Arbeitsmarkt: 100-Euro-Minijobs sind der falsche Ansatz

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KommentarArbeitsmarkt: 100-Euro-Minijobs sind der falsche Ansatz

von Max Haerder

Die Grünen wollen die Minijobs-Grenze von 450 auf 100 Euro drücken - weil sie nicht als Brücke in den Arbeitsmarkt taugen, sagt Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt. Dieses gravierende Problem sollte man besser anders lösen.

Das Problematische an den Minijobs ist ihr Erfolg: Rund 7,4 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland für maximal 450 Euro Monatslohn, brutto für netto. Minijobber, das kann so ziemlich jeder sein, von der mitverdienenden Hausfrau (oder dem Ehemann) und Studenten mit Nebenjob, über aufstockende Rentner und zeitungsaustragende Schüler bis hin zu Putzfrauen und Kellnern.

Je nach Perspektive sind die Minijobs dann ein passgenaues, attraktives Modell für all jene, die nicht mehr arbeiten können, wollen oder müssen. Oder ein Lohndrücker-und Mehrarbeitverhinderungs-Instrument, das Schwarzarbeit nur kaschiert, Arbeitnehmerrechte schleift und Aufstiege verbaut.

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Ministeriumsstudie Minijob ist ein Risiko im Lebenslauf

Als Brücke in die Vollzeitbeschäftigung scheint der Mini-Job wenig geeignet zu sein. Zumal nicht für Frauen, wie eine Studie des Familienministeriums zeigt.

Mini-Jobs sind in der Gastronomie weit verbreitet Quelle: AP

Katrin Göring Eckardt, die grüne Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, hat nun ihre dezidiert negative Sicht der Dinge vorgetragen, verbunden mit dem Vorschlag, die abzugsfreie Verdienstgrenze von 450 auf 100 Euro herunterzudrücken – mit Ausnahme des „haushaltsnahen Bereiches“, vulgo: Putzhilfen. „Als wir die Minijobs eingeführt haben, dachten wir, sie seien eine Brücke in den ersten Arbeitsmarkt“, sagt sie. Diese Hoffnung habe sich aber nicht erfüllt.

Die grüne Frontfrau hat durchaus recht, wenn sie auf Probleme mit den Minijobs hinweist: Gerade Frauen, die fast 60 Prozent dieser Arbeitsverhältnisse besetzen, bleiben oft in ihnen gefangen. Bei einer durchschnittlichen Dauer von sechs Jahren und sieben Monaten kann man nicht mehr von einem Sprungbrett sprechen, sondern höchstens von einem Sammelbecken. Von den Frauen, für die der Minijob nicht nur eine Nebenbeschäftigung war, fanden laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums nur 14 Prozent eine Vollzeitstelle. Von „ausgeprägten Klebeeffekten“ sprachen die Autoren. Das ist erschreckend.

Was Göring-Eckhardt allerdings verschweigt, ist: Laut Befragungen sind rund 80 Prozent der Frauen in Minijobs gar nicht unzufrieden mit ihrer Lage. Für nicht wenige also passen Minijobs zum eigenen Leben.

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Wer explizit etwas für mehr Beschäftigung der Frauen tun will (und alles spricht dafür), sollte weniger die Minijobs selbst regulieren, sondern die Grundlagen für den vollen Arbeitsmarkteintritt verbessern. Bei einer 100-Euro-Grenze dürften viele Tätigkeiten, die eben etwas, aber nicht viel mehr bringen, wieder in der Schwarzarbeit verschwinden. Das kann nicht Sinn der Sache sein.

Wer explizit Menschen unterstützen will, die aus der Minijob-Falle heraus wollen, der muss andere Hebel betätigen. Der Übergang im deutschen Abgaben- und Steuersystem bei Löhnen ab der Geringfügigkeitsgrenze von 450 Euro ist zu hart. Die Schwelle sollte flexibler werden, damit die volle Last nicht sofort jede Motivation zur Mehrarbeit erdrückt. Noch entscheidender aber ist ein anderer Punkt: gute und flächendeckend verfügbare Kinderbetreuung. Nur so können in Familien zukünftig beide Elternteile oder Alleinerziehende alle Chancen in ganzem Umfang nutzen. Hier schlummert das größte Potenzial.

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