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Kommentar Arbeitslosenzahlen: Horrorgemälde einer eisigen Arbeitswelt

von Bert Losse

Ist Deutschland tatsächlich auf dem Weg in eine Billigjob-Republik? Die Zahlen sagen eher das Gegenteil.

Bundesagentur für Arbeit Quelle: dpa
Gute Nachrichten von der Bundesagentur für Arbeit: Die Zahl der Arbeitslosen hat sich im März um 82 000 auf 3,028 Millionen verringert. Auch die Arbeitslosenquote sank. Quelle: dpa

Frank-Jürgen Weise war völlig entspannt. Einmal mehr durfte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit am vergangenen Donnerstag gute Nachrichten verkünden. Die Zahl der Arbeitslosen hat sich im März um 82.000 auf 3,028 Millionen verringert. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 7,2 Prozent.

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Seit Monaten befindet sich der Arbeitsmarkt nun schon in einer Verfassung, die das Ausland staunen lässt. Gleichwohl werden Gewerkschaften und SPD nicht müde, das Horrorgemälde einer eisigen Arbeitswelt zu zeichnen, in der immer mehr Beschäftigte mit unsicheren und miserabel bezahlten Jobs abgespeist werden. Die aktuell gute Lage könne „nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Arbeitsmarkt für Jung und Alt prekär bleibt“, sagt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Wirklich? Es ist unstrittig, dass es in Deutschland schlecht bezahlte Jobs gibt, dass die Zeitarbeit weiter zunimmt und die Befristung von Arbeitsverträgen ein unschönes Ausmaß erreicht hat. Daraus jedoch einen generellen Verelendungstrend in der deutschen Arbeitnehmerschaft abzuleiten ist schon sehr gewagt.

Diagramm: Mehr feste Jobs Quelle: IAB-Betriebspanel
Diagramm: Mehr feste Jobs (zum Vergrößern bitte klicken) Quelle: IAB-Betriebspanel

Unqualifizierte sind das Prekariat

Schauen wir uns die Zahlen an: Seit 2010 steigt die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen stärker an als die Erwerbstätigkeit insgesamt. Dies wird nach einer aktuellen Projektion des politisch unverdächtigen Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung auch 2012 so bleiben. Die Nürnberger Forscher erwarten in diesem Jahr rund 510 000 (reguläre!) Jobs mehr. Im vierten Quartal dürften demnach erstmals seit 1992 mehr als 29 Millionen Menschen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen. Die Zahl der geringfügig Beschäftigten sinkt hingegen um etwa 100 000 auf 5,66 Millionen – vor allem, weil es immer weniger Ein-Euro-Jobber gibt.

Auch das Problem der Befristung lässt sich relativieren. Zwar ist bei Neueinstellungen der Anteil befristeter Verträge in den vergangenen zehn Jahren von 32 auf 45 Prozent nach oben geschossen; manche Betriebe missbrauchen die Befristung offenbar als eine Art verlängerte Probezeit. Richtig ist aber auch: Die Zahl der Arbeitnehmer auf Zeit, die am Ende doch noch einen unbefristeten Vertrag erhalten, steigt steil an. 2011 lag der Anteil bei 56 Prozent, das sind elf Punkte mehr als 2009.

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Das wahre „Prekariat“ sind weniger die Leiharbeiter und befristet Beschäftigten, auch nicht Rentner und Studenten, die auf 400-Euro-Basis Zeitungen austragen. Es sind die Unqualifizierten, deren Produktivität so niedrig ist, dass sie zu den von Politik und Gewerkschaften festgezurrten Tarif- und Mindestlöhnen kein Arbeitgeber mehr einstellt.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.04.2012, 18:05 UhrJowe

    "Die Zahlen sagen eher das Gegenteil". Leider bietet der Artikel ein gutes Beispiel gerade der falschen Interpretation von Statistiken. Ein Beispiel: "Auch das Problem der Befristung...": Der Autor schreibt selbst dass "der Anteil befristeter Verträge in den vergangenen zehn Jahren von 32 auf 45 Prozent nach oben geschossen" ist. Wenn der Anteil befristeter Verträge bei Neueinstellungen steigt MUSS auch der Anteil der aus befristeten Verträgen in feste Verträge wechselnde entsprechend stark steigen um auch nur eine gleichbleibende Zahl von normalen Verträgen zu sichern. Nur wenn die Zahl der Übernahmen aus befristeten Verträgen per Saldo größer ist als der Anstieg der Anzahl der Zeitverträge wird ein (i.S.d. Arbeitnehmer) positiver Effekt erreicht. Und dann vergleicht der Autor 2011 mit 2009 (11 Punkte mehr). Warum nicht mit 2008 (nur 4 Punkte mehr) oder noch besser mit vor zehn Jahren - dann könnte man dies mit seinen zu Beginn genannten Zahlen vergleichen(siehe oben).
    Leider war es mir so unmöglich den mglw. richtigen weiteren Gedankengängen des Autors zu folgen. Jeder biegt sich eben die Statistik so hin wie es in seine Argumentationslinie passt - sehr schade.

  • 04.04.2012, 09:22 UhrR2D2

    Unqualifizierte Manager haben wir genug.
    Die Unternehmen die Pleite machen werden immer von Managern in den Abgrund geführt. Wenn der kleine Ungelernte in der Lage wäre ein Unternehmen zu ruinieren dann wäre auch das Management daran schuld weil sie es durchgehen lassen.

  • 02.04.2012, 19:31 Uhrxyz

    Unqualifizierte haben wir eine Menge! Die werden uns so schnell nicht ausgehen. Davon abgesehen sind 70% der Niedriglöhner in DE Frauen und die meisten von denen haben tatsächlich sogar eine Ausbildung abgeschlossen. Von daher wären das auch die Profiteure von allgemeinen Mindestlöhnen. Deutschland profitiert allein von der demographischen Entwicklung - nur dadurch ist es möglich mehr Personen in Arbeit zu vermitteln - es verlassen eben mehr den Arbeitsmarkt als neue hinzutreten.

    und die Firmen preisen Mindestlöhne einfach ein - so what? Außerdem bildet Deutschland zu viel im überlaufenen Niedriglohnsektor aus, z.B. Friseurinnen. Die dumpen sich dann gegenseitig nieder.

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