Arbeitslosenzahlen: Letztes Aufbäumen am deutschen Arbeitsmarkt

KommentarArbeitslosenzahlen: Letztes Aufbäumen am deutschen Arbeitsmarkt

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Sogar in der Krise gibt es gute Nachrichten. Heute kamen sie aus Nürnberg. Dort berichtete die Bundesagentur für Arbeit, dass die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Oktober zum ersten Mal seit 1992 wieder unter die Marke von 3 Millionen gesunken ist. Dennoch bleibt der deutsche Arbeitsmarkt nicht von der Finanzkrise verschont.

Mit 2,997 Millionen lag sie um 437 000 niedriger als im Vorjahr. Auch nach Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen ging die Zahl der Arbeitslosen zurück, und zwar um 26 000 auf 3,151 Millionen. Zugleich nahm die Zahl der Erwerbstätigen im September um 20 000 auf 40,427 Millionen zu.

Bleibt der Arbeitsmarkt also von der Finanzkrise verschont? Keineswegs. Der Arbeitsmarkt ist ein klassischer Spätzünder im Konjunkturzyklus. Erst wenn die Auftragsbücher prall gefüllt sind und die Maschinen auf Hochtouren laufen, beginnen die Unternehmen damit, Arbeitskräfte einzustellen. Umgekehrt schrecken sie zunächst vor Entlassungen zurück, wenn die Konjunktur wieder schlechter läuft. Ein Grund dafür ist der restriktive Kündigungsschutz. Im Abschwung kommt hinzu, dass die Unternehmen sich sorgen, beim nächsten Aufschwung Schwierigkeiten zu bekommen, wieder geeignete neue Mitarbeiter zu finden.

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Rezessionen treiben Arbeitslosigkeit in die Höhe

Das führt dazu, dass der Arbeitsmarkt erst mit einer Verzögerung von etwa einem halben Jahr auf die allgemeine Konjunktur reagiert. Die guten Arbeitsmarktzahlen vom Oktober reflektieren daher die noch gute Konjunktur von Anfang dieses Jahres. Doch ebenso wie die Konjunktur im zweiten Quartal eingebrochen ist, wird auch der Arbeitsmarkt in den nächsten Monaten in die Krise schlittern. Bereits zum Jahreswechsel wird die Zahl der Arbeitslosen wieder steigen und die der Beschäftigten sinken. Ein Zeichen dafür sind die Ankündigungen der großen Automobilhersteller, ihre Produktion zurück zu fahren und sich von Zeitarbeitern zu trennen.

Wie kräftig Rezessionen die Arbeitslosigkeit in die Höhe treiben, konnten wir nach dem Platzen der New-Economy-Blase 2001 erleben. Damals kletterte die Zahl der Arbeitslosen im Verlauf von 2 Jahren um 600 000 in die Höhe. Die aktuelle Rezession wird tiefer sein und länger dauern als die Krise von 2001. Die Analysten der Bank of America halten daher einen explosionsartigen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 500 000 im nächsten Jahr für möglich.

Sollte die Bundesregierung vor diesem Hintergrund die Hartz-IV-Reformen noch weiter zurückdrehen, etwa durch eine Re-Regulierung der Zeitarbeit, oder weitere Branchen mit arbeitsplatzvernichtenden Mindestlöhnen überziehen, könnte selbst diese Schätzung noch zu optimistisch sein. Vor allen Dingen: Je stärker die Regierung den Arbeitsmarkt jetzt mit neuen Regulierungen überzieht, um so schwächer wird die Erholung nach dem Ende der Krise

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