den Ferien weniger neue Mitarbeiter ein.

Überraschende Wende am Arbeitsmarkt Meister sind seltener arbeitslos als Akademiker

Bildung und vor allem Ausbildung schützt vor Arbeitslosigkeit. Doch wo es lange hieß, dass nur ein Studium gegen Jobverlust absichert, zeigt eine Studie nun: Wer auf Nummer sicher gehen will, besucht die Meisterschule.

In der Firma Reuther STC GmbH in Fürstenwalde arbeitet Hamza Ahmed gemeinsam mit dem Meister für Zuschnitt, Thorsten Muschack, an einem Stahlsegment für einen Windradturm Quelle: dpa

Die Zahl der offenen Stellen stieg im August erneut auf nun 597.000 - das sind 81.000 mehr als vor einem Jahr. „Besonders gesucht sind zurzeit Arbeitskräfte in den Berufsfeldern Metallerzeugung, -bearbeitung, Metallbau, Verkauf sowie Verkehr und Logistik“, teilte die BA mit. „Es folgen Berufe in Maschinen- und Fahrzeugtechnik und Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik.“

Auch Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sind weiter gewachsen. Nach den jüngsten Daten vom Juli stieg die Zahl der Erwerbstätigen saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 26.000 auf 42,99 Millionen. Das sind 160.000 mehr als im Vorjahr. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung legte von Mai auf Juni um 41 000 auf 30,72 Millionen zu. Das sind 547.000 Menschen mit regulärem Job mehr als vor einem Jahr.

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